Nachruf

 

Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker gestorben

Von Peter E. Uhde
Bundespräsident Richard von Weizsäcker, 1984 - Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1991-039-11 / CC BY-SA 3.0 de

Richard von Weizsäcker wurde am 23. Mai 1984 zum Bundespräsidenten gewählt. Damit erreichte seine politische Laufbahn in der Bundesrepublik Deutschland ihren Höhepunkt. Bis zum 30. Juni 1994 repräsentierte er Deutschland als erster Mann im Staat, zuerst aus Bonn und dann aus Berlin. „Ein Glücksfall für unser Land“ nannte ihn Hans Jochen Vogel, einst sein direkter politischer Konkurrent um das Amt des Regierenden Bürgermeisters von Berlin.

Die Herkunft der Familie

Der Stammbaum der Gelehrten- und Beamtenfamilie reicht bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts ins württembergische Hohenlohe. Der Großvater Karl von Weizsäcker diente dem König von Württemberg in Stuttgart als Ministerpräsident und erhielt 1916 den erblichen Adel. Vater Ernst von Weizsäcker diente in der Kaiserlichen Marine und wechselte dann in den diplomatischen Dienst. Im neuen Flügel des Stuttgarter Schlosses wurde Richard von Weizsäcker am 15. April 1920 geboren. Die ersten Lebens- und Schuljahre verbrachte er in Basel, Kopenhagen, Oslo, Bern. 1937 machte er in Berlin Abitur.

Wehrdienst bei der Infanterie in Potsdam

Ab Herbst 1938 begann er den Wehrdienst im Infanterieregiment 9. Hier dienten u.a. Henning von Tresckow, Axel von dem Bussche und andere Adlige. Im Volksmund hieß das Regiment daher „Graf Neun“. Am 1. September 1939 zog er in den Krieg gegen Polen. Sein Bruder Heinrich fiel am zweiten Kampftag. Nach dem Polenfeldzug wurde er Offizier, machte den Russlandfeldzug bis vor Moskau, ebenso den Rückzug der Wehrmacht mit. Das Kriegsende erlebt er als Hauptmann.

Ziviler Neuanfang in Göttingen

Das Studium der Rechtswissenschaften und Geschichte schloss er 1953 mit dem Assessorexamen ab. Zwei Jahre später folgte die Promotion. Während des Studiums war er Assistent der Verteidiger seines Vaters, der als SS-Brigadeführer und Staatssekretär in Nürnberg im sogenannten Wilhelmstraßen-Prozess angeklagt war.

Im Jahr seines Assessorexamens heiratete Richard von Weizsäcker Marianne von Kretschmann. Der Ehe entstammen drei Söhne und eine Tochter. Seine berufliche Laufbahn begann in der Industrie. 1958 erfolgte der Wechsel zu einem Bankhaus mit dem familiäre Beziehungen bestanden. Von 1962 bis 1966 war er Geschäftsführender Gesellschafter eines pharmazeutischen Unternehmens in Rheinland-Pfalz.

Protestantischer Kirchenmann und Aufstieg in der Politik

Als konservativ-liberaler Bürger war von Weizsäcker 1954 in die Christlich Demokratische Union (CDU) eingetreten. Sein Engagement in der Evangelischen Kirche führte ihn 1964 auf den Posten des Präsidenten des Evangelischen Kirchentages. In der Bundespolitik wurde er durch Helmut Kohl protegiert. Er wurde Mitglied im Bundesvorstand der Partei (1967), im Deutschen Bundestag (1969), dann dessen Vize-Präsident (1979). 1981 wählten ihn die Westberliner zum Regierenden Bürgermeister. Nur drei Jahre hatten ihn die Berliner im Roten Rathaus. Am 23. Mai 1984 wählte ihn die Bundesversammlung zum Bundespräsident.

Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes 1985

Am 8.Mai 1985 hielt er die wohl bedeutendste Rede seiner Amtszeit anlässlich der Gedenkstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages. Viel beachtet im In- und Ausland, ist sie in die Geschichte eingegangen. Am 23. Mai 1989 wurde er ohne Gegenkandidat mit 881 von 1022 Stimmen für weitere fünf Jahre wiedergewählt. Der Mauerfall im November 1989 und die deutsche Einheit im Oktober 1990, die Entscheidung die Amtsgeschäfte aus Berlin zu führen, Staatsbesuche als Präsident des vereinigten Deutschlands beinhalten die zweite Amtszeit. Am 30.Juni 1994 übergab er das Präsidentenamt an Roman Herzog.

Gesellschaftlich weiter engagiert

Für Richard von Weizsäcker gab es nach der Präsidentenzeit keinen Ruhestand. Auch der Bundeswehr blieb er verbunden und führte die nach ihm benannte Kommission zur zukünftigen Bundeswehrstruktur 1999/2000. Ehrendoktorwürden und Auszeichnungen häuften sich im Laufe der Jahre. Sie galten einem Mann und seiner Frau, die das Ansehen Deutschlands mitgeprägt haben. Am 31. Januar ist Richard von Weizsäcker in Berlin gestorben.

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