Nachschau – Veranstaltung am 22.08.2018

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Im malischen Treibsand –

deutsches Engagement in der Wüste

 
Referentin:

Dr. Julia Egleder

Redakteurin beim sicherheitspolitischen Magazin „loyal“
Foto: Eigenes Bild
 

am Mittwoch, 22. August 2018, 19:30 Uhr
im Hotel „Jägerhaus“, Wintergarten
Bronnzeller Str. 8, 36043 Fulda-Bronnzell

 

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Bericht der Sektion Fulda

Deutschlands Engagement in der Wüste

Von Franz Trost
Das Thema Mali stieß auf großes Interesse – trotz hochsommerlicher Hitze – Foto: Gisbert Hluchnik

Was macht die Bundeswehr in Mali? Und: Wie ist die Sicherheitslage in dem westafrikanischen Land heute? Diese Fragen beantwortete Dr. Julia Maria Egleder bei einer gut besuchten Veranstaltung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik – Sektion Fulda. Die Referentin ist Politikwissenschaftlerin und Redakteurin des sicherheitspolitischen Magazins „loyal“ mit Sitz in Frankfurt, besuchte Mali zuletzt im Frühjahr dieses Jahres.

In dem Land von der dreifachen Größe Deutschlands, das zu Zweidritteln aus Wüste besteht, leben etwa 18 Millionen Menschen in äußerst ärmlichen Verhältnissen, davon im Wüstengebiet des Nordens rund 30.000 arabische Tuareg. Viele Kinder gehen nicht zur Schule und die Bevölkerungszunahme von drei Prozent pro Jahr bedeutet bei ungebrochener Fortentwicklung im Jahre 2050 eine Bewohnerzahl von 61 Millionen.

Julia Egleder: Packender Vortrag in freier Rede – Foto: Gisbert Hluchnik

Im Jahr 2012 hatten radikal-islamische Salafisten-Gruppen zusammen mit Tuareg-Rebellen aus dem Norden große Teile Malis erobert und ein grausames islamisches Regime errichtet.

Im Frühjahr 2013 stoppten französische Truppen ihren Vormarsch auf die Hauptstadt Bamako. Deutschland ist eine von 53 Nationen, die in Mali einen prekären Frieden sichern wollen. Seit 2013 bildet die Bundeswehr im Rahmen einer EU-Mission die malische Armee aus. Aufgrund von Verständigungsschwierigkeiten stellt dies keine einfache Aufgabe dar. Zudem ist die Bundeswehr im Norden Teil einer UN-Mission, die ein Friedensabkommen zwischen der Regierung und den Rebellen überwachen und Zivilisten schützen soll. Mit insgesamt 13.000 Soldaten, so ein Offizier der Bundeswehr, hat die UN jedoch zu wenige Kräfte, um das riesige Gebiet zu überwachen, woran auch der Einsatz der deutschen Drohnen „Luna“ und „Heron“ nichts ändert. Im Moment sind knapp 1.000 Bundeswehrsoldaten in Mali eingesetzt. Damit handelt es sich um eine der größten Auslandsmissionen der Bundeswehr. Der Einsatz gilt als gefährlichste Friedensmission der Vereinten Nationen. Im Jahr 2016 starben 26 Blauhelmsoldaten, mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Insgesamt sind in vier Jahren 160 Tote zu beklagen. Im vergangenen Jahr war ein deutscher Tiger- Kampfhubschrauber aus Fritzlar bei einem Unterstützungsflug über der Wüste abgestürzt und die Besatzung zu Tode gekommen.

Unser häufiger Kooperationspartner zu Gast, Bonifatiushaus-Direktor Gunter Geiger – Foto: Gisbert Hluchnik

Als Grund für die Anwesenheit der Bundeswehr in Mali nannte die Referentin das Engagement der Vereinten Nationen, die Solidarität mit Frankreich, den Kampf gegen den internationalen Terrorismus sowie die Eindämmung der Flüchtlingsbewegung durch die Beseitigung der Fluchtgründe vor Ort. Doch zu diesen zählen auch Korruption, Klientelismus und die Vernetzung von Drogen- und Schmugglerbanden. Schließlich sei auch eine Vernachlässigung von Mittel- und Nordmali durch die Regierung festzustellen.

Zur Sicherheitslage heute konnte Egleder nichts Positives berichten, denn die Rebellengruppen sind zersplittert, einzelne Milizen fühlen sich an den Vertrag mit der Regierung nicht gebunden und die Islamisten halten das Land mit Sprengstoffanschlägen auf den Straßen und mit Überfällen auf Dörfer in Angst und Schrecken. Die Bevölkerung Malis aber ist angesichts dessen desillusioniert und beklagt, dass die UN-Truppen nicht da seien, wenn sie gebraucht würden.

Sektionsleiter Trost bedankte sich – der großen Hitze geschuldet – mit einer Packung Eistee als Präsent! – Foto: Gisbert Hluchnik

Im Anschluss an eine lebhafte und zu Teilen auch kritische Fragerunde schloss der Vortragsabend unter dem herzlichen Applaus der zahlreichen Gäste für den informativen und zugleich ernüchternden Bericht zur Lage in Mali.

 
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