Altbundeskanzler Kohl feiert Geburtstag

 

Helmut Kohl wird 85 Jahre

Von Peter E. Uhde
Bundeskanzler Helmut Kohl, 1987

Helmut Kohl (CDU) war sechzehn Jahre Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Als der „Enkel Adenauers“ am 1. Oktober 1982 im Deutschen Bundestag zum Kanzler gewählt wurde, war er mit 52 Jahren der jüngste in diesem Amt. Er löste Helmut Schmidt (SPD) ab, der seit Mai 1974 an der Spitze der sozial-liberalen Koalition gestanden hatte. Vorher war er schon jüngster Ministerpräsident eines Bundeslandes (Rheinland-Pfalz). 25 Jahre stand er an der Spitze der Christlich Demokratischen Union Deutschlands. 1990 ist er der Kanzler der Deutschen Einheit und in seiner gesamten politischen Laufbahn ein entscheidender Mitgestalter der Europäischen Union.

Elternhaus, Schule, Studium, Eintritt ins Berufsleben

Helmut Kohl wird am 3. April 1930 in Ludwigshafen als drittes Kind von Hans und Cäcilie Kohl geboren. Er wächst in gut bürgerlichen Verhältnissen auf. Als Folge des Krieges muss er die Schulen wechseln und kommt 1944 auch noch in ein Wehrertüchtigungslager bei Berchtesgaden. In diesem Kriegsjahr fällt sein Bruder Walter. 1950 macht er Abitur. Zwei Jahre zuvor begegnete er in der Tanzstunde die aus Sachsen stammende Elenore Renner, genannt Hannelore. Sie heiraten im Juni 1960 und haben zwei Söhne, Walter und Peter. Frau Kohl war Diplomdolmetscherin für Englisch und Französisch.
Kohl beginnt seine berufliche Karriere in der Industrie, nachdem er das Studium mit der Promotion abgeschlossen hat. Schon früh engagiert er sich politisch, u.a. gehört er zu den Gründern der Jungen Union in Ludwigshafen. Seit 1947 Mitglied der CDU macht er zielstrebig Parteikarriere und wird 1959 Landtagsabgeordneter.

Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz

Am 19. Mai 1969 wird er Ministerpräsident des Bundeslandes. Im Oktober 1971 erleidet er eine Niederlage beim Versuch Parteivorsitzender der Bundes CDU zu werden. Die Wahl gewinnt Rainer Barzel, der sich aber nur zwei Jahre an der Spitze halten kann, Kohl folgt ihm und hat damit sein Parteiziel erreicht. Von nun an knüpft er seine Netzwerke in der Bundespolitik. Im Dezember 1976 geht er als Oppositionsführer nach Bonn. Als im September 1982 die sozialliberale Koalition aus SPD und FDP zerbricht, sieht Kohl seine Stunde gekommen. Am 1. Oktober wählt ihn der Deutsche Bundestag zum sechsten und jüngsten Regierungschef.

Durchsetzung des NATO-Doppelbeschluss

Die Außenpolitik wird seine Domäne. Mit der Durchsetzung des NATO-Doppelbeschlusses verbessert sich das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten. Die Initiative von Kohl und Staatspräsident Mitterrand zur Bildung der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität ist ein Baustein der Europäischen Union, das EURO-Korps in Straßburg gehört dazu.

Kanzler der Einheit

Kohl hat die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung Deutschlands nie aufgegeben. Am 9. November 1989 fällt die Mauer. „Als ob ihn plötzlich der Geist Adenauers ergriffen hätte“, formuliert es Harvard Professor Stanley Hoffmann. Kohl setzt alles auf eine Karte und überzeugt die Verbündeten, dass Europa und die Welt von der Wiedervereinigung Deutschlands profitieren werden. In der Nacht vom 2. zum 3. Oktober 1990 wird die deutsche Einheit vor dem Reichstagsgebäude in Berlin gefeiert. Nach der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl am 2. Dezember 1990 beginnt am 17. Januar 1991 Helmuts Kohls dritte Amtsperiode.

Das Ende der Ära Kohl

Bei der Bundestagswahl am 27. September 1998 erleidet die CDU eine schwere Niederlage, für die Kohl die Verantwortung übernimmt. Die SPD gewinnt und bildet mit Bündnis 90/Die Grünen eine Koalitionsregierung. Am 28. Oktober 1998 endet Kohls Amtszeit, er legt auch den Parteivorsitz nieder und zieht sich an seinen Familienwohnsitz in Ludwigshafen/Oggersheim zurück. Hannelore Kohl engagiert sich als Vorsitzende der Stiftung „Kuratorium ZNS“ für Schädel-Hirn-Verletzte. Sie litt unter einer seltenen Lichtallergie und wählte am 5. Juli 201 den Freitod.
Im Februar 2008 erleidet Kohl nach einer Knieoperation bei einem Sturz eine Hirnverletzung, von der er sich nicht erholt. Er ist auf den Rollstuhl angewiesen. Im gleichen Jahr heiratet er die 34 Jahre jüngere Maike Richter. Aus der Öffentlichkeit hat er sich fast zurückgezogen. Auf der Frankfurter Buchmesse 2014 stellt er sein Buch „Aus Sorge um Europa“ vor. Der Streit vor Gericht mit seinem Biographen Heribert Schwan richtet in den letzten Monaten den Blick wieder verstärkt auf Helmut Kohl.

Am 3. April feiert der „Kanzler der Einheit“ und „Ehrenbürger Europas“ seinen 85. Geburtstag.

 
Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F074398-0021 / Engelbert Reineke / CC-BY-SA
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