POL & IS

 

POL&IS-Veranstaltung im Schullandheim der Region Hannover in Torfhaus (Harz) vom 08.03. - 10.03.16

“Das war megageil!“

Von Jürgen Hockemeier
Die 40 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Adolfinum mit den Jugendoffizieren sowie den Politiklehrern Volkmar Heuer-Strathmann, Björn Haßelmann und der Referendarin Muradiye Öztürk. - Foto: Jürgen Hockemeier

Es war das erste Mal, dass die Sektion Minden POL&IS mehrtägig mit Schülern durchführte. Politik und Internationale Sicherheit (POL&IS) ist ein komplexes handlungsorientiertes interaktives Planspiel, in dem politische, wirtschaftliche, ökologische und finanzielle Beziehungen von 9 (in diesem Fall) Weltregionen simuliert werden. Eine große Rolle spielen Sicherheitsprobleme. Politische Konflikte zwischen Guerillaorganisationen und einzelnen Staaten werden simuliert – die Sicherheit der eigenen Bevölkerung muss garantiert werden. Darüber hinaus gilt es durch geschickten Welthandel das wirtschaftliche Wohlergehen der eigenen Regionen zu sichern und vor allem dafür zu sorgen, dass die Bevölkerung ernährt werden kann. Jede Region wird von einer Regierung, die aus dem Regierungschef (zugleich Umweltminister), einem Staatsminister und einem Wirtschaftsminister besteht, geführt. Hinzu kommen außerstaatliche Rollen, diese bestehen aus der Weltpresse, der Weltbank und dem UN-Generalsekretär. NGOs wie Greenpeace, Ärzte ohne Grenzen und Amnesty International sind vertreten. Von der Spielleitung werden ‚Ereignisse‘ generiert, die das Spiel zusätzlich erschweren, so gibt es Streiks, Aufstände sowie regionale Konflikte. Die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass erfolgreiche Sicherheitspolitik unbedingte Voraussetzung für das Prosperieren der eigenen Region ist.

Die Konflikte und Beziehungskrisen werden in einer Art UN-Vollversammlung erörtert, dort werden Reden gehalten, Bündnisse entwickelt sowie Verträge abgeschlossen und sogar Boykottmaßnahmen bei Vertragsbruch angesprochen. Im Grunde entsteht in POL&IS ein vereinfachtes gleichwohl realistisches Weltmodell.

Hauptmann Dr. Martin Neumann am Hauptspielfeld. - Foto: Jürgen Hockemeier

Die Jugendoffiziere der Bundeswehr bauen ein sehr umfangreiches Spielszenario auf, das sich über mehrere Räume erstreckt. Auf einer vereinfachten Weltkarte wird die ‘aktuelle Weltlage‘, betreffend lokale Konflikte, Piraterie und Flüchtlingssituation eingespielt. So ist das Spiel immer aktuell. Der Medieneinsatz umfasst auch den Einsatz der Videokamera, so interviewt die ‘Weltpresse‘ einzelne Staatsminister und entwickelt daraus eine ‘Tagesschau‘. Interessant ist, dass die SUS ihre Handys genutzt haben, um die Mitglieder ihrer Regierung, die teilweise in verschiedenen Räumen saßen, über das Geschehen auf dem Laufenden zu halten.

Die Probleme, mit denen die Schülerinnen und Schüler sich auseinandersetzen müssen, sind vielfältig und spiegeln die Gegenwart wider. Organisierte Kriminalität sowie die Flüchtlingskrise spielen genau so eine Rolle wie Piraterie, Terrorismus und Kinderarbeit. Natürlich kommt es nicht zu einer Lösung aller Probleme, aber im Rahmen des Spielverlaufs werden eine ganze Reihe von ihnen erörtert und manche einer Lösung nähergebracht. In diesem Planspiel gab es dann z.B. eine lange und intensive Diskussion, die von den ‘VN‘ geleitet wurde, darüber, wie man den IS im Nahen Osten besiegen oder zumindest seine Ausbreitung verhindern kann. Ein weiterer Konfliktbereich war der Umgang mit internationalen Verträgen, die nicht eingehalten wurden oder nur in Absichtserklärungen formuliert waren. In der Folge wurden Boykottmaßnahmen gegen einzelne Staaten diskutiert, die wiederum in Kompromiss und Duldung mündeten.

Die Arbeitsgruppe Wirtschaft und Weltbank mit Hauptmann Constantin Götze. - Foto: Jürgen Hockemeier

Das Spiel zwingt dazu, die Welt in ihrer gesamten Gemengelage zu betrachten und Konfliktlösungen im weltweiten Maßstab voranzutreiben – so ändern sich Wissen, Perspektive, Durchblick und Einsicht der Schüler.

Das interaktive Handeln, durch die Einbindung aller Teilnehmer und die gruppendynamische Prozessbildung gefordert, schafft Kreativität und Identifikation mit der zugedachten Rolle. Letzten Endes sind die Schüler fasziniert von dem Geschehen und „leben“ in der jeweiligen Situation. Sie lassen sich von der Presse interviewen und freuen sich, wenn ihr Interview als Video gezeigt wird. Ihre Sprache und ihre Rhetorik werden von der Rolle geprägt und das gilt bis in den Freizeitbereich hinein. Spät am Abend wurde noch über Sicherheitspolitik diskutiert, wurden Bündnisse geschmiedet und die Lage beurteilt Bei der Nachfrage nach dem POL&IS unter den Schülerinnen und Schülern gab es begeisterte Kommentare. Es fiel im Zusammenhang mit der Beurteilung des Spiels der Begriff „megageil“, nahezu alle Mitspieler äußerten sich sehr zufrieden über POL&IS, z.B. „das Planspiel war wesentlich besser als erwartet“.

“Rede“ bei den Vereinten Nationen. - Foto: Jürgen Hockemeier

Der große Erfolg der Veranstaltung wurde auch durch Auswahl des Landschulheims Torfhaus begünstigt, welches im Bereich der Landschulheime und Jugendherbergen sicher an der Spitze des Rankings in Niedersachsen liegt, und durch die aktive Teilnahme der Lehrer, die die Leistungskurse Politik und Wirtschaft im Gymnasium Adolfinum in Bückeburg führen.

Beteiligt waren fünf Jugendoffiziere im Wechsel aus dem Bereich Norddeutschland unter der Federführung von Hptm Dr. Martin Neumann, Jugendoffizier Hannover, sowie vierzig Schülerinnen und Schüler der Klasse 11 des Gymnasiums Adolfinum Bückeburg und drei Lehrerinnen/Lehrer diese Schule. Die hiesige Lokalpresse hat darüber berichtet.

Die russische Regierung in Aktion. - Foto: Jürgen Hockemeier

Für die Sektion war es nicht nur die Verstärkung der Kooperation zum „Adolfinum“, sondern auch der gelungene Versuch, Themen der Sicherheitspolitik in zeitgemäßer Aufbereitung an junge Leute heranzuführen. Ein nachahmenswertes Vorhaben, das die Teilnehmer fordert und die Komplexität von Sicherheit besser als manche Vortragsveranstaltung verdeutlichen und erfahren lässt. Es sieht so aus, als ob nun die anderen Gymnasien im Landkreis Schaumburg folgen werden.

Der Autor ist Studiendirektor i. R., lehrte Mathematik, Informatik und Politik am Gymnasium Adolfinum und ist Mitglied der GSP - Sektion Minden.

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