Nachschau – Veranstaltung am 11.10.2018

 
 
 
 

Gemeinde Buseck
Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V.
Offizier-Verein Frankfurt am Main 1867 e.V.
Traditionskreis Raketenartileriebataillon 52 und Begleitbatterie 5
VdRBw e.V. – Landesgruppe Hessen

 
 
 

31. Busecker Forum
für Sicherheitspolitik

mit dem Thema

Risiko- und Krisenmanagement der Bundesregierung

Auftrag, aktuelle Einsätze und persönliche Erfahrungen,
nach mehr als 1400 Einsatztage in Afghanistan, Afrika, Bosnien, Sudan und Uganda

 
Referent:

Kapitänleutnant Marco Hellgrewe

Einsatzführungskommando der Bundeswehr, Potsdam-Schwielowsee
 

am Donnerstag, 11. Oktober 2018, 19.30 Uhr
im Kulturzentrum Buseck
Am Schlosspark, 35418 Buseck

 

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Bericht der Sektion Frankfurt/M.-Gießen-Marburg

Risiko- und Krisenmanagement der Bundesregierung

31. Busecker Forum für Sicherheitspolitik beschäftigt sich mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr

Von Walter-Hubert Schmidt
v.l. Kapitänleutnant Marco Hellgrewe; Hauptmann Martin Würz, Vorsitzender Förderverein Division Schnelle Kräfte; Oberstleutnant d.R. H.-Peter Hess, Sektionsleiter Gesellschaft für Sicherheitspolitik; Bürgermeister Dirk Haas, Bürgermeister der gemeinde Buseck; Oberst i.G. Sascha Zierold, Abteilungsleiter G1 der Division Schnelle Kräfte. – Foto: W.-H. Schmidt

Gießen (wh). Viele Deutsche reisen ins Ausland. Oft sind die Risiken nicht bekannt. Aber was passiert, wenn deutsche Staatsbürger entführt werden? Diesem Thema ging die Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), Sektion Gießen, und die Gemeinde Buseck beim 31. Busecker Forum für Sicherheitspolitik nach. Kompetenter Referent war Kapitänleutnant Marco Hellgrewe mit seinen persönliche Erfahrungen nach mehr als 1.400 Einsatztagen in Afghanistan, Afrika, Bosnien, Sudan und Uganda, der vortrug wie die Bundesrepublik deutsche Staatsbürger im Ausland evakuieren kann.

Kapitänleutnant Hellgrewe beim Vortrag – Foto: W.-H. Schmidt

Hellgrewe, der seit 2016 im Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Schwielowsee bei Potsdam ist, beschäftigt sich mit dem Risiko- und Krisenmanagement der Bundesregierung. Konkret geht es darum deutsche Staatsbürger, aber auch Bürger anderer (europäischer) Staaten aus Krisenregionen in Sicherheit zu bringen. Derzeit arbeitet der „KaLeu“ daran das IT-gestützte System mit Daten aus jedem Land der Erde weiter auszubauen, zu überprüfen und mit dem Wissen weiterer Beteiligten zu vernetzen.

Poltische/militärische Krisen, Naturkatastrophen, Terroranschläge sowie konsularische, technologische und medizinische Krisen fallen ebenso wie Entführungen mit Geiselnahmen in diese Kategorie. Daten werden, so berichtete Hellgrewe, der in Afghanistan als interkultureller Einsatzberater rund 1.300 Gespräche mit Taliban, Mujaheddin, Geistlichen, lokalen Stammesfürsten und Gouverneuren geführt hat, in einem Krisenvorsorgeinformationssystem gesammelt. Darauf greift das Nationale Risiko- und Krisenschutzmanagement zum Schutz deutscher Staatsbürger im Ausland bei ihren Entscheidungen zurück.

Zum Schutz deutscher Staatsbürger betreibt die Bundesrepublik einen recht hohen Aufwand. Schließlich, so rechnete Hellgrewe vor, wurden im letzten Jahr über 97 Millionen Privatreisen und rund 40 Millionen Geschäftsreisen von Deutschen ins Ausland unternommen. Ausgehend vom Völkermord in Ruanda im Jahre 1994, bei dem Deutschland (noch) nicht in der Lage war, Deutsche Staatsbürger zu retten, wurde das Kommando Spezialkräfte (KSK) aufgestellt. Ein weiterer Meilenstein war die Evakuierung von Deutschen aus Albanien – die „Operation Libelle“. Dazu kommen noch die anderen Staatsangehörige und deutschen Auslandsvertretungen. Hellgrewe empfahl allen Deutschen bei Reisen ins Ausland, vor allem ins nicht-europäische Ausland, sich bei ELEFAND (Elektronische Erfassung von Deutschen im Ausland) registrieren zu lassen. Auch sollten vom Auswärtigen Amt ausgesprochene Reisewarnung für ein Land auf jeden Fall beachtet werden. Bei Nichtbeachtung könnten Reisende beim Einsatz der Bundeswehreinsatz oder durch andere aus diesem Land in Sicherheit gebracht werden, an den entstandenen Kosten beteiligt werden. „Das könnte teuer werden“, meinte Hellgrewe dazu.

Interessiertes Publikum im Kulturzentrum Buseck. – Foto: W.-H. Schmidt

Wer aus einem Krisenland herausgeholt und welche Reihenfolge vorgenommen werde, entscheide der jeweilige Botschafter vor Ort. Für einige Länder (wie zum Beispiel Kasachstan, Kirgisien) sei Deutschland auch für die anderen EU-Staaten zuständig. Hellgrewe versprach, dass niemand zurückbleibe.

Zu Beginn der Veranstaltung übergaben Oberst i.G. Sascha Zierold als G1 im Stab der Division Schnelle Kräfte und Hauptmann Martin Würz als Vorsitzender des Fördervereins DSK-Stab die „Gelbe Schleife“ an Bürgermeister Dirk Haas. Diese Auszeichnung wurde durch den Traditionskreis RakArtBtl 52 und BglBttr 5 initiiert und soll ein Zeichen dafür sein, dass Buseck Solidarität mit den Soldaten der Bundeswehr zeigt. Haas erklärte dazu, dass er als Pazifist zwar Probleme mit dem Einsatz des Militärs habe, die Einsätze aber demokratisch legitimiert und manchmal notwendig seien. Haas versprach auch in Zukunft Solidarität mit Soldatinnen und Soldaten zu zeigen. Oberst i.G. Zierold warb genau um diese Solidarität in der Gesellschaft: „Wir machen das ja nicht, weil wir so gerne in den Einsatz gehen. Wir machen das nicht, weil wir uns so gerne Gefahren aussetzen.“

 
Fotos: Walter Hubert Schmidt
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