Nachschau – Veranstaltung am 03.04.2019

 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

„Sein oder Nichtsein – oder anders sein!“

Sicherheiten und Unsicherheiten im 21. Jahrhundert – Das Undenkbare denken

 
Referent:

Brigadegeneral a.D. Karl H. Schreiner

 

am Mittwoch, 3. April 2019, 19.00 Uhr
in der „Oase Haus Adelheide“ (Soldatenheim)
(vor Feldwebel-Lilienthal-Kaserne)
Abernettistraße 43, Delmenhorst

 

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Bericht der Sektion Delmenhorst zum Vortrag am 03.04.19

Von Bookholzberg in die Welt

Von Rolf Dieter Wienand

Mit einem Blick in die Geschichte der letzten 200 Jahre und besonders der Sensation, dass vor genau 100 Jahren im kleinen Ort Bookholzberg nahe Delmenhorst die erste elektrisch betriebene Straßenlaterne in Betrieb ging, leitete der Referent, Brigadegeneral a.D. K H Schreiner, seine Betrachtungen zur sicherheitspolitischen Lage, zu möglichen Entwicklungen und bisher unbekannten Chancen, Risiken und Herausforderungen ein: „Sein oder Nichtsein? Oder anders sein? Sicherheiten und Unsicherheiten im 21.Jahrhundert.“

Der Mensch neigt zur „linearen“ Denkweise, indem er gedanklich fortschreibt und dabei auch mal krachenden Fehleinschätzungen unterliegt. Beispielhaft Gerhard Schröders Aussage in einem Interview am 12.06.1989, man solle die Menschen nicht über die Chancen einer Wiedervereinigung belügen.. Und die Meinung des Vorstandsvorsitzenden von Digital Equipment Corp noch 1978, es gäbe keinen Grund, warum eine Privatperson einen Computer haben sollte. So eingestimmt folgten die Zuhörer den spannenden Ausführungen über die rasante Geschwindigkeit des weltweiten Wandels auf allen Ebenen und der Entwicklung von Kriegen und bewaffneten Konflikten rund um die Welt, damit verbunden die Veränderungen der geopolitischen Perspektiven. Auffällig der Blick auf den Globus: der „Westen“ und seine Demokratien mit den Werten der Menschenrechte Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Eigentumsrechte, Arbeitsethik, u.a. sind von Kriegen weitgehend verschont, aber inzwischen in der Defensive. Schreiner gab ein klares Bekenntnis zu Europa. Dem an dieser Stelle gesetzten Appell, diese buchstäblich erkämpften Errungenschaften nicht aufs Spiel zu setzen, gaben die Zuhörer den ersten Zwischenapplaus.

Der Blick auf geopolitische Räume und die Herausforderungen für die Staatenwelt mache klar, dass der Nahe und Mittlere Osten mit seinen Verwerfungen auf lange Zeit ein großes Risiko bleiben werde. „Erst wenn die Frage um Jerusalem von Juden, Christen und Moslems gemeinsam und kooperativ gelöst sein wird, wird Frieden herrschen“, zitierte Schreiner aus einem Gespräch mit einem pakistanischen Muslim.
Russland, China, der Kontinent Afrika, in den Europa, die USA, China und Indien von der Größe her hineinpassen, wurden hinsichtlich der Wirtschaft, des Ressourcenverbrauchs, der Interessen, der Demographie, gegenseitigen Abhängigkeiten und möglichen Auswirkungen des Klimawandels beleuchtet. Das 21. Jahrhundert werde ein asiatisches Jahrhundert, und wir seien Zeitzeugen einer neuen Zivilisation zitierte Schreiner das amerikanische Forscherpaar Toffler.

Herausforderungen anderer Art werden bestimmend sein wie Bildung, Demografie und Migration, Technologie, Klimawandel, Globalisierung und Ressourcenverbrauch, die Veränderung der Staatenwelt, Privatisierung von Gewalt, Terrorismus, Cyber, Failed States, Verwundbarkeiten von Industriestaaten und Künstliche Intelligenz, um nur einige zu nennen, wobei letztere weit mehr ist als Industrie 4.0 und Robotik, Vernetzung und 3-D-Druck seien. Der erste Mensch lebt als „Cyborg“, im Hirn verbunden mit einem Computer: wer weiß denn schon, ob nicht die selbstlernenden Maschinen eines Tages mit uns so verfahren wie wir derzeit mit den Schweinen?
Der Übergang von der Industrie- in die Wissens- und Informationsgesellschaft, in dem Wissen und Bildung Ware und Waffe zugleich werde, verlange vor allem ein starkes Bemühen um Bildung. Deutschland? Steige voraussichtlich ab.
Mit optimistischer Grundhaltung machte der Referent Mut, das Undenkbare zu denken, um „Zukünfte“ (und nicht nur die Zukunft!) aktiv zu gestalten und Sicherheitspolitik als Gestaltungsaufgabe über alle Ressorts hinweg zu begreifen.
Die chinesische Weisheit „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen“ beendete den beindruckenden Vortrag, belohnt mit anhaltendem Applaus.

 

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