Nachschau – Veranstaltung am 11. und 12.12.2018

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Chinas Aufstieg zur Weltmacht

aus europäischer Sicht

 
Referent:

Prof. Dr. Björn Alpermann

Universität Würzburg
Foto: Uni Würzburg
 

am Dienstag, 11. Dezember 2018, 19:30 Uhr

im Hotel „Jägerhaus“, Wintergarten

Bronnzeller Str. 8, 36043 Fulda-Bronnzell

 

Dieser Vortrag findet auch statt als

 

Schülerveranstaltung

 

am Mittwoch, 12. Dezember 2018, 08:00 Uhr

in der Rabanus-Maurus-Schule (Domgymnasium)

Magdeburger Str. 78, 36037 Fulda

 

*****

 
Bericht der Sektion Fulda

Chinas Aufstieg zur Weltmacht aus europäischer Sicht

Von Franz A. Trost
Professor Dr. Björn Alpermann beim Vortrag in Fulda-Bronnzell – Foto: Gisbert Hluchnik

Vor einer großen Anzahl interessierter Zuhörer hielt auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, Sektion Fulda, Prof. Dr. Björn Alpermann vom Lehrstuhl für Contemporary Chinese Studies der Julius-Maximilians-Universität Würzburg einen detail- und kenntnisreichen Vortrag zu einem Thema, das zunehmend in der öffentlichen Diskussion Platz greift.

Angesichts von Chinas immer bedeutsamer werdenden Rolle in der Welt steht auch Europa vor der Aufgabe, sich intensiv nicht nur mit Chinas wirtschaftlicher, sondern auch seiner politischen Rolle auseinanderzusetzen. So widmete sich Professor Alpermanns Vortrag dem außenpolitischen Handeln der Volksrepublik China unter seiner derzeitigen Führung vor dem Hintergrund seiner innenpolitischen Entwicklung.

„Langsamer Staatsstreich“ Xi Jinpings
Seit dem Aufstieg Xi Jinpings zum neuen starken Mann in China Ende 2012 – als Generalsekretär der alleinregierenden Kommunistischen Partei, als Staatspräsident und Oberkommandierender der Volksbefreiungsarmee – habe sich eine grundlegende Umgestaltung des politischen Systems vollzogen. Nach Alpermanns Einschätzung handele es sich hierbei um einen „langsamen Staatsstreich“ Xi Jinpings, der mit folgenden Veränderungen einhergehe: der Schaffung neuer Entscheidungsstrukturen, dem Ausschalten der innerparteilichen Konkurrenz, dem Durchbrechen alter Interessengruppen und der partiellen Übernahme der Regierung durch die Partei. Auf diese Weise sei ein re-zentralisiertes, autoritäres System entstanden, das sich vom „fragmentierten Autoritarismus“ früherer Tage durch größere Durchsetzungskraft deutlich unterscheide.

Bis Mitte des 21. Jahrhunderts „Platz in der Mitte der Weltbühne“
Nach Alpermann hängen diese innenpolitischen Umgestaltungsprozesse sehr eng mit einem selbstbewussteren Auftreten Chinas auf der internationalen Bühne zusammen. Beim 19. Nationalkongress der Kommunistischen Partei Ende 2017 verkündete Xi den Beginn einer „neuen Ära“ und das Ziel, dass China bis Mitte des 21. Jahrhunderts „einen Platz in der Mitte der Weltbühne“ einnehmen solle. Unter anderem beinhalte dies auch die Schaffung eines „erstklassigen Militärs von Weltrang“. Außenpolitisch sei das Handeln Chinas durch die Maxime locken – besänftigen – bedrohen bestimmt. So locke es etwa mit der wirtschaftlichen Öffnung des Landes, versichere gleichzeitig, dass der Aufstieg Chinas keine Bedrohung darstelle, drohe aber andererseits mit dem massiven Aufbau und der Zurschaustellung seiner militärischen Macht.

Großes Publikumsinteresse – Foto: Gisbert Hluchnik

Neue Seidenstraßen-Initiative
Ausführlich ging Alpermann in seinem Vortrag auf die von Präsident Xi propagierte „neue Seidenstraßen-Initiative“ („belt and road initiative“) ein. Diese außen- (wirtschafts-) politische Initiative unterscheide sich grundlegend von herkömmlichen Strategien wie der Schaffung von Wirtschaftsblöcken oder Verteidigungsallianzen. Sie sei prinzipiell offen angelegt, bleibe aber in entscheidenden Punkten vage. Damit entspreche sie mehr innenpolitischen Entwicklungsprogrammen Chinas als außenpolitischen Strategien anderer Staaten. Unter anderem aufgrund dieser Neuartigkeit hätten chinesische Bemühungen in diesem Zusammenhang in Europa Bedenken hervorgerufen.

Konflikte in Chinas Peripherie
Des Weiteren analysierte der Referent die diversen Konflikte in Chinas Peripherie, wie die nach wie vor ungeklärte Entnuklearisierung Nordkoreas, die Beziehungen zwischen Volksrepublik China und Taiwan sowie die Territorialkonflikte im Südchinesischen Meer. Auch hieran lasse sich das selbstbewusstere Auftreten Chinas deutlich ablesen, das auf eine Konfrontation mit den Vereinigten Staaten von Amerika hinauslaufen könne. In Bezug auf Handelsfragen ist diese Konfrontation bereits im vollen Gange. Hier skizzierte Alpermann die Möglichkeit, dass die Europäische Union als Vermittler ausgleichend wirken könne, wenngleich sie dabei aufpassen müsse, nicht zwischen den beiden Weltmächten zerrieben zu werden.

In der anschließenden, lebhaften Diskussion wurden zahlreiche weitere Aktivitätsfelder der chinesischen Außenpolitik und Außenwirtschaft angesprochen, was verdeutlicht, wie vielschichtig die Betrachtung Chinas ausfallen muss. Auch sich abzeichnende Entwicklungsprobleme des Landes, wie das neue Wirtschaftsmodell, sowie Ökologie und Demographie – kamen zur Sprache.

Auf großes Interesse stieß auch die Wiederholung des Vortrags durch Professor Alpermann am nächsten Morgen vor den Oberstufenklassen des Rabanus-Maurus-Gymnasiums sowie deren Geschichts- und Politiklehrkräften.

 

*****

 
Bericht der Fuldaer Zeitung vom 19.12.2018

Die Volksrepublik und ihre drei Gesichter

Björn Alpermann spricht an der Rabanus-Maurus-Schule über Chinas Rolle in der Weltpolitik

Über „Chinas Aufstieg zur Weltmacht aus europäischer Perspektive“ hat Prof. Dr. Björn Alpermann von der Universität Würzburg vor kurzem in der Rabanus-Maurus-Schule in Fulda gesprochen.

FULDA. Mit der Feststellung, dass China in jedermanns Tasche“ sei, eröffnete Björn Alpermann seinen Vortrag in der Aula der Schule, die mit den Schülern der Qualifikationsphasen 1 und 3 sowie deren Geschichts und Politiklehrkräften gut besetzt war, wie die Schule in einer Mitteilung schreibt. Der China-Forscher, der an der Julius- Maximilian-Universität Würzburg den Lehrstuhl für „Contemporary Chinese Studies“ innehat, spielte damit auf die Smartphones der Schüler an, deren Elektronik – unabhängig vom Hersteller – in China produziert werde. Diese Tatsache verwundere nicht, ist doch China seit der wirtschaftlichen Öffnung in den 1980er Jahren in atemberaubendem Tempo nach den USA zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt aufgestiegen, wie Alpermann erklärte.

Je mächtiger die Volksrepublik dabei werde, desto drängender stelle sich die Frage, ob Chinas Einfluss nur dem Land selbst nutze oder zugleich andere Länder bedrohe. Alpermann näherte sich dieser Frage, indem er die Außenpolitik der Volksrepublik aus ihrer Innenpolitik erklärte. Dabei zeigte er drei „Gesichter“ auf, mit denen China seit 2012 – repräsentiert durch Staatspräsident Xi Jinping – in der Welt wahrgenommen werde: Das „freundliche Gesicht“, mit dem China misstrauische und ängstliche Beobachter seines beeindruckenden Aufstiegs zur Weltmacht beschwichtigen wolle; das „lockende Gesicht“, mit dem sich China als mächtiger Investor und potenzieller Großmarkt anbiete und das „drohende Gesicht“, das durch die Aufrüstung der Volksbefreiungsarmee deutlich werde. Die Machtkonzentration bei Xi Jingping und dem Parteiapparat der Kommunistischen Partei in den letzten Jahren wurde in diesem Zusammenhang ebenso beleuchtet wie das chinesische Großprojekt der „Neuen Seidenstraße“ und die ideologisch aufgeladene Meistererzählung vom Wiederaufstieg der geeinten chinesichen Nation bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts, schreibt die Schule weiter.

Laut Alpermann berge die Entwicklung Chinas zum mächtigen Global Player enormes Konfliktpotenzial. Exemplarisch erläuterte er das energische Vorgehen im Südchinesischen Meer, das schwierige Verhältnis zu Taiwan und die Beziehungen zu Nordkorea. Bei allen drei Beispielen sei eine militärische Konfrontation mit den USA nicht unwahrscheinlich, die Chinas Machtansprüche im pazifischen Raum nicht anerkennen wollen und unter Präsident Donald Trump in einen Handelskrieg mit China eingetreten sind. Allerdings müsse der von China beschrittene Weg nicht zwangsläufig in einem Eskalationsszenario enden. Im günstigsten Fall könne sich eine „Pax Sinica“ ausbilden, was auf einen befriedeten und von China dominierten Wirtschaftsraum hinauslaufe, der für andere Mächte ebenfalls von Vorteil sei.

Europa selbst stehe dabei zwischen den Antipoden China und den USA und könnte eine für sich vorteilhafte Vermittlerrolle einnehmen. Dabei bestehe allerdings die Gefahr, zwischen den Interessen der Großmächte zerrieben zu werden. Im Anschluss an den Vortrag zeigte sich bei einer Fragenund Diskussionsrunde, dass der Referent das Interesse der Schülerinnen und Schüler geweckt hatte, die zum Teil schon selbst am China-Austausch der Schule teilgenommen hatten oder in der China-AG der Schule Chinesisch lernen. Ermöglicht worden war der Vortrag von der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), vor der Alpermann am Vorabend in Bronnzell referiert hatte. Der Vorsitzende der Sektion Fulda, Michael Trost, unterstrich in seinen einleitenden Worten seine Freude über die Kooperation mit der Rabanus- Maurus-Schule. Beide Partner wollen ihre Zusammenarbeit in Zukunft fortsetzen und intensivieren.

Seit dem Aufstieg Xi Jinpings zum neuen starken Mann in China Ende 2012 – als Generalsekretär der alleinregierenden Kommunistischen Partei, als Staatspräsident und Oberkommandierender der Volksbefreiungsarmee – habe sich eine grundlegende Umgestaltung des politischen Systems vollzogen. Nach Alpermanns Einschätzung handele es sich hierbei um einen „langsamen Staatsstreich“ Xi Jinpings, der mit folgenden Veränderungen einhergehe: der Schaffung neuer Entscheidungsstrukturen, dem Ausschalten der innerparteilichen Konkurrenz, dem Durchbrechen alter Interessengruppen und der partiellen Übernahme der Regierung durch die Partei. Auf diese Weise sei ein re-zentralisiertes, autoritäres System entstanden, das sich vom „fragmentierten Autoritarismus“ früherer Tage durch größere Durchsetzungskraft deutlich unterscheide.

 
Nach oben

Zurück