Wir erinnern

Die Nationalhymne: Das „Lied der Deutschen“

Vor 175 Jahren schrieb es Hoffmann von Fallersleben

Von Peter E. Uhde
 
 
 

Das Verhalten des Diskus-Olympiasiegers Christoph Harting bei der Siegerehrung als die Nationalhymne gespielt wurde, gab Anlass zu heftigen Kommentaren in der Öffentlichkeit. Aber nicht nur dieser Moment, auch bei den Spielen der Fußball-Europameisterschaft, gab es immer wieder Diskussionen über das Singen oder Nichtsingen der Nationalspieler. Grund also um einmal auf die Geschichte des Deutschlandliedes einzugehen, das als „Staatssymbol“ anerkannt ist.

Für die Gründungsväter der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland war eine Nationalhymne kein Thema. Erst nach Verabschiedung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 wurde das Fehlen einer Bundeshymne bedauert.

Bundespräsident Theodor Heuss schlug daher an der Jahreswende 1950/51 den Text „Hymne an Deutschland – Land des Glaubens, deutsches Land, Land der Väter und der Erben“ von Rudolf Alexander als Hymne vor, konnte sich damit aber nicht durchsetzen.

Im April 1952 ergriff Bundeskanzler Konrad Adenauer die Initiative. Er schrieb an Heuss, das Deutschlandlied zur Nationalhymne zu erheben. Der Bundespräsident erklärte das „Lied der Deutschen“ von Hoffmann von Fallersleben dann zur offiziellen Hymne. Bei feierlichen Anlässen wird die 3. Strophe gesungen werden.

Getextet vor 175 Jahren auf Helgoland

Entstanden ist der Text am 26. August 1841 auf der damals britischen Insel Helgoland. Hierhin hatte sich der Professor der deutschen Sprache August Heinrich Hoffmann (2.4.1798-19.1.1984) in den Semesterferien zurückgezogen. Als Dichter nannte er sich nach seinem Geburtsort bei Braunschweig „von Fallersleben“. Bekannte Volkslieder, wie „Alle Vögel sind schon da“, „Kuckuck, Kuckuck ruft´s aus dem Wald“ oder „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ sind von ihm. Der Hamburger Verleger Julius Campe, der die Rechte erwarb, unterlegte dem Text die Melodie der Kaiserhymne von Joseph Haydn (1732-1809). Am 5. Oktober 1841 wurde es in Hamburg öffentlich aufgeführt und gesungen. Als Nation existierte Deutschland noch nicht. Fast vierzig souveräne Einzelstaaten bildeten das „geographische Deutschland“. Erst der Sieg im Krieg gegen Frankreich 1870/71 brachte schließlich die „Reichsgründung. Am 18. Januar wurde der preußische König zum „Deutschen Kaiser“ ausgerufen.

Das Deutschlandlied wurde erstmals offiziell am 9. August 1890 bei einem Staatsakt gespielt und gesungen. Anlass war die feierliche Hissung der Flagge des Deutschen Reiches auf Helgoland. Die Insel, seit 1870 im englischen Besitz, kam im Austausch gegen Sansibar wieder zu Deutschland.

Zur Zeit der Weimarer Republik

Reichspräsident Friedrich Ebert erklärte zum Verfassungstag, dem 11. August 1922, das Lied zur Nationalhymne. Während des Nationalsozialismus wurde nur die erste Strophe gesungen. Das Ende des Dritten Reiches im Mai 1945 bedeutete auch das Ende des Deutschlandliedes als Nationalhymne, es wurde verboten.

Entscheidung nach der Wiedervereinigung

Nach der Wiedervereinigung stellte sich die Frage der Nationalhymne neu. Wieder kam es zu einem Briefwechsel zwischen dem Bundespräsidenten und dem Bundeskanzler. Am 19. August 1991 schrieb Richard von Weizsäcker: „Die 3. Strophe des Hoffmann-Haydn´schen Liedes hat sich als Symbol bewährt. Sie wird im In- und Ausland gespielt, gesungen und geachtet. Sie bringt die Werte verbindlich zum Ausdruck, denen wir uns als Deutsche, als Europäer und als Teil der Völkergemeinschaft verpflichtet fühlen. Die 3. Strophe des Liedes der Deutschen von Hoffmann von Fallersleben mit der Melodie von Joseph Haydn ist die Nationalhymne für das deutsche Volk“.

Der Bundeskanzler antwortete am 23. August 1991

„Sehr geehrter Herr Bundespräsident, „Einigkeit und Recht und Freiheit“ – mit diesem Dreiklang gelang es uns, nach 1949 die erfolgreichste rechtsstaatliche Demokratie unserer Geschichte zu gestalten und den Wunsch nach nationaler Einheit wachzuhalten. Der Wunsch aller Deutschen, die Einheit ihres Vaterlandes in Freiheit zu vollenden, kam im Deutschlandlied besonders eindringlich zum Ausdruck. Heute, nach der Wiedervereinigung Deutschlands, verpflichtet uns auch das Deutschlandlied, für die Menschen in den neuen Bundesländern eine rechtsstaatliche Ordnung zu verwirklichen. Der Wille der Deutschen zur Einheit in freier Selbstbestimmung ist die zentrale Aussage der 3. Strophe des Deutschlandlieds. Deshalb stimme ich Ihnen namens der Bundesregierung zu, dass sie Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland ist.“

Eine Zwanzig-Euro-Gedenkmünze wird aus Anlass des 175. Jahrestages seiner Dichtung an das „Lied der Deutschen“ erinnern. Ausgabetag ist der 6. Oktober, die Prägestätte J (Hamburg).

Die 3. Textstrophe lautet:

Einigkeit und Recht und Freiheit
für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
sind des Glückes Unterpfand –
blüh´ im Glanze dieses Glückes,
blühe deutsches Vaterland!
 
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