Korea

 

Pyeongchang 2018: "Passion. Connected."

Kommt es zur Annäherung zwischen Nord- und Südkorea?

Von Peter E. Uhde

Mit der Eröffnungszeremonie am 9. Februar beginnen die XXIII. Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. An diesem Tag blicken nicht nur Wintersportinteressierte nach Südkorea. Über die letzten Monate und das aktuelle Tagesgeschehen, sind diese Olympischen Spiele zu einem politischen Ereignis geworden.

Flutlicht oder Nebelschwaden

Die zweigeteilte Halbinsel Korea steht wieder im Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzungen. Wird es dem Sport gelingen, eine Annäherung zwischen zwei grundverschiedenen Staatsformen zu erreichen oder sind die nordkoreanischen Schritte nur eine Ablenkung vom eigenen Atomwaffenprogramm und der schlechten wirtschaftlichen Situation, in der sich das Land befindet. Die jetzigen Schritte Nordkoreas sind eigentlich nichts Neues. Schon 1964 wurde versucht ein gemeinsames Team nach Tokio zu den XVII. Olympischen Sommerspielen zu entsenden. Das zerschlug sich und nur Südkoreas Athleten hatten teilgenommen. Auch 20 Jahre später, 1984 in Los Angeles, war Nordkorea nicht bei den Sommerspielen. Eine gute Gelegenheit der Teilnahme wären die Spiele der XXIV. Olympiade vom 17.09. bis 2.10.1988 in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul gewesen; aber auch damals waren nordkoreanische Sportler nicht dabei. Sollten im Februar nordkoreanische Sportlerinnen und Sportler bei den Winterspielen teilnehmen, wäre das ein Fortschritt in den sportlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Das Motto für die Winterspiele lautet: Passion – Leidenschaft und Connected – Offenheit/Verbundenheit. Für das geteilte Land ist das ein symbolischer Slogan.

Der Waffenstillstand gilt bis heute

Das Treffen der beiden Gesprächsdelegationen zur Klärung der Teilnahmefragen findet in Panmunjon, einem historischen Ort, statt. Hier verläuft seit dem Waffenstillstandsabkommen vom 27. Juli 1953 die Grenze zwischen beiden Staaten. Damals endete offiziell der am 25. Juni 1950 begonnene Korea-Krieg. Kein anderes Land ist geographisch und ideologisch so zerschnitten wie Korea. Nördlich des 38. Breitengrades existiert die Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea) und im Süden die Republik Korea (Südkorea). An der etwa 248 Kilometer langen und vier Kilometer breiten entmilitarisierten Zone stehen sich beide Gesellschafssysteme bis an die Zähne bewaffnet gegenüber, im Süden unterstützt durch die Schutzmacht USA. Diese hat etwa 30.000 Soldaten im Kommando United States Forces Korea (USFK) stationiert. Die südkoreanischen Streitkräfte umfassen rund 685.000 Mann. Die Koreanische Volksarmee soll eine Stärke von 1,3 Millionen Soldaten haben, wozu noch rund 4,7Millionen Reservisten kommen. Damit existiert auf der Halbinsel die größte Militärdichte der Welt. Die Größe Nordkoreas beträgt 120.540,000 km2, hier leben rd. 25,4 Millionen Einwohner. Südkorea ist mit 99.720.000 km2 kleiner, hat aber rd. 51,3 Millionen Einwohner. Deutschland hat eine Fläche von 370.022.000 km2 und rd. 82.7 Millionen Einwohner. Schaut man sich das Bruttonlandprodukt (BIP) an, sieht man die wirtschaftliche Situation auf der Halbinsel sehr deutlich. Südkoreas BIP erreicht 1,411 Billionen USD, pro Kopf rd.27.538 USD und Nordkoreas BIP liegt bei 12,38 Milliarden USD, pro Kopf rd. 583 USD.

Das Ende der Eiszeit würde einer Krisenregion gut tun

Seit Anfang des Jahres kommt in die verhärte Front zwischen den Nachbarn und auch im Verhältnis des kommunistischen Diktators Kim Jong-un zu den USA unter Präsident Donald Trump Bewegung. Raketentest des Nordens und die Drohung des Diktators Kim mit der Aussage: „Auf meinem Schreibtisch steht ein Atomknopf“ war wohl mehr eine symbolische Aussage. US-Präsident Trump reagierte prompt per Twitter. Unabhängig vom verbalen Schlagabtausch haben sich aber nach 2015 erstmals Delegationen aus beiden Staaten getroffen, um über eine Teilnahme Nordkoreanischer Sportler an den olympischen Winterspielen zu verhandeln. Angeführt vom südkoreanischen Vereinigungsmister Cho Myoung-gyon und seinem Gegenüber Oberst Ri, Vorsitzender des nordkoreanischen Komitees für die friedliche Vereinigung, ging es um formale Olympiavoraussetzungen für nordkoreanische Sportlerinnen und Sportler. Die letzte Entscheidung darüber hat aber das IOC, das sich aber sicher nicht querstellen würde, denn die Spiele sollen ja einem friedlichen Zweck dienen. Am 20. Januar will das IOC unter Präsident Thomas Bach in Lausanne über die Vorschläge für eine Teilnahme nordkoreanischer Athleten entscheiden.

Daten und Fakten zu Nord- und Südkorea

1904/05 Japan bekommt das Protektorat über das Königreich Korea.

1910 Annexion durch Japan. Tausende Koreaner fliehen in die Mandschurei, nach Sibirien, China, Russland u.a. Länder.

1941 Am 7. Dezember greift Japan in Pearl Harbour die US-Pazifikflotte an.

1945 Auf der Jalta Konferenz (2.-11. Februar) wird beschlossen, Korea nach Beendigung des Krieges im Fernen Osten unter Treuhandschaft zu stellen. Den nördlichen Teil sollen die Sowjetunion und den südlichen Teil die USA verwalten. Der 38. Breitengrad wird als Grenzlinie vom US-Militär vorgeschlagen.

1945 Im Mai setzt die Sowjetunion eine von Kommunisten geführte „Provisorische Regierung ein“; diese ruft am 12. August die „Volksrepublik Korea“ aus.

1948 finden in Südkorea, unter Aufsicht der Vereinten Nationen, freie Wahlen statt. Präsident wir Syngman Rhee der am 15. August die Republik Korea proklamiert.

1948 Nordkorea reagiert sofort und ruft am 9. September die „Koreanische Demokratische Volksrepublik“ aus. Ministerpräsident wird der kommunistische Führer Kim Il-sung, der bis 1962 herrscht. Nachfolger wird sein Sohn Kim-Jong-il und im Dezember 2011 beerbt ihn dann sein Sohn Kim-Jong-un.

1950 Der Korea-Krieg beginnt am 27. Juli mit einem Angriff Nordkoreas auf den Süden. Die Vereinten Nationen (VN) schalten sich ein und sanktionieren mit einem Beschluss des Sicherheitsrates militärische Operationen gegen Nordkorea. Bei der Abstimmung ist die Sowjetunion nicht anwesend. Es ist das erste Mal in der Geschichte der VN das Waffengewalt gegen einen Aggressor beschlossen wird.

Blaue Baracken in Panmunjon mit je einer Tür auf nordkoreanischer und südkoreanischer Seite. Durch ihre Mitte verläuft die militärische Demarkationslinie - Foto: Edward N. Johnson, U.S. Army, gemeinfrei

1953 Am 27. Juli wird in einer Baracke in das bis heute geltende Waffenstillstandsabkommen durch Vertreter Chinas, Nordkoreas und der Vereinigten Staaten - im Namen der Vereinten Nationen - unterzeichnet. Im Laufe des Krieges kämpften fast eine Million Soldaten aus folgenden Nationen auf koreanischem Boden: Amerika, Südkorea, Türkei, Australien, Großbritannien, Belgien, Frankreich, Luxemburg, Kanada, Kolumbien, Südafrika, Neuseeland, Äthiopien, Griechenland, Niederlande, Philippinen, Thailand gegen Nordkoreaner und chinesische „Freiwilligenverbände. Indien, Schweden und Dänemark beteiligten sich mit Lazaretteinheiten. Die Truppen der VN beklagten 95.000 Tote, davon waren fast 34.000 Amerikaner. Auf Seiten Nordkoreas und Chinas soll es mehr als 1.5 Millionen Tote gegeben haben, darunter war auch der zu Kriegsbeginn gefallene Sohn von Chinas Machthaber Mao Tse-tung.

Die Einhaltung des Waffenstillstandsabkommens wird seit Beginn von den VN durch die Neutral Nations Supervisory Commission in Korea (NNSC), bestehend aus Offizieren aus der Schweiz und Schweden überwacht.

1953 Die Bundesrepublik Deutschland stellt Südkorea in Pusan ein Lazarett, organisiert durch das Rote Kreuz, zur Verfügung. Das Korea-Hospital besteht bis 1959. Leiter der Chirurgie ist Eberhard Daerr, der 1969 vierter Inspekteur das Sanitäts- und Gesundheitswesen der Bundeswehr wird.

1979 Am 26. Oktober wird der südkoreanische Präsident Park Chung-hee ermordet.

1991 Südkorea und Nordkorea werden in die VN aufgenommen.

1993 Nordkorea kündigt den Atomwaffensperrvertrag.

1996 Die Regierung in Pjöngjang teilt die Nichtbeachtung des Waffenstillstandabkommen mit. Die USA und Südkorea erhöhen die Bereitschaft ihrer Truppen.

1998-2008 In Zeiten der sogenannten „Sonnenscheinpolitik“ gibt es Treffen zwischen Südkoreas Präsident Roh Moo-hyun und Kim jong-il.

2009: Die größte Sorge der westlichen Welt ist das nordkoreanische Atomwaffenprogramm. Die Nuklear- und Raketentest haben zugenommen. Sie erreichten mit dem Abschuss einer Interkontinentalrake vom Typ Hwasong-15 am 29. November letztes Jahr ihren Höhepunkt. Die Reichweite beträgt über 10.000 Kilometer und damit wäre auch die USA im Fadenkreuz. Gespräche über das Nuklearprogramm wurden bei den Sportgesprächen von nordkoreanischer Seite kategorisch abgelehnt. Wie es in dieser geopolitischen Frage weitergeht bleibt abzuwarten. Vorerst sollte die „wichtigste Nebensache der Weltspielt“ die Hauptrolle spielen, danach aber zügig eine friedliche Lösung mit allen Beteiligten herbeigeführt werden

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