Nachschau – Veranstaltung am 29.08.2018

 
 

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Hunger – Verbreitung, Ursachen und Folgen?

 

Referent:

Jan Fahlbusch

Leiter Team Politik und Außenbeziehungen der Welthungerhilfe
Foto: IPG-Journal

 

am Mittwoch, 29. August 2018, 19:00 Uhr

im EWE – Kundencenter Bremervörde

Marktstr. 20, – rückwärtiger Eingang

 

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vom 03.09.2018

Hunger: Verbreitung, Ursachen und Folgen

GSP: Jan Fahlbusch referiert über Einsatzmöglichkeiten der Welthungerhilfe

Von Tatjana Behrens

BREMERVÖRDE. Kriege und Konflikte sind eine der Hauptursachen für Hunger und Flucht – weltweit und über alle Kontinente hinweg. Zu diesem Thema hatte die Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), Sektion Elbe-Weser, zu einem Informationsvortrag der Deutschen Welthungerhilfe eingeladen, die sich bereits seit über 56 Jahren dafür einsetzt, Hunger und Not auf der Welt zu bekämpfen und den Ärmsten der Armen dabei hilft, sich selbst zu helfen.

Eingeladen hatte GSP-Sektionsleiter Werner Hinrichs ursprünglich die Präsidentin der Welthungerhilfe, Barbara Dieckmann, die aus persönlichen Gründen jedoch nicht nach Bremervörde kommen konnte. Stattdessen referierte der Leiter der Stabsstelle Politik- und Außenbeziehungen und Leiter des Berliner Büros der Welthungerhilfe, Jan Fahlbusch (siehe Infokasten), im voll besetzten Saal des EWE Kundenzentrums in Bremervörde. Nach einer kurzen Vorstellung der Welthungerhilfe, ihren Arbeitseinsätzen und ihrer Fokussierung auf das Machbare, zeigte Fahlbursch dem Publikum
Wege und Möglichkeiten auf, dem Hunger auf der Welt entgegenzutreten.

Allerdings benannte er auch ganz klar die Grenzen, die der Organisation gesetzt sind. „Hunger und Armut haben ihre Heimat oftmals in den sogenannten ,fragilen‘ Staaten“, so der Fachmann. Fragilität bedeute nicht nur, dass von den dortigen Staaten eine Sicherheitsbedrohung im militärischen oder politischen Sinne ausgehe. Fragilität bedeute in diesem Falle, dass der jeweilige Staat die Kontrolle über Teile seines Territoriums verloren habe und seine grundlegendsten Aufgaben gegenüber der Bevölkerung nicht mehr gewährleisten könne.

Dazu zählten neben der Sicherheit auch die Wohlfahrt, also Transfer- und Dienstleistungen, die Rechtsstaatlichkeit und die Wirtschaftsförderlichkeit. Als Beispiel nannte Fahlbusch Länder wie Afghanistan, den Kongo, Irak oder auch den Sudan, wo Unsicherheit und Konflikte zu Hunger und Flucht führten. Nach aktuellen Berechnungen hat derzeitig jeder neunte Weltenbürger, nicht die minimal erforderliche Nahrungsmenge zur Verfügung um dauerhaft vor Unterernährung und Tod geschützt zu sein.

Schwächere zuerst betroffen

Referent der Welthungerhilfe Jan Fahlbusch(links) und Sektionsleiter der GSP, Werner Hinrichs, informierten das interessierte Publikum über die Arbeit der Welthungerhilfe. – Foto: Behrens

Am schlimmsten treffe es natürlich die Schwächsten, die Kinder, Alte und Frauen. Betroffen seien auch die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Ihnen stehe oftmals nicht genügend Land zur Verfügung, beziehungsweise es fehlten die Mittel, das Land wirklich nutzbringend zu bewirtschaften. Aber auch die Landlosen, die sich oftmals als Tagelöhner verdingen müssten.

„Es trifft immer die Ärmsten der Armen“, so Fahlbusch. Es seien besonders die Kinder, die in den traditionellen Gesellschaften am schwersten unter den Folgen struktureller Ungleichheiten zu leiden hätten. 5,6 Millionen Kinder sterben jährlich an den Folgen von Mangel- und Unterernährung. „Auch Frauen trifft es
oftmals besonders hart“, betonte Fahlbusch. Sie hätten oftmals kaum Zugang zu Bildung und nur wenige Möglichkeiten ihren Lebensunterhalt zu verdienen. „Meist fehlen ihnen eigene Ressourcen wie Land oder Kapital“, so Fahlbusch, „Gleichzeitig kämpfen sie aber häufig mit der Doppelbelastung von Feldarbeit und Kindererziehung“.

Agenda 2030 für die Welt

Als Folge daraus erhielten viele Kinder zu wenig Fürsorge und unzureichende Nahrung. Die Agenda 2030, nach der es im Jahre 2030 keine hungernden Menschen auf der Welt mehr geben soll, sollte es nach dem Willen der internationalen Gemeinschaft gehen, könnte hier Abhilfe schaffen. Allerdings sieht auch der erfahrene Menschenrechtler Fahlbusch das Ziel der Agenda als zu hoch gegriffen. Fahlbusch: „Solange in den einzelnen Ländern nicht die Gesellschaften aus sich heraus reformieren, können wir nur die größte Not der Bevölkerung lindern helfen und unsere Unterstützung zur Hilfe zur Selbsthilfe anbieten“, so Fahlbusch
durchaus ein stückweit desillusioniert.

Denn Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe könnten zwar einiges zur Verbesserung der Lage in fragilen Staaten leisten, alleine für sich aber eben keine Wunder vollbringen. Das könne nur aus den Gesellschaften heraus geschehen.

Lesen Sie auch den Bericht des Bremervörder Anzeigers vom 02.09.2018
 
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