Nachschau – Veranstaltung am 27.09.2018

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Erfahrungen als Kommandeur

enhanced Forward Presence Battle Group Lithuania (eFP BG LTU)

 

Referent:

Oberstleutnant Wolf Rüdiger Otto

Kommandeur Jägerbataillon 292
Foto: Bundeswehr

 

am Donnerstag, 27. September 2018, 19:00 Uhr
im Bundespresseamt – Außenstelle Bonn
Pressesaal im ersten Obergeschoss
Welckerstr. 11, 53113 Bonn

 

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Ein Kommandeur in NATO-Mission

Von Servatius Maeßen
Oberstleutnant Otto berichtet aus Litauen – Foto: Stefan Rohde

Mit dem Vortrag von Oberstleutnant Wolf Rüdiger Otto über seine Erfahrungen als Kommandeur enhanced Forward Battle Group Lithuania unterstrich die Sektion Bonn die Bandbreite und Vielfalt ihres sicherheitspolitischen Informationsangebots. Ein aktuelles militärisches Thema sorgte für großes Teilnehmerinteresse. Oberstleutnant Otto war in der ersten Jahreshälfte Kommandeur eines NATO-Einsatzverbandes in Litauen. Auf ihrem Gipfel in Warschau 2016 nach der Annexion der Krim durch Russland und angesichts der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ost-Ukraine beschlossen die NATO-Staaten, zum Zeichen ihrer Verteidigungsbereitschaft und Solidarität an ihrer Ostgrenze Flagge zu zeigen. Im halbjährlichen Rotationsverfahren verlegen multinationale Battle Groups nach Estland, Lettland, Litauen und Polen. Als „lead nation“ fungieren jeweils Großbritannien, Kanada, Deutschland und die USA. Der prägnante Auftrag dieser Einsatzverbände lautet: glaubhafte Abschreckung und Verteidigung.

Die litauische Battle Group ist in Rukla stationiert, nordwestlich der Hauptstadt Vilnius, und wird von sieben NATO-Partnern beschickt: Deutschland, Belgien, Frankreich, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Tschechien, Island und Norwegen. Die einsatzvorbereitende Ausbildung im Jahr 2017 umfasste simulatorgestützte Übungen und Truppenübungsplatzaufenthalte im nationalen und multinationalen Rahmen. Die Verlegung des deutschen Kontingents nach Litauen erfolgte mit Personal und Material im Januar/Februar 2018, die anderen nationalen Kontingente folgten jeweils zeitverzögert über den Einsatzzeitraum eines halben Jahres. „Diese gestaffelte Rotation garantiert eine kontinuierlich gleiche Einsatzbereitschaft ohne Schwankungen“, so Oberstleutnant Otto. Lebendig und anschaulich berichtete er über das Zusammenwachsen der einzelnen nationalen Anteile durch Übungen im Zug-, Kompanie- und schließlich im Bataillonsrahmen. Dabei zeigte sich, dass Stärken und Besonderheiten der verschiedenen Truppensteller in einen hoch motivierten, schlagkräftigen Verband zusammengeführt werden konnten. Beeindruckt hat den deutschen Kommandeur die uneingeschränkte und kameradschaftliche Unterstützung durch litauische Soldaten und Behörden sowie die herzliche Offenheit und Gastfreundschaft der litauischen Bevölkerung. Das große Interesse an diesem Einsatz wurde unterstrichen durch eine Vielzahl hochrangiger, internationaler Besuche nicht nur aus Politik und Militär, sondern auch durch ein russisches OSZE-Inspektionsteam.

Dank an Oberstleutnant Otto von Servatius Maeßen in Vertretung von Sektionsleiter Rohde – Foto: Stefan Rohde

Als besondere Erfahrungen hob Oberstleutnant Otto hervor: die Übungsmöglichkeiten im Winter wie im Sommer in Litauen, die Entwicklung eines gemeinsamen Führungsverständnisses zwischen den beteiligten Nationen, das Zusammenwirken mit der „host nation“ Litauen und die große Akzeptanz des Einsatzes in der Bevölkerung.

In der lebhaften, zum Teil kontroversen Diskussion betonte Oberstleutnant Otto noch einmal die sicherheitspolitische Dimension seiner Mission: „Zusammen mit den Battle Groups in den anderen Staaten haben wir bewiesen, dass Multinationalität funktioniert und Verteidigungsbereitschaft, Bündnissolidarität und Abschreckung keine Phrasen, sondern mit Leben erfüllt und glaubwürdig sind!“

 
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