Nachschau - Veranstaltung am 22.03.2018

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Fake News.
Destabilisieren sie die Demokratie?

 
Referentin:

Gemma Pörzgen

Freie Journalistin,
Vorstandsmitglied der deutschen Sektion "Reporter ohne Grenzen“
Foto: © Gemma Pörzgen 2017
 

am Donnerstag 22. März 2018, 19:00 Uhr
im Haus Schütting
Am Markt 13, 28195 Bremen

 

 
Bericht der Sektion Bremen

"Ein Problem für unsere Demokratie und den öffentlichen Diskurs"

GSP-Vortrag über ‚Fake News‘ im Haus Schütting

Von Gemma Pörzgen
Vortragsveranstaltung im Haus Schütting - Foto: Sebastian Ways/GSP Bremen

Bremen. Der Begriff „Fake News“ ist eigentlich seit dem letzten Wahlkampf in den USA zu einem geflügelten Wort geworden. Legendär ist inzwischen der Auftritt von Donald Trump bei seiner ersten Pressekonferenz als neu gewählter Präsident im Januar 2017, als er einen CNN- Reporter mit „Sie sind Fake News“ beschimpfte. Zuvor hatten die USA den vermutlich schmutzigsten Wahlkampf ihrer Geschichte erlebt, bei dem die Verbreitung dreist gefälschter Informationen ein bislang unbekanntes Ausmaß zu erreichen schien. Wie wir inzwischen wissen, wurde vor allem Facebook während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016 von einer Welle an Falschmeldungen überschwemmt. Millionen Menschen sahen erfundene Nachrichten und bösartige Anschuldigungen, die sich meist gegen Trumps Konkurrentin Hillary Clinton richteten. Niemand weiß, welchen Einfluss diese Falschmeldungen auf die Wahlentscheidung der Nutzer hatten, doch sie offenbarten das gewaltige Desinformationspotenzial, das eine Plattform wie Facebook bietet.

Seither ist auch in Deutschland die Sorge vor diesen Gefährdungsmöglichkeiten groß und bekommt durch den jüngsten Skandal rund um den Datenklau durch die Firma Cambridge Analytica zusätzlich Nahrung.

Doch worum geht es bei Fake News eigentlich? Der Sprachgebrauch von Herrn Trump zeigt, dass „Fake News“ häufig als Schimpfwort dient, mit dem politische Gegner oder Medien diffamiert werden. In der Wissenschaft ist der Begriff sehr umstritten. Einige Medienforscher sprechen lieber von „Junk-News“. Eine eindeutige Definition gibt es aber in der Wissenschaft nicht. Eine Expertengruppe der EU empfahl kürzlich, den Begriff „Fake News“ wegen dessen Mehrdeutigkeit nicht zu verwenden, sondern stattdessen lieber von „Desinformation“ zu sprechen. Da der Begriff aber nun mal in der Welt ist und man ihn aus dem Sprachgebrauch schwer verbannen kann, hat sich eigentlich das folgende Verständnis immer mehr durchgesetzt: „Unter Fake News sind vor allem solche Falschnachrichten zu verstehen, die bewusst oder absichtlich online verbreitet werden und der Manipulation dienen.“ Sie sollen den Nutzer täuschen und bewusst im Unklaren darüber lassen, dass Informationen inkorrekt sind. Anders als in der klassischen Propaganda, die aus politischen Gründen erfolgt, stecken hinter „Fake News“ nicht nur politische Motive, sondern bisweilen auch wirtschaftliche, weil mit stark verbreiteten Nachrichten (unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt) und vielen Klicks Werbeeinnahmen erzielt werden können.

Es gibt inzwischen eine Reihe von Wissenschaftlern und inte ressante Forschungsarbeiten zu diesem Thema. Darin zeigt sich, dass die Wirkung von „Fake News“ und deren Reichweite in der aktuellen Debatte sehr stark überschätzt werden. Dennoch wird vielerorts darüber nachgedacht, wie eine notwendige Regulierung der Plattformen aussehen könnte. In Reaktion auf die aufgeheizte Diskussion gibt es auch eine Vielzahl von Initiativen, die sich den Kampf gegen „Fake News“ auf die Fahnen schreiben, so zum Beispiel das Portal „Faktenfinder“ in der ARD.

Die Digitalisierung der Medienlandschaft bietet für viele interessierte Bürger eine große Vielfalt und kann demokratiefördernd wirken. Allerdings muss jeder einzelne Nutzer heute stärker entscheiden, wie glaubwürdig und relevant eine Information ist, ein Text, ein Foto oder ein Video. Viele Menschen fühlen sich dadurch überfordert. Deshalb müsste heute aus meiner Sicht Medienbildung viel stärker Teil der politischen Bildung sein und das schon in den Schulen. Aber auch für erwachsene Nutzer ist es wichtig, sich bei der Lektüre im Netz kritisch zu verhalten, Nachrichten mit Skepsis zu begegnen und sich immer wieder Fragen zu stellen. Ist es ein seriöses Medium? Oft ist schon der erste Eindruck wichtig. Wie steht es um die Rechtschreibung, wirkt das Design professionell oder schlampig? Auch hier ist manchmal gesundes Misstrauen hilfreich. Bemüht sich ein Autor um eine ausgewogene Darstellung mit unterschiedlichen Meinungen? Ist die Quelle für eine Information erkennbar? Ist die Überschrift überhaupt durch das gedeckt, was im Artikel steht? Liest sich etwas sachlich oder polemisch? Gibt es ein Impressum bei einer Website? Eine besondere Vorsicht gilt heute leider auch bei Fotos und Videos.

Um auf die Ausgangsfrage meines Vortrags zurückzukommen, ob „Fake News“ die Demokratie beschädigen, würde ich eher Entwarnung geben. Das soll nicht heißen, dass Fake News nicht doch ein Problem für unsere Demokratie und den öffentlichen Diskurs darstellen können. Es heißt nur, dass die Lage nicht so schlimm ist, wie etwa manche Politiker und einige Journalisten in skandalisierenden Artikeln beschwören.

 
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