Amtswechsel an der militärischen Führungsspitze

Die Generalinspekteure der Bundeswehr

Von Peter E. Uhde

In ihrer 62-jährigen Geschichte hatte die Bundeswehr 15 Generalinspekteure. Mit Generalleutnant Eberhard Zorn, der am 1. Mai 2018 das Amt übernehmen wird, folgt der 16. Amtsinhaber in der Führung der Bundeswehr.

Der Generalinspekteur der Bundeswehr (GI) ist truppendienstlicher Vorgesetzter der Soldaten in den Streitkräften und Teil der Leitung des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg). Er ist höchster Repräsentant der Bundeswehr und militärischer Berater der Bundesregierung. Des Weiteren ist er für die Gesamtkonzeption der militärischen Verteidigung einschließlich der Planung für die Weiterentwicklung, sowie für die Führung der Streitkräfte verantwortlich. Er hat den Vorsitz im Militärischen Führungsrat und vertritt die Bundeswehr in internationalen militärischen Gremien, z.B. dem Militärausschuss der NATO, der seinen Sitz in Brüssel hat.

Im Zusammenhang mit der Verantwortlichkeit und der Zuständigkeit des Generalinspekteurs wird immer wieder der Blankeneser Erlass zitiert. Hierbei handelt es sich um den Erlass von Verteidigungsminister Helmut Schmidt vom 21. März 1970. Bei einer Tagung an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg-Blankenese wurden Stellung und Befugnisse des Generalsinspekteurs und der Inspekteure festgelegt. Seit dem 21. Januar 2005 gibt es eine neue Weisung zur militärischen Spitzengliederung und der Verantwortlichkeiten in der Führungsebene des Ministeriums. Die Weisung wird mit „Berliner Erlass“ umschrieben. Sie war notwendig geworden, weil sich die Aufgaben der Streitkräfte im Laufe der letzten Jahre nachhaltig verändert haben. Beide Erlasse sind inzwischen überholt und durch die „Grundsätze für die Spitzengliederung, Unterstellungsverhältnisse und Führungsorganisation im Bundesministerium der Verteidigung und der Bundeswehr“ vom 21. März 2012, erlassen vom damaligen Verteidigungsminister Thomas de Maizière außer Kraft gesetzt.

12 + 2 + 2 = Heer + Luftwaffe + Marine

Von den bisherigen Generalinspekteuren gehörten elf der Teilstreitkraft Heer (Adolf Heusinger, Friedrich Foertsch, Heinz Trettner, Ulrich de Maizière, Jürgen Brandt, Wolfgang Altenburg, Klaus Naumann, Hartmut Bagger, Hans-Peter von Kirchbach, Wolfgang Schneiderhan und Volker Wieker), zwei der Luftwaffe (Harald Wust, Harald Kujat) und zwei der Bundesmarine (Armin Zimmermann, Dieter Wellershoff) an. General Zorn trägt die Uniform der Heeressoldaten.

Vier ehemalige Generalinspekteure (Heusinger, Altenburg, Naumann, Kujat) wechselten zur NATO und wurden Vorsitzende des Militärausschuss (Military Committee). General Altenburg war der erste Generalinspekteur, der nicht mehr Soldat in der Wehrmacht war. Kurz vor Kriegsende wurde er noch als Marine-Flakhelfer eingesetzt und geriet in englische Kriegsgefangenschaft. Nach der Entlassung machte er eine Lehre zum Hotelkaufmann, bevor er 1956 als Offizieranwärter in die Bundeswehr eintrat.

Verabschiedung mit Großem Zapfenstreich

Sein Nachfolger Admiral Wellershoff, Jahrgang 1933, war dann der erste „Ungediente“, er hatte noch einige Semester Maschinenbau studiert, bevor er am 1. April 1957 zur Marine ging. General Naumann und die folgenden Generalinspekteure wechselten direkt von der Schulbank als Offiziersanwärter zur Bundeswehr.

Der älteste Generalinspekteur ist Wolfgang Altenburg, * 24. Juni 1928. Die bisher längste Amtszeit als GI von mehr als acht Jahren hat nun Volker Wieker, der am 21. Januar 2010 das Amt übernahm und am 18. April 2018 mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet wird.

Amtsübernahme „Zu-Gleich“ in unruhigen Zeiten

Eberhard Zorn wurde am 19. Februar 1960 in Saarbrücken geboren und trat 1978 bei der Artillerietruppe in Idar-Oberstein in die Bundeswehr ein. Nach dem Studium der Wirtschafts- und Organisationswissenschaften an der Universität der Bundeswehr in Hamburg diente er als Zugführer, Kompaniechef und Operations- und Ausbildungsoffizier in einem Artillerieregiment. Nach der Teilnahme am 34. Generalstabslehrgang an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg absolvierte er anschließend noch die französische Generalstabsausbildung in Paris. Nach Rückkehr aus Frankreich machte er Dienst in verschiedenen Verwendungen und Dienststellen, bis er im Januar 2010 als Kommandeur die Luftlandebrigade 26 in Saarlouis übernahm und Brigadegeneral wurde. Als Generalmajor führte er ab Juni 2014 die Division Schnelle Kräfte. Im Oktober 2015 wurde er Abteilungsleiter Führung im Verteidigungsministerium und im August 2017 übernahm er die Personalabteilung.