Nachschau – Veranstaltung am 25.10.2018

 
 

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema
 

Fesseln der Vergangenheit –
Russland und das Erbe der Sowjetunion

 
Referent:

Dr. Manfred Sapper

Chefredakteur der Zeitschrift „Osteuropa“
 

am Donnerstag, 25. Oktober 2018, 19.00 Uhr

in der Aula des Peter-Joerres-Gymnasiums

Uhlandstraße 30, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler

 

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Bericht der Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler

Fesseln der Vergangenheit

Russland und das Erbe der Sowjetunion

Von Klaus Kretzschmar
(von links) Oberst a.D. Schmidhofer; Dr. Sapper – Foto: Brigitte Schmidhofer

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der Vortragsabend der Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) im Monat Oktober fand gemeinsam mit Schülern und Lehrern des Peter-Joerres-Gymnasiums im Mehrzwecksaal der Schule statt. Dieses neue Format sollte der Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen Schule und der Sektion der GSP zu sicherheitspolitischen Fragen dienen. Das Thema: „Fesseln der Vergangenheit – Russland und das Erbe der Sowjetunion“ versprach interessante Blicke hinter die Kulissen der russischen Politik. Als Referent konnte Herr Dr. Manfred Sapper, ein ausgewiesener Kenner der russischen Befindlichkeiten gewonnen werden.

Nach einer kurzen Begrüßung und der Vorstellung der Ziele der GSP für die anwesenden Schüler und Lehrer durch den Sektionsleiter, Oberst a.D. Josef Schmidhofer leitete der Gastgeber, Oberstudiendirektor Reiner Meier, zum Thema des Abends über und hob die gemeinsame Absicht hervor mit dieser Veranstaltung ein größeres Verständnis für sicherheitspolitische Fragen auch bei den Gymnasiasten zu wecken.

Dr. Sapper begann seinen Vortrag mit einer kurzen Darstellung des russischen Alltags insbesondere in den Millionen-Städten. Sein Fazit: Besonders die junge Generation unterscheidet sich nur unwesentlich von Gleichaltrigen in westeuropäischen Ländern. Die Generation Putin, also die Älteren, die an den Schalthebeln der Macht sitzen, verharren dagegen noch im imperialen Denken sowjetischer Zeiten. Sie bedauern den Zerfall der Sowjetunion zutiefst und sehen den Einflussverlust insbesondere in der Ära Gorbatschow und Jelzin als große Schmach an. Das erklärt auch ihre Begeisterung für Putin, der begonnen hat, Russland auf internationalem Parkett wieder sichtbar zu machen. Die Mittel und Methoden (Annexion der Krim, Krieg in der Ukraine, Unterstützung eines menschenverachtenden Machthabers in Syrien) spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Russland ist wieder Gesprächspartner bei Verhandlungen zu weltpolitischen Themen. Das diese Selbstinszenierung aber von großen wirtschaftlichen Problemen und innenpolitischen Spannungen begleitet wird, ist kein Gegenstand öffentlicher Diskussionen. Darin liegt auch eine der Ursachen, warum gut ausgebildete junge Menschen lieber ihre Heimat verlassen als sich im „post-sowjetischen System“ unterzuordnen.

Der Referent machte deutlich, dass auch mit Verlassen der politischen Bühne durch die „Generation Putin“ kein Wandel zu demokratischen Strukturen in Russland zu erwarten ist. Die Grundpfeiler sowjetischer Machtstrukturen existieren weiterhin und prägen die Ausbildung und Erziehung nachfolgender Generationen. Die zaghaften Versuche einer Modernisierung in den vergangenen Jahren haben insbesondere wirtschaftlich kaum Erfolge gebracht. Die alten Eliten sind nicht daran interessiert, ihnen geht es nur um Machterhalt mit allen Mitteln.

Bei der abschließenden Diskussion stellten auch einige der anwesenden Schüler interessante Fragen. Der Schulleiter des PJG fasste die Meinung aller Teilnehmer zusammen und sagte, dass er den Ausführungen von Dr. Sapper noch weitere Stunden hätte folgen können; so packend und interessant war das Thema.

 
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