Nachschau - Veranstaltung am 15.02.2018

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Neue Technologien

Ihr Einfluss auf die zukünftige Kriegsführung
und die internationale Sicherheit

 
Referent:

Dr. Christian Alwardt

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für
Frieden und Sicherheit (IFSH) der Universität Hamburg
Foto: IFSH
 

am Donnerstag, 15. Februar 2018, 19.00 Uhr

im EWE - Kundencenter Bremervörde
Marktstr. 20 - rückwärtiger Eingang

 

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Bericht der Sektion Elbe-Weser

Neue Hightech-Kriege?

Vortrag über fortschreitende Technologisierung bewaffneter Konflikte

Von Axel Loos

Bremervörde. Kürzlich referierte auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik Dr. Christian Alwardt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH), über die militärischen und politischen Auswirkungen des rasanten technischen Fortschritts in der Rüstungstechnologie. Dieser hat in den letzten beiden Jahrzehnten ein dramatisches Ausmaß erreicht, deren Analyse sich eine von drei Arbeitsgruppen des 1971 gegründeten IFSH widmet, in der Dr. Alwardt tätig ist. Die interdisziplinär aufgebaute Gruppe (IFAR) widmet sich der Erforschung von Risikotechnologien und Fragen der Rüstungskontrollen.

Nach einer Vorstellung des Instituts und seiner Aufgaben richtete Dr. Alwardt den Fokus auf die sogenannten ‚Neuen Technologien‘. Darunter werden Grundlagenforschungsfelder wie Nanotechnologien, ein Sammelbegriff für neue Entwicklungen in Bereichen wie der Halbleiterforschung, Chemie oder auch des Maschinenbaus oder der Künstlichen Intelligenz (KI) verstanden. Diese Technologien werden sehr intensiv u.a. zur Nutzung in der Konsumgüterindustrie vorangetrieben. Neue Energiespeicher, Robotersysteme und Softwareanwendungen lassen sich sehr profitabel vermarkten, was dazu führte, dass die Treiber auch des rüstungstechnischen Fortschritts nunmehr in der Zivilindustrie und der Wissenschaft zu finden sind. Friedliche und militärische Absichten vermischen sich und sind immer weniger voneinander abgrenzbar - mit zurzeit noch ungelösten Problemen hinsichtlich Rüstungskontrolle und der Begrenzung von kriegerischen Auseinandersetzung. Die Digitalisierung und Miniaturisierung der Technik sowie die Entwicklung von Präzisionswaffen führt sowohl zu neuen Methoden der Kriegsführung, hier seien als Beispiele die Vernetzung von Aufklärungs- und Führungssystemen oder die Cyber-Kriegsführung genannt, als auch zu neuen Herausforderungen. Wie lässt sich der Missbrauch von neuen Techno¬logien vermeiden? Wie kann verhindert werden, dass aus 3D-Druckern komplexe Waffen oder mittels DNA-Synthesizern Biokampfstoffe hergestellt werden? Die bisher bewährten Methoden zur Rüstungskontrolle basieren auf Definierbarkeit, eindeutiger Erkennbarkeit und Abzählbarkeit von Kriegsmaterial. Wenn aber alles sowohl zivil als auch militärisch einsetzbar ist („Dual Use“), sind neue Wege notwendig, die Dr. Alwardt im Verlauf seines Vortrages noch skizzierte. Darüber hinaus muss man sich auch von der Vorstellung klarer Frontlinien in einem Krieg verabschieden. Neue Fähigkeiten erlauben nunmehr eine flexible Mischform offen oder verdeckt, regulär oder irregulärer eingesetzter Kriegsmittel und lösen die alten Fronten auf. Dual Use und die Entgrenzung der Kampfzone stellen aber nicht nur ein militärisches Problem dar, sondern auch ein sicherheitspolitisches. Wenn Neue Technologien per se ein Bedrohungspotential aufweisen, steigt damit auch das Misstrauen, das Schutzbedürfnis und der Verteidigungsaufwand bei den einen und die Versuchung, Konflikte isoliert und aggressiv zu lösen, auf der anderen Seite. Die Krisenstabilität gerät ins Wanken.

Dr. Christian Alwardt mit Sektionsleiter Werner Hinrichs (re.) - Foto: GSP

Schnelligkeit in bewaffneten Auseinandersetzungen spielte schon immer eine große Rolle. Die Notwendigkeit, Analysen immer komplexerer Lagebilder in immer weniger Zeit durchzuführen und daraus folgende Operationen zu planen und auszuführen, führt gerade zwangsweise in die Automatisierung der Kriegstechnik. Dr. Alwardt stellte sehr detailliert anhand der Drohnentechnologie Fragen und Probleme der Autonomen Kriegsführung und des Rückgriffes auf Systeme künstlicher Intelligenz dar. Noch ist es jedoch der Mensch, der über den Waffeneinsatz entscheidet, und wenn man den Militärmächten wie den USA oder Großbritannien Glauben schenken darf, streben diese aus verschiedenen Gründen auch keine solchen Waffen an. Dr. Alwardt schränkte daher ein: „Es gibt bisher keine intelligenten und künstlichen Waffensysteme“, die mit diesen Begriffen korrekt beschrieben werden. Auch hier werden Probleme der Begriffsbestimmung deutlich, die ja nicht von linguistischem Interesse ist, sondern eine notwendige Voraussetzung für möglicherweise angestrebte Abrüstungs- oder zumindest Rüstungskontrollvereinbarungen.

Das Risiko von Rüstungswettläufen, die Wahrung des Humanitären Völkerrechts und die Gefährdung regionaler oder globaler Stabilität seien nur einige Motive für die Notwendigkeit regulatorischer Maßnahmen. Die Technik sei da, das sei eine unumkehrbare Tatsache, und so böten sich Erfahrungen und Mechanismen im Zusammenhang mit Chemiewaffen an. Mit dem Verweis auf mögliche Instrumente wie vertrauensbildende Maßnahmen, Offenlegung eigener Kapazitäten und der Einsatzkontrolle („Rules of Engagement“) entließ Dr. Alwardt die Teilnehmer nach einem fesselnden Vortrag nachdenklich in den Abend.

 
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