UN-Klimakonferenz in Paris

 

Hohe Erwartungen an den Klimagipfel in Paris

Von Peter E. Uhde

Für die einen ist es fünf vor Zwölf, für die Anderen steht der große Uhr-Zeiger schon längst hinter der Zwölf. Wer Recht hat, darüber wird vom 30. November bis 11. Dezember in Paris diskutiert und gestritten werden. Als die 21. Klimakonferenz der Vereinten Nationen COP 21 (Conference of the Parties) in Frankreichs Hauptstadt vergeben wurde, konnte niemand ahnen, was sich in den letzten Tagen dort abgespielt hat. Überlegungen, die Konferenz abzusagen, zu der 20.000 Teilnehmer (10.000 Plätze für offizielle Delegationen, 3.000 Medienvertreter, 7.000 für Beobachter) erwartet werden, wurden fallen gelassen. Die Bedeutung der Konferenz ist so herausragend, dass man auf sie nicht verzichten kann. Eine Verlegung wäre kurzfristig nicht möglich gewesen. In Paris muss eine neue Klimaschutz-Vereinbarung als Nachfolge des Kyoto-Protokolls von 1997 beschlossen werden. Frankreich ist Gastgeber und den Vorsitz hat Außenminister Laurent Fabius. Um den Gipfel ohne gewaltsame Proteste durchführen zu können, sind Demonstrationen verboten, was die Umweltaktivisten empört.

In Brasilien wurde der Anfang gemacht

Auf dem Umweltgipfel von Rio de Janeiro 1992 wurde eine Klimarahmenkonvention als erster internationaler Vertrag geschlossen. Dadurch kamen der Öffentlichkeit die sich abzeichnenden klimatischen Veränderungen in der Umwelt deutlicher zum Bewusstsein. 1995 wurde mit dem „Berliner Mandat“ die Grundlage für Verhandlungen über ein Protokoll zur Verringerung der Treibhausgasemission gelegt. Im Protokoll von Kyoto 1997 wurden verbindliche Ziele für Emissionshöchstgrenzen für die Industrieländer beschlossen. Der Euphorie von Kyoto folgte bald wieder Ernüchterung. Die Interessen der Industriestaaten, der Schwellen- und Entwicklungsländer divergieren stark.

Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)

Der sogenannte Weltklimarat wurde 1988, auf Initiative des Umweltprogramms der VN gegründet. Hier arbeiten Wissenschaftler, die sich mit den globalen Klimaveränderungen befassen. Angesiedelt ist er in Genf und wird von dem Südkoreaner Hoesung Lee (69) geleitet. Aufmerksamkeit und Würdigung seiner Arbeit erreichte das Gremium, noch unter Leitung des Inders Rajendra Pachauri, durch die Verleihung des Friedensnobelpreises, den es zusammen mit dem ehemaligen amerikanischen Vizepräsidenten AL Gore 2007 erhalten hatte. Bundeskanzlerin Angela Merkel nutzte beim G-8-Gipfeltreffen in Heiligendamm 2008 die Gelegenheit, den Teilnehmern die Bedeutung der weltumspannenden Klimaveränderungen deutlich zu machen. 2014 wurde in Kopenhagen der 5. Sachstandsbericht des IPCC verabschiedet.

Die Folgen des Klimawandels sind sichtbar

Der gegenwärtige Klimawandel ist eine Tatsache und er beruht weitgehend auf menschlichen (anthropogenen) Einflüssen. Die untere Atmosphäre heizt sich auf, die Ozeane werden wärmer, Gletscher und Permafrostböden tauen, Eisschilde schmelzen und der Meeresspiegel steigt, so die schlechten Nachrichten. Es gibt aber auch gute. Es ist noch möglich, die globale Erwärmung unterhalb von 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und damit die Folgen des Klimawandels beherrschbar zu halten. Dafür bedarf es aber großer Anstrengungen, um z.B. den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase wie Kohlendioxid, Methan, Lachgas u.a. synthetischen Gasen zu minimieren.

Hauptrisiken des Klimawandels für Europa

Als Hauptrisiken werden drei Szenarien gesehen: Die Überflutung von Siedlungsgebieten, Verminderte Wasserressourcen und Hitzewellen. Die Auswirkungen wären: Höhere ökonomische Verluste; von Überschwemmungen in Flussauen und an Küsten betroffene Menschen, befördert durch eine zunehmende Urbanisierung sowie durch steigende Meeresspiegel und Höchstpegelstände von Flüssen. Verstärkter Wassermangel aus Flüssen und Grundwasserressourcen bei gleichzeitig höherem Bedarf für (Bewässerung, Industrie etc.) und geringerer Wasserführung in Flüssen aufgrund höherer Verdunstung. Bei Hitzewellen drohen höhere ökonomische Verluste; von extremen Hitzeereignissen betroffene Menschen: Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden, Arbeitsproduktivität, Agrargüterproduktion und Luftqualität. (Zusammenstellung nach: Perspektiven Erde 02/2014, Verlagsbeilage im Journalist 11/2014).

Paris muss ein Erfolg für den Klimaschutz werden

Die Vorbereitungen für COP21 laufen seit langem, nicht nur am Sitz des IPCC in Genf. Im Mai fand in Berlin der VI. Petersberger Klimadialog statt. Die Teilnehmer wurden auch von Bundespräsident Joachim Gauck empfangen, der von dem geplanten Klimaschutzabkommen den „Weg zu einer klimaneutralen Wirtschaftsordnung“ erwartet. Im Juli fand in Paris eine Konferenz mit über 2000 Wissenschaftlern statt. Im Juni und September liefen in Bonn Vorbereitungskonferenzen für COP21. Auch die USA entdecken das Klima-Problem

Im August veröffentlichte der US-Präsident Barack Obama einen Klimaschutzplan zur Senkung der US-amerikanischen CO2-Emissionen. Anfang November verstärkte er das in einer Erklärung und betonte, dass die USA ein Vorbild für den Klimaschutz sein sollte. Ein Erfolg in Paris scheint gegeben. Fast 200 Länder werden durch ihre Präsidenten oder Regierungschefs in Paris vertreten sein, darunter auch „Klimakanzlerin Angela Merkel“. Auf dem G20-Gipfel in Antalya, stand auch Klimaschutz auf der Agenda. „Es gab sehr viele hoffnungsvolle Stimmen und Beiträge, die alle sagten; wir wollen einen Erfolg von Paris“, erklärte die Kanzlerin. Entscheidend wird sein, dass sich Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer auf gemeinsame Ziele einigen, gefragt sind hier die Hauptverursacher. China, USA und die Europäische Union müssen bei der Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes eine Vorreiterrolle übernehmen. Nur dann wird es gelingen, die Folgen für die Ökosysteme und die Gesellschaften abzumildern und nachfolgenden Generationen das Leben auf dem Globus zu menschenwürdigen Bedingen zu ermöglichen. „Die Welt zu retten ist hart“ lautet die Überschrift eines Artikels in der Zeitschrift „Internationale Politik“ zum Pariser-Klimagipfel. Der Versuch muss gemacht werden, denn wenn der Klimaschutz scheitert, gibt es eine neue sicherheitspolitische Herausforderung und wie damit umzugehen ist, ist völlig unklar. „Wenn der Klimaschutz scheitert und die 2-Grad-Cesius-Leitplanke nicht eingehalten wird, muss sich die internationale Politik schrittweise auf klimabedingte Konflikte vorbereiten, …“ formulierte der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen 2007. „Um diese gefährlichen Entwicklungen zu vermeiden, müssen die klimapolitischen Weichen jetzt gestellt werden“. Seitdem sind acht Jahre vergangen, die Klima-Uhr tickt weiter, für die einen ist es noch vor Zwölf, für die Anderen schon nach danach. Vielleicht wird die Uhr in Paris angehalten, zu wünschen wäre es.

 
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