Nachschau – Veranstaltung am 24.10.2018

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Geopolitik vor 100 Jahren

und die Folgen für heute

 
Referent:

Wolfgang J. Stützer

Politikwissenschaftler, Politikberater u. Publizist
Foto: Wolfgang Stützer – Eigenes Bild
 

am Mittwoch, 24. Oktober 2018, 19.30 Uhr
in der „Oase Haus Adelheide“ (Soldatenheim)
(vor Feldwebel-Lilienthal-Kaserne)
Abernettistraße 43, Delmenhorst

 

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Bericht der Sektion Delmenhorst

„Alles ist und alle sind gescheitert“

Geopolitik vor 100 Jahren und die Folgen für heute

Von Rolf Dieter Wienand

„Alles ist und alle sind gescheitert“, so nahm Wolfgang J. Stützer, historisch gebildeter und in politischer Beratung erfahrener Referent zum Thema „Geopolitik vor 100 Jahren und die Folgen für heute“, das Ergebnis seines am 24.10.18 im gewohnten Plauderton gehaltenen Vortrags vorweg.

85 Zuhörer waren der Einladung der Sektion und des Standortältesten Delmenhorst gefolgt und nahmen zur Kenntnis, dass eben nicht alles klar ist, was im Verlauf des Ersten Weltkriegs geschah. Archive werden geöffnet, vor allem angelsächsische Ansichten ändern sich deutlich zur „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, wie George F. Kennan die Ereignisse einstufte.

Seit 1905 gab es einen geheimen Gesprächskreis britischer und französischer Regierungsvertreter zur Frage, wie denn das Deutsche Reich einzuhegen und kleinzuhalten sei, das große technische Fortschritte erzielte und technische Wissenschaften führend ausbaute. Was sei denn an der Flottenpolitik des Deutschen Reiches so verwerflich, die versuchte, ein Gegengewicht zur imperialen Macht Großbritanniens zu bilden? Deutschland hatte und hat die meisten direkten Nachbarn weltweit – das allein schafft Probleme komplexer Art. Und die Ansicht, es gäbe eine deutsche Kultur und als Gegensatz eine angelsächsische Zivilisation, trug nicht zum gegenseitigen Verständnis bei.

Einflusssphären nach Sykes-Picot-Abkommen von 1916: Wurzel des ungelösten Nahostkonflikts – Original: Ian Pitchford, deutsche Version: Mullerkingdom

1914 brach also der aus amerikanischer Sicht „Operettenkrieg“ in Europa aus, wurde zu einem Inferno und de facto durch den Kriegseintritt 1917 der USA schließlich beendet. Das alte Spiel „wer kriegt was“, mit dickem Stift auf großmaßstäblichen Karten eingetragen, das Diktat von Versailles und die europäische Ablehnung der „14 Punkte zur neuen internationalen Ordnung“ von Präsident Wilson überdeckte die wirklichen Folgen des Krieges: die europäischen Großmächte waren keine mehr, alte Reiche in Europa und Nahost zerbrachen, und vor allem im Nahen Osten wurden durch in sich widersprüchliche Regelungen (Balfour- Deklaration und Sykes-Picot Plan) die Grundlagen für den auch nach 100 Jahren ungelösten Konflikt um Palästina und in den neu entstandenen und mit willkürlichen Grenzen gebildeten Staaten gelegt. In Europa selbst brachen trotz der Gründung des Völkerbundes die alten Rivalitäten wieder auf, und die geschwächten und kriegsmüden Frankreich und Großbritannien waren nicht mehr in der Lage, der hitlerschen Rheinlandbesetzung 1936 und dem Münchner Abkommen 1938 zum Nachteil der Tschechen etwas entgegenzusetzen. Im Ergebnis steht der Zweite Weltkrieg. Auch der wurde schließlich durch die USA beendet, die mit dem European Recovery Program (Marshall – Plan), äußerstem Druck auf Frankreich, Gründung von NATO, ASEAN, Weltbank und Internationalem Währungsfonds nach dem Krieg für eine neue Ordnung sorgten, damit nicht wieder alles scheitert. Die Europäer lernten und bauten europäische Strukturen bis zur EU und einer gemeinsamen Währung aus.

Bis zum Ende seines kurzweiligen Vortrags zog der Referent sein Publikum mit Anekdoten, bissigen Anmerkungen und Beispielen aus eigenem politischem Erleben in den Bann.

Verdienter Applaus beendete eine gelungene Veranstaltung.

 
„Deutschland hat beste Vernetzungen in die arabische Welt und in Israel:
Wer erkennt ein Bemühen, zur Problemlösung in Nahost tatkräftig beizutragen?“
Wolfgang J. Stützer

 
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