Buchrezension

 

Deutschland dienen durch Schützen, Retten, Kämpfen

Von Peter E. Uhde

Zum zehnjährigen Bestehens des „Freundeskreis Zentrum Innere Führung“ erschien der Sammelband „Schützen, Retten, Kämpfen. Dienen für Deutschland“. Das Zentrum Innere Führung in Koblenz ist eine der ältesten teilstreitkraftübergreifenden Bildungseinrichtungen der Bundeswehr. Die Alma Mater der Konzeption der Inneren Führung ist nicht nur in der Bundeswehr sondern auch bei anderen Streitkräften eine angesehene Ausbildungsstätte. Das Unterfangen, die Führungsphilosophie der Bundeswehr in diesem Werk in der Theorie und in der praktischen Anwendung beim Schutz, beim Retten und schließlich dem Kampf im Gefecht in 53 Beiträgen darzustellen ist eine Herausforderung, der sich die Herausgeber gestellt haben. Eingeleitet wird das Buch mit einem Vorwort der Bundesministerin für Verteidigung Ursula von der Leyen. Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages Hans-Peter Bartels, hat über den „Schutz der Grundrechte der Soldatinnen und Soldaten“ und „die Einhaltung der Grundsätze der Innere Führung“ zu wachen.

Im ersten des in vier Teile gegliederten Buches befassen sich die Autoren mit der Führungskultur im Einsatz, sei es in Afghanistan (Rainer L. Glatz) im Nord-Irak (Jochen Schneider), in Mali (Rolf Peter Hammerstein), vor der Küste des Libanon (Martin Pauker), im Mittelmeer (Julian Liese), in der Türkei (Bernd Stöckmann), in Estland (Gerd Schnell) in der Ukraine (Axel Schneider) oder bei Missionen der Vereinten Nationen (Karl Rüdiger Tillmann). In diesen Beiträgen geht es um die Umsetzung der Führungsprinzipien im Dienstalltag. Theoretischer wird es im zweiten Teil, in dem die Anforderungen an die Führungsphilosophie moderner Streitkräfte aufgezeichnet wird. Hier kommt der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker zu Wort, der den Auftrag und die Fähigkeiten deutscher Streitkräfte der Zukunft, beschreibt. Der abschließende Beitrag in diesem Teil ist von Hauptfeldwebel Stefan Schultze, einem Infanteriefeldwebel, der über seine Erfahrungen in mehreren Auslandseinsätzen berichtet. In einem weiteren Beitrag von ihm „Leben mit Wunden“ schildert er seine Verwundung in einem Gefecht in Afghanistan im August 2009 und deren physische und psychische langfristigen Folgen für ihn und seine Familie.

„Deutsche Streitkräfte im Spannungsbogen von Staat und Gesellschaft“, ist der dritte Buchabschnitt. Als Autoren finden sich im sicherheitspolitischen Umfeld bekannte Namen. Wolfgang Hellmich, Vorsitzender des Verteidigungsausschuss des Bundestages, der in seinem Beitrag auf die Verantwortung des Parlaments für die Bundeswehr eingeht. Roderich Kiesewetter, MdB, beim Verfassen des Beitrags noch Präsident des Reservistenverbandes, geht auf die Gewissensentscheidung ein, die ein Abgeordneter bei der Mandatierung des Parlaments bei den Auslandseinsätzen, die im Prinzip immer Kampfeinsätze sind, zu treffen hat. Wolfgang Schneiderhan, ehemals Generalinspekteur der Bundeswehr stellt die gemeinsame Aufgabe der politischen und militärischen Leitung des Verteidigungsministeriums dar. Oberstabsfeldwebel Stephan Besteborn beschreibt wie es einem Vater ergeht, dessen Tochter den Eltern eröffnet, dass sie Soldatin werden will. Der schon erwähnte Stefan Schultze erzählt wie es ihm nach seiner Verwundung auf dem Gefechtsfeld ergangen ist. Aus ganz anderer Sicht betrachten Sabine Kwasny und Janine Rücker die Auslandseinsätze ihrer Ehemänner: „Die `Heimatfront`-Betrachtung eines Einsatzes aus Sicht der Daheimgebliebenen“. Nicht nur die Zeit der Abwesenheit des Mannes und Vaters der Kinder, auch danach werden Verständnis und Rücksicht auf beiden Seiten verlangt.

Der letzte Teil des Buches blickt nach vorne und stellt die Frage, wie müssen Streitkräfte aussehen, um den Arbeitsplatz Bundeswehr attraktiv zu machen. In den letzten Jahren hat sich der Anteil der Soldatinnen erhöht und er soll noch weiter gesteigert werden. Die soziale Komponente für zukünftige Streitkräfte, muss nach Ansicht des Vorsitzenden des Deutschen BundeswehrVerbandes Oberstleutnant André Wüstner von der politischen und militärischen Führung weiter im Blick behalten werden. Das Bildungswerk des Verbandes, die Karl-Theodor-Molinari-Stiftung hat zur Veröffentlichung des Sammelbandes beigetragen.

Das Buch „Dienen für Deutschland“ verdient Anerkennung durch die persönlichen Betrachtungen. Dafür hätte man auf einige Beiträge, die sich nicht mit dieser Thematik befassen, verzichten können. Das hätte den Umfang verringert und dem Gesamteindruck nicht geschadet. Es wäre damit seinem eigenen Ziel: „ein essentieller Beitrag zu der notwendigen öffentlichen Debatte zum Auftrag der Bundeswehr und den dafür erforderlichen Kräften und Mitteln“ näher gekommen.

Schützen, Retten, Kämpfen - Dienen für Deutschland. Hrsg. Alois Bach / Walter Sauer,
Carola Hartmann Miles Verlag, 2016, 448 S. 24,80 Euro, ISBN 978-3-945861-36-3.

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