Nachschau – Veranstaltung am 29.08.2018

 
 

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Hunger – Verbreitung, Ursachen und Folgen?

 

Referent:

Jan Fahlbusch

Leiter Team Politik und Außenbeziehungen der Welthungerhilfe
Foto: IPG-Journal

 

am Mittwoch, 29. August 2018, 19:00 Uhr

im EWE – Kundencenter Bremervörde

Marktstr. 20, – rückwärtiger Eingang

 

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vom 02.09.2018

„Weit mehr als nur Brunnenbau“

WHH-Mitarbeiter Jan Fahlbusch referierte zum Thema Hunger und Armut

VON ULRICH EVERS

Bremervörde. Für ihren ersten Vortragstermin nach den Sommerferien hatte die Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) die Präsidentin der Welthungerhilfe Bärbel Diekmann eingeladen. Krankheitsbedingt musste sie kurzfristig absagen und schickte an ihrer statt den Leiter der Stabsstelle für Außen- und Sicherheitsbeziehungen Jan Fahlbusch. Er referierte zum Thema „Hunger – Verbreitung, Ursachen und Folgen?“

Vor dem bis auf den letzten Platz besetzten Auditorium gab er im EWE-Kundencenter Bremervörde zunächst einen kurzen Überblick über die Welthungerhilfe (WHH). 1962 als gemeinnütziger Verein gegründet, arbeiten weltweit 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die WHH. Inzwischen konnte man rund 11,8 Millionen Menschen in über 410 Auslandsprojekten unterstützen. Derzeit laufen in 38 Staaten Projekte der Welthungerhilfe, immer unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Das stärkste Engagement findet augenblicklich im Süd-Sudan statt. Aber selbst in Indien, einem Staat, der über Atomwaffen und ein eigenes Raumfahrtprogramm verfügt, muss die WHH gegen den Hunger kämpfen. „Der Fokus unserer Arbeit verlagert sich aber immer weiter nach Afrika“, so Jan Fahlbusch. „Die Weltgemeinschaft hat sich das Ziel gesetzt, Armut und Hunger bis 2030 abzuschaffen. Die Aussichten, dieses Ziel zu erreichen, sind allerdings nicht sehr vielversprechend“, machte Jan Fahlbusch eingangs klar. Der Hunger sei nach seinen Worten
nur zu bekämpfen, wenn man die verschiedenen dafür verantwortlichen Quellen klar adressiere und an ihnen arbeite. Neben Krieg, ökonomischen Fehlentwicklungen, mangelnder Hygiene, politischen Rahmenbedingungen
sind vor allem Klimakatastrophen, ungerechte Verteilung von Armut und Reichtum und mangelhafte Bildung Ursachen für den Hunger weltweit. „2017 hungerten 815 Millionen Menschen. Jeden Tag sterben 8.200 Kinder unter fünf Jahren an Hunger und über 844 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser“,
skizzierte Fahlbusch die momentan aktuellen Zahlen. „Trotzdem gibt es weltweit genug Nahrungsmittel. Vieles
wird verschwendet oder gar vernichtet.“

Wie aber können Armut und Hunger bekämpft werden? Zu allererst sei das ein langwieriger Prozess. „Es reicht nicht aus, in einem fragilen Staat wie zum Beispiel dem Süd-Sudan Stabilität herbeizuführen“, so Fahlbusch. Notwendig seien langfristige Planungen, die letztlich zu einer friedlichen sozialen Transformation in diesen Staaten führe. „Krisen sind heute leider weltweit der Normalfall geworden.

Bei unserer Arbeit geht es um weit mehr als nur den Brunnenbau.“ Immer öfter gäbe es keine Lösungen, um langfristig die Voraussetzungen in zerfallenden Staaten zu verändern, so der WHH-Mitarbeiter. Die westliche Welt nehme diese fragilen Staaten in erster Linie als Sicherheitsproblem wahr. „Die Regierungen dieser Staaten
haben einfach jegliche Kontrolle verloren, was Sicherheit, Wohlfahrt und Rechtsstaatlichkeit angeht“, sagte Jan Fahlbusch. Die Ursachen lägen nicht nur in machtgierigen Despoten oder Warlords begründet. Auch die Ungleichheiten im Zuge der Globalisierung schlagen hier zu Buche. Fahlbusch zitierte die Frau des ehemaligen Innenministers Wolfgang Schäuble mit der sinngemäßen Aussage, dass die Flüchtlingskrise in Deutschland 2015 „unser Rendezvous mit der Globalisierung“ gewesen sei. „Die Agenda 2030 sollte unser Kompass für die internationale Zusammenarbeit gegen Hunger und Armut sein. Aber die Fortschritte sind doch sehr begrenzt.
In fragilen Staaten nur Regimewechsel herbeizuführen ohne eine weiterführende langfristige Planung ist eine Strategie, die zum Scheitern verurteilt ist“, machte Jan Fahlbusch unumwunden klar. „Wenn Entwicklungsarbeit
erfolgreich sein soll, braucht sie Zeit. So genannte Quick Impact-Strategien seien nicht sinnvoll. Was es nach
Ansicht des Referenten brauche, sei eine friedliche Transformation der momentan ungerechten Weltordnung. Doch, so Fahlbusch: „Das überschreitet die Grenzen der Entwicklungsarbeit erheblich.“

Lesen Sie auch den Bericht der Bremervörder Zeitung vom 03.09.2018
 
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