Nachschau – Veranstaltung am 11.10.2018

 
 

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Deutschland und Litauen

Bilaterale Beziehungen und sicherheitspolitische Aufgaben

 
Referent:

S.E. Botschafter Darius Jonas Semaška

Botschafter der Republik Litauen in Deutschland
Foto: Botschaft der Republik Litauen in Deutschland
 

am Donnerstag, 11. Oktober 2018, 19:00 Uhr
im Haus Schütting
Am Markt 13, Bremen

 

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vom 19.10.2018

Botschafter Darius Jonas Semaška zu Gast in Bremen

VON PATRICK REICHELT

Der litauische Botschafter Darius Jonas Semaška spricht in Bremen über das angespannte Verhältnis zu Russland und übt Kritik am Umgang mit den USA in Deutschland.

Bremen. Gegen Ende seiner Rede wurde der litauische Botschafter emotional: „Wir haben das Recht, frei zu wählen, zu welchem Bündnis wir gehören. Wir haben uns für Nato und EU entschieden“, sagte Darius Jonas Semaska und erntete Applaus der Gäste im Haus Schütting.

Zuvor wurde von einem Zuhörer die These aufgestellt, dass die Nato der Aggressor im Baltikum sei und nicht Russland. Semaska verwies in seiner Antwort auf seine eigene Geschichte: Sein Großvater sei von sowjetischen Soldaten getötet worden, seine Großmutter starb in Sibirien. Außerdem führte er die Vergiftung des russischen Ex-Agenten Sergei Skripal in England sowie die Cyber-Attacken der Russen an. „Freiheit bekommt man nicht geschenkt, sie muss erstritten und erkämpft werden“, sagte Semaska.

Die Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) und die Hochschulgruppe für Sicherheits- und Außenpolitik hatten den litauischen Botschafter nach Bremen eingeladen, um über das angespannte Verhältnis zu Russland und die unsichere internationale Lage zu sprechen.

Treffen mit Christian Weber und Besuch in der Handelskammer
Zuvor absolvierte Semaska ein straffes Programm und traf sich mit Christian Weber, Präsident der Bremischen Bürgerschaft, sowie Wirtschaftssenator Martin Günthner und besuchte die Handelskammer. Er freue sich, in der „geschichtsträchtigen“ Stadt Bremen zu sein, sagte Semaska zu Beginn seiner Rede, in der er eine positive Bilanz über die langjährigen deutsch-litauischen Beziehungen zog. So erinnerte er daran, dass Preußen und Litauen lange Zeit eine gemeinsame Grenze hatten und das erste Buch in litauischer Sprache in Königsberg gedruckt wurde. „Wir befinden uns in der besten Periode der deutsch-litauischen Beziehung“, sagte Semaska.

Wirtschaftlich ist Litauen erfolgreich, das Bruttoinlandsprodukt ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Mit Deutschland tauscht man Waren im Wert von mehr als fünf Milliarden Euro aus, Russland bleibt aber der größte Handelspartner des kleinen Landes mit 2,8 Millionen Einwohnern.

Litauen will auch in Sachen Energie unabhängiger von Russland werden
Laut Semaska soll sich das ändern. Er merkte süffisant an, dass Litauen „größtenteils deutsche Gebrauchtwagen mit Dieselmotor“ nach Russland weiterexportieren würde. Litauen wolle auch in Sachen Energie unabhängiger von Russland werden. „Viele glauben, Russland sei ein zuverlässiger Lieferant von Energie. Wir haben da andere Erfahrungen gemacht“, sagte der Botschafter. Mit diesem subtilen Verweis spielte Semaska auf die Gaspipeline Nord Stream 2 an. Bei dem Projekt arbeiten deutsche, niederländische und französische Firmen mit dem russischen Unternehmen Gazprom zusammen. Trotz der Kritik der baltischen Staaten und Polens schreitet das Projekt weiter voran. Die Länder fürchten, dass der Ausbau der Pipeline die Abhängigkeit der EU von russischem Gas erhöht.

Angespanntes Verhältnis
Das Verhältnis von Litauen und Russland ist schon seit Jahren angespannt, nicht zuletzt durch die Stationierung von Iskander·Raketen im russischen Gebiet Kaliningrad. Diese Boden-Boden-Raketen haben eine Reichweite von fast 500 Kilometern und können auch mit Nuklearsprengköpfen bestückt werden. Die russische Exklave Kaliningrad hat etwa die Größe von Schleswig-Holstein und ist von Litauen und Polen umgeben. Das Gebiet spielt für Russland eine wichtige strategische Rolle: Etwa 30 000 Soldaten sind dort laut Semaska stationiert, hinzu kommt eine große Flotte bei der Stadt Baltijsk an der Ostsee. Als Reaktion auf die Spannungen mit Russland entsandte die Nato seit 2016 jeweils rund 1000 Soldaten in die drei baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland sowie nach Polen, um auf sicherheitspolitische Lagen schnell reagieren zu können. In Litauen hat die Bundeswehr dabei mit gut 450 Soldaten die Führungsrolle übernommen.

„Nicht aufgrund von Twitter-Meldungen über USA urteilen“
Auch das Thema Donald Trump und die Beziehung zum Bündnispartner USA sprach der Botschafter an. „ Wir sollten nicht aufgrund von Twitter-Meldungen über die USA urteilen, sondern auf Grundlage der Taten.“ Das militärische Engagement in der Region sei beispielsweise noch nie so intensiv gewesen. Zwar würde Deutschland derzeit in Wirtschaftsfragen zu oft von den USA kritisiert werden. „Doch nicht nur die USA wenden protektionistische Maßnahmen an, auch die EU und Deutschland tun dies, um ihre Märkte zu schützen“, sagte Semaska. Er zeigte sich enttäuscht über das einseitige Bild, das durch die Medien in Deutschland oft von den USA gezeichnet werde. „Die USA sind kein Feind.“

 
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