14. Bundeskongress politische Bildung

Gefühle gehen immer

Von Peter E. Uhde

„Was uns bewegt! Emotionen in Politik und Gesellschaft“ war das von den Veranstaltern gewählte Leitthema für den 14. Bundeskongress politische Bildung. An der Auftaktveranstaltung in der Leipziger Kongresshalle nahmen über eintausend Zuhörer teil.

In der Kongresshalle für alle sichtbar: Was uns bewegt. Emotionen in Politik und Gesellschaft – Foto: Peter Uhde

Um die Bedeutung der schulischen und außerschulischen politischen Bildung darzustellen, stimmte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einem Grußwort seiner Videobotschaft die Teilnehmer auf den Kongress ein.

Teilnehmer der Einführung waren Thomas Fabian (Bürgermeister der Stadt Leipzig), Thomas Krüger (Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), Babara Menke (Vorsitzende des Bundesausschuss politische Bildung (bap) und Tonio Oefterding, Bundesvorsitzender Deutsche Vereinigung für politische Bildung (DVPB). In ihren Statements gingen Sie auf die Bedeutung von Gefühlen in der politischen Bildung ein, ohne die es kaum möglich ist Bürger aller Altersgruppen und sozialen Schichten für dieses gesellschaftliche Themenfeld zu interessieren. Komplexe Sachverhalte einfach „rüberzubringen“ ist die Kunst, die aber nicht von allen Lehrenden beherrscht wird. Barbara Menke wies auf die Bedeutung der Sprache hin, die für sie der Zugangs-Schlüssel ist, „Kein Blatt vor den Mund nehmen, Politik ist notwendiger denn je“, meinte Thomas Krüger. Eva Illiouz, von der Hebräischen Universität von Jerusalem, war Keynote Vortragende..

Was ist politische Bildung?

Bei politischer Bildung handelt es sich um einen Sammelbegriff für Lernangeboten. Die Entwicklungsphasen in Deutschland gehen in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Die neue Rolle als „Staatsbürger“, nicht mehr nur als Untertan, gewinnt an Bedeutung. Für die neuen Erfordernisse und Aufgaben wird, nach heutigem Kenntnisstand, die Bezeichnung politische Bildung erstmals von Adolf Exner im Jahr 1891 verwendet. Politische Bildung ist eine geplante, organisierte, kontinuierliche und zielgerichtete Maßnahme. Sie kann die Bürger eines Gemeinwesens mit den notwendigen Voraussetzungen ausstatten am gesellschaftlichen und politischen Geschehen in ihrem Umfeld teilzunehmen. „Die DVPB versteht politische Bildung als `Demokratie` lernen“.

Politische Bildungsangebote sind zahlreich

In den Schulen der Bundesländer gibt es das Unterrichtsfach für politische Bildung, wobei die Fachbezeichnungen sehr unterschiedlich sind. Außerschulische politische Bildung wird von öffentlichen und privaten Trägern angeboten. Von den öffentlichen Anbietern sind die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und die Landeszentralen zu nennen. Von der bpb erhalten derzeit zwischen 300 und 400 Träger eine finanzielle Förderung für Veranstaltungen. Für sicherheitspolitische Bildungsarbeit stehen Jugendoffiziere der Bundeswehr den Lehrenden zu Seite.

Deutsche BundeswehrVerband, der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr und die Gesellschaft Sicherheitspolitik sind hier tätig. Als es noch den Wehrdienstleistenden Staatsbürger in Uniform gab, waren die Streitkräfte einer der größten „Träger“ der außerschulischen politischen Bildung. Die Stiftungen der Parteien haben auch eine breite Angebotspalette. Die Kongressteilnehmer setzten sich vom Mitglied im Leipziger Schülerrat bis zum „ergrauten Professor“ zusammen.

Die Teilnehmer konnten sich bei der Anmeldung für Themenbereiche entscheiden. Die Sektion 1 befasste sich mit „Emotionen und Politik: Stimmungen statt Argumente“. In den anschließenden Vertiefungsworkshops standen die Referenten Rede und Antwort und tauschten sich mit den Teilnehmern aus. Insgesamt wurden 13 Sektionsthemen angeboten.

Ausstellung: Die Macht der Gefühle

Die Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ) und die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur haben unter der Schirmherrschaft von Bundesminister Heiko Maas die Ausstellung: Die Macht der Gefühle. Deutschland 19 I 19 konzipiert. Angst, Begeisterung, Ekel, Empathie, Empörung, Geborgenheit, Hass, Hoffnung, Liebe, Neid, Neugier, Nostalgie, Ressentiment, Scham, Solidarität, Stolz, Trauer, Vertrauen, Wut und Zuneigung werden bildlich dargestellt und durch Text erläutert. Die Autorinnen Ute Frevert und Bettina Frevert setzen die Forderung nach einem Gegenwartsbezug historisch-politischer Bildungsarbeit konsequent um. Prägnante Texte, 140 historische Fotos, Faksimiles und multimediale Begleitangebote regen dazu an, sich mit der Macht der Gefühle in Vergangenheit und Gegenwart auseianderszusetzen. Die Ausstellung kann als Posterset im Format A1 gegen eine Schutzgebühr von 30 Euro (www.machtdergefuehle.de) bestellt und im Rahmen der Bildungsarbeit gezeigt werden.

Das bereitgestellte Informationsmaterial zur politischen Bildung fand reges Interesse. – Foto: Peter Uhde

Des Weiteren konnten sich die Teilnehmer über das augenblickliche Lehr- und Ausbildungsmaterial zur politischen Bildung von Verlagen oder Institutionen informieren. Darunter war auch das von den beiden Vizepräsidenten der GSP Kersten Lahl und Johannes Varwick verfasste: „Sicherheitspolitik verstehen. Handlungsfelder, Kontroversen und Lösungsansätze“ zu finden.

Die Veranstalter zeigten sich bei den Abschlussbemerkungen insgesamt zufrieden. Teilnehmer fanden die Panels zu akademisch und Praktiker sind zu wenig zu Wort gekommen. Demokratie ohne politische Bildung ist schwer denkbar, sie findet nicht im luftleeren Raum statt. Die Vielfalt der Stimmen hält sie am Leben.