Nachschau – Veranstaltung am 25.10.2018

 
 

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema
 

Fesseln der Vergangenheit –
Russland und das Erbe der Sowjetunion

 
Referent:

Dr. Manfred Sapper

Chefredakteur der Zeitschrift „Osteuropa“
 

am Donnerstag, 25. Oktober 2018, 19.00 Uhr

in der Aula des Peter-Joerres-Gymnasiums

Uhlandstraße 30, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler

 

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vom 06.11.2018

Fesseln der Vergangenheit – Russland und das Erbe der Sowjetunion

Politologe Manfred Sapper: Die Zeit Putins ist begrenzt

Von unserem Mitarbeiter Jochen Tarrach
Als genauer Kenner der einstigen UdSSR und der heutigen Russischen Föderation hielt Dr. Manfred Sapper aus Berlin im Peter-Joerres-Gymnasium einen ebenso spannenden wie informativen Vortrag über „Russland und das Erbe der Sowjetunion“ – Foto: Tarrach

Bad Neuenahr. Mit dem Thema „Russland und das Erbe der Sowjetunion“ war die Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) diesmal mit ihrem Vortrags- und Diskussionsabend vom Hotel Krupp ins Peter-Joerres-Gymnasium gewechselt, um näher bei der Jugend zu sein und um diese für die internationale Politik zu interessieren. Das Experiment gelang, denn rund die Hälfte der Zuhörer waren Schüler des Gymnasiums. Sie bekamen dann auch teilweise überraschende Aussagen zu hören. Beispiel: „Wladimir Wladimirowitsch Putin, Präsident der Russischen Föderation, wird noch bis 2024 Präsident bleiben, dann wird ihn ein innerstaatlicher Bruch hinwegfegen.“ Diese Prognose machte zu aller Erstaunen Referent Dr. Manfred Sapper.

Als Politikwissenschaftler, Historiker, Soziologe und Chefredakteur der Monatszeitschrift „Osteuropa“ in Berlin, 1999 ausgezeichnet mit dem Landeslehrpreis von Baden-Württemberg, wusste Sapper natürlich genau, worüber er mit seiner gewagten Vorhersage sprach. Die Sowjetunion, das war schon sein Thema, als er bereits 1994 über „Die Auswirkungen des Afghanistankriegs auf die Sowjetgesellschaft“ promovierte. „Putin ist ein lupenreiner Demokrat“, das hatte der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder einst gesagt. Stimmt das? „Nein“, sagte der Experte Sapper, denn innerstaatlich ist an Stelle der Demokratie eine eher lupenreine Autokratie getreten, in der bürgerliche Freiheiten, die gesellschaftliche Selbstbestimmung, Gewaltenteilung und Rechtstaatlichkeit nicht viel gelten. Das Regime zieht die Daumenschrauben wieder an damit die herrschende Elite alles unter Kontrolle behalte. Die Perestroika sei ein Pyrrhussieg für die Freiheit der Russen gewesen. Außenpolitisch definiert sich Russland wieder durch eine Abgrenzung zum Westen.

Seit der Annexion der Krim 2014 und dem Krieg in der Ostukraine bestimmen Misstrauen und Konfrontation mit Europa und den USA das Bild. „Russland hat sich selbst wieder isoliert“, so der Politikwissenschaftler Sapper. Dabei sei Russland in seinen Grenzen längst nicht mehr die alte UdSSR. Nicht der Zweite Weltkrieg mit Millionen von Toten, sondern der Zerfall der Sowjetunion sei nach Aussage von Putin die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts gewesen. Auch die wirtschaftliche Entwicklung verlaufe anders als auch im Westen erhofft. Eine kleine Bevölkerungsschicht habe sich gnadenlos und kriminell bereichert. Es gebe jetzt nur noch ganz reich oder ganz arm. Alte Beziehungen zerbrachen. Die Folge sei eine imperiale Sehnsucht der Masse des Volkes nach alter Größe, denn die Grundpfeiler dessen, was die UdSSR ausgemacht habe, wie Bildung, Militär, der Ost-West-Konflikt und die alte Logik „was wir gewinnen, verliert der Westen“ sei unreformiert geblieben. Das zweifellos vorhandene, gewaltige wirtschaftliche Wachstum von rund 50 Prozent sei allein der Ölkrise von 2011 und dem folgenden Ölverkauf zu verdanken. All das macht sich Putin zu nutzen durch eine Mobilisierung im Inneren sowie das Streben nach Anerkennung in der Außenpolitik. Als kernig-vitaler Kämpfer mit muskulösem freien Oberkörper auf einem wilden Pferd reitend stelle er das genaue Gegenteil von Vorgänger Boris Jelzin dar und vermittle die Sehnsucht nach einer Rückbesinnung auf die alte Kraft der UdSSR. Momentan herrsche nach Ansicht von Sapper aber eine Periode der Entwicklungsblockade. Immer mehr Widerstand rege sich. Russland mache heute wieder dieselben Fehler wie einst die UdSSR und das könne innenpolitisch auf Dauer nicht gut gehen. So sei auch die Zeit von Putin begrenzt.

 
Lesen Sie auch den Bericht der Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler
 
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