75. Geburtstag

 

Bundespräsident Joachim Gauck 75

Von Peter E. Uhde
Bundespräsident Joachim Gauck - Foto: BPA

Am Sonntag, dem 18. März 2012 wählt die Bundesversammlung Joachim Gauck im ersten Wahlgang zum Bundespräsidenten. Damit ist ein Bürger aus den neuen Bundesländern der erste Mann im Staate und zieht in den Amtssitz Schloss Bellevue in Berlin ein. Beim ersten Anlauf Präsident zu werden, ist Joachim Gauck noch gegen seinen Vorgänger Christian Wulff gescheitert. Am 30. Juni 2010 stimmten im dritten Wahlgang 50,3 Prozent der Bundesversammlung für den niedersächsischen Ministerpräsidenten. Durch dessen Rücktritt am 17. Februar 2012 ist die Neuwahl notwendig geworden. Als überparteilicher Kandidat von Union, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP erhält Gauck 991 von 1.228 Stimmen. Damit ist er seit 1949 der elfte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.

Ordination zum Pfarrer 1967

Joachim Gauck wird am 24. Januar 1940 in Rostock geboren, macht dort 1958 Abitur und beginnt danach mit dem Studium der Theologie. Nach der Zeit als Vikar bei der Evangelisch-Lutherischen Landesskirche in Mecklenburg wird er Pastor in Lüssow/Kreis Güstrow. Da das Neubaugebiet Rostock-Evershagen in den siebziger Jahren einen Pfarrer brauchte, wird er dorthin versetzt. Neben dem Hauptamt nimmt er auch die Funktion des Kreis- und Stadtjugendpfarrers in Rostock wahr. Von 1982 an ist er Leiter der Kirchentagsarbeit in Mecklenburg.

Der Weg in die Politik

Ab 1989 ist Gauck auch in der kirchlichen Protestbewegung aktiv. Am 18. März 1990 wird er bei der ersten freien Wahl in der DDR für das Neue Forum in die Volkskammer gewählt. Diese beschließt die Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit, den dafür eingerichteten Ausschuss leitet Gauck. Der Nachlass der „Stasi“ beschäftigt Gauck auch ab dem 3. Oktober 1990. Als „Sonderbeauftragter der Bundesregierung für die personenbezogenen Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes“ beginnt seine Tätigkeit im wiedervereinigten Deutschland.

Leiter der „Gauck-Behörde“

Als der Bundestag das Stasiunterlagengesetz im Dezember 1991 verabschiedet, wird Gauck „Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR“. Seine Amtszeit wird 1995 um weitere fünf Jahre verlängert. 2000 endet die Zeit an der Spitze der „Gauck-Behörde“, wie das Amt im Sprachgebrauch genannt wird.

Köhler-Wulff-Gauck

Nun ist er journalistisch und publizistisch tätig. 2003 wird er Vorsitzender der Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie“. Zusammen mit Helga Hirsch, einer früheren Lebensgefährtin, veröffentlicht er 2009 „Winter im Sommer – Frühling im Herbst. Erinnerungen“. Ende Mai 2010 tritt Bundespräsident Horst Köhler zurück. Die SPD und Bündnis 90/Die Grünen nominieren Joachim Gauck als Kandidat für das auch Präsidentenamt. Erst im dritten Wahlgang unterliegt er Christian Wulff, Ministerpräsident von Niedersachen, dem Kandidaten der Regierungskoalition von CDU/CSU und FDP. Als dieser vorzeitig aus dem Amt scheidet, ist Gauck Kandidat, der dann von der Bundesversammlung gewählt wird.

Überzeugen durch Worte

Gauck, seit 1991 von seiner Ehefrau getrennt lebend, hat vier Kinder, Enkel und Urenkel. An seiner Seite nimmt Daniela Schadt, eine ehemalige Journalistin, die Funktion der ersten Dame des Staates wahr. Der Bundespräsident wirkt durch seine Reden. Eine seiner ersten im Februar 2013, mit der er Aufmerksamkeit erregt, betrifft Europa. Das klare Bekenntnis zu den geschaffenen Werten und die Aufforderung daran weiter zu bauen richtet sich nicht nur an die eigenen Mitbürger.

Münchner Sicherheitskonferenz 2014

Im letzten Jahr eröffnet Gauck die 50. Münchner Sicherheitskonferenz. Hier befasst er sich mit der Rolle Deutschlands in der Welt. „Die Bundesrepublik Deutschland sollte sich als guter Partner, früher, entschiedener und substanzieller einbringen“, wird immer wieder Pro und Kontra diskutiert. Im September 2014 nimmt er die Gelegenheit wahr, auf dem Historikertag in Göttingen zu den Fachgelehrten zu sprechen. „Es gibt kein Ende der Geschichte“, ist die Erkenntnis des Evangelischen Pastors aus Rostock und Bundespräsident in Berlin. Menschenwürde, Toleranz, Frieden und Freiheit sind für ihn unabdingbare Werte, die es zu verteidigen gilt. Am kommenden Samstag, dem 24. Januar wird Joachim Gauck 75.

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