Buchhinweis

Individuelle Einstellung gegen öffentliches Meinungsklima

Von Peter Uhde

Herausgeber des Buches: Das Ansehen der Bundeswehr. Persönliche Einstellung versus Meinungsklimawahrnehmung, ist das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw). Die Autorin Meike Wanner ist Sozialwissenschaftlerin und Projektleiterin im Forschungsbereich Sicherheits-politik und Streitkräfte des ZMSBw in Potsdam. Als Dissertation an der dortigen Universität ist das Werk 2017 mit dem Titel: Die Diskrepanz zwischen per-sönlicher Einstellung und Meinungsklimawahrnehmung. Empirische Analysen zum Thema Ansehen der Bundeswehr, angenommen worden. Nach dem Vorwort des Kommandeurs des ZMSBw Kapitän zur See Jörg Hillman, Dank-sagung und Widmung, dem Abbildungs-, Tabellen- und Abkürzungsverzeichnis kommt der Leser zu den rund 170 Seiten des Inhaltes. 31 Seiten Literatur-verzeichnis, der Anhang mit den Fragebogen zu Meinungsklimastudie des ZMSBw 2016 schließen „die erste sozialwissenschaftliche Dissertation, die am ZMSBw konzipiert und erarbeitet wurde“, so Jörg Hillmann.

Seit 1996 führt das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr (SOWI) jährlich Bevölkerungsbefragungen zur Evaluation des sicherheits- und verteidigungspolitischen Meinungsklimas sowie zum Image der Bundewehr durch. Seit 2013 bildet es mit dem Militärgeschichtlichen Forschungsamt das ZMSBw mit Sitz in Potsdam. Damit existiert eine einzigartige Datengrundlage deren Ergebnisse auch immer wieder veröffentlicht wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Bevölkerung eine positive persönliche Einstellung zu ihren Streitkräften hat. Es zeigt sich aber auch, dass das gesellschaftliche Ansehen negativer eingeschätzt wird, als das persönlich entgegengebrachte. Daraus leitet die Verfasserin die Frage ab: „Wie lässt sich die Diskrepanz zwischen persönlicher Einstellung und Meinungsklimawahrnehmung zum Thema Ansehen der Bundeswehr erklären?“ Dann begründet sie die Bedeutsamkeit und den Aufbau der Arbeit. Es folgen Begriffserklärungen, Definitionen und empirische Befunde zu „persönlichen Einstellungen“. In diesem Kapitel geht es auch um die Erklärung der Begriffe öffentliche Meinung und Meinungsklima, die die Autorin synonym verwendet. Des Weiteren geht es um den Begriff öffentliche Meinung. Hierfür gibt es zahlreiche Erklärungen. Letztlich ist es aber so, dass sich eine allgemein verbindliche nicht durchgesetzt hat. Die Anmerkungen, nicht nur hierzu, sondern allgemein sind zahl- und umfangreich. Ebenso ist es mit Abbildungen, schwarz-weiß aber auch farbig.

Im dritten Kapitel erläutert sie das Untersuchungsmodell der Arbeit. Sie geht von der Grundannahme aus, dass das gesellschaftliche Ansehen der Bundeswehr bei einem Teil der Bevölkerung „pluralistischer Ignoranz“ unterliegt. Jetzt kommen die Medien ins Gespräch. Der Soziologe Niklas Luhmann stellt fest: Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“ Allerdings darf nicht daraus einfach abgeleitet werden, dass veröffentlichte Meinung mit öffentlicher Meinung gleichgesetzt wird. Die Wahrnehmung der Streitkräfte, das ist festzustellen, findet häufiger medial als in persönlichen Kontakten statt. Wenn es um Sicherheitspolitik geht ist festzustellen, dass diese an einem Vermittlungsproblem leidet. Nur wenige Journalisten in den Politikressorts der Medien befassen sich mit Themen nationaler und internationaler Sicherheitspolitik. Wanner geht auch auf das Phänomen ein, dass sich andere Menschen (Thirds persons) stärker von medialen Inhalten beeinflussen lassen als man selbst. Im vierten Teil des Buches werden die Daten und Fakten des Forschungsdesigns eingehend behandelt, dessen Ergebnisse im fünften Teil zusammengefasst werden. Diese sind für den sozialwissenschaftlich vorgebildeten Leser und Nutzer sicher interessant und hilfreich. Der nicht dieser Wissenschaftszunft angehörende Leser kann aus der Schlussbetrachtung Erkenntnisse gewinnen.

Autorin Meike Wanner

Nicht immer stimmen tatsächliche Mehr- und Minderheitsverhältnisse mit den Meinungsklimaschätzungen überein. Zwischen persönlicher Einstellung zum Thema Bundeswehr und der Meinungsklimawahrnehmung gibt es Diskrepanzen. Negativereignisse haben einen hohen Nachrichtenwert und werden für die bundeswehrbezogene Medienberichterstattung genutzt. Verteidigung- und Sicherheitspolitik gehört nicht zu den Schwerpunkten politischer Berichterstattung. Wer das macht ist eher links der politischen Mitte einzuordnen. Für den Großteil der Bevölkerung hat das Ansehen der Bundeswehr nur geringe Relevanz. Angeregt wird eine Vergleichsuntersuchung zu Armeen anderer Staaten, um zu überprüfen ob die Diskrepanzwahrnehmung zum Ansehen der Bundeswehr ein deutsches Phänomen ist. Für Sozialwissenschaftler, die sich mit der Rolle von Militär in der Gesellschaft befassen beinhaltet das Buch sicher neue Erkenntnisse und Anregungen.

Wanner, Meike: Das Ansehen der Bundeswehr. Persönliche Einstellung versus Meinungsklimawahrnehmung. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden, 2019, ISBN 978-3-8487-5443-4, 49,00 Euro.