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Nachschau - Veranstaltungen am 16./17.05.2018

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

„Aus der DDR abgeschoben - Umgang mit Dissidenten"

Die Lebensgeschichte der Bürgerrechtlerin Freya Klier

 
Referent:

Freya Klier

Publizistin und Regisseurin
Foto: © Nadja Klier
 

am Mittwoch, 16. Mai 2018, 19:00 Uhr
im EWE - Kundencenter Bremervörde
Marktstr. 20 - rückwärtiger Eingang

 

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Weitere Veranstaltung mit Frau Klier:

 

Schülerveranstaltung

 

am Donnerstag, 17. Mai 2018
im Gymnasiun Bremervörde
Tetjus-Tügel-Straße 9, 27432 Bremervörde

 

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vom 29.05.2018

Aufgewachsen in der Diktatur

Publizistin Freya Klier spricht auf Einladung der GSP mit Bremervörder Schülern über die DDR

Von Theo Bick
DDR-Dissidentin Freya Klier (von links) mit Fabian Müller, Felix Stabel und Jana Willig-Peters von der Findorff-Realschule Bremervörde. Foto: Bick

BREMERVÖRDE. „Du sollst Dich erinnern“: Für Bürgerrechtlerin Freya Klier ist dies das elfte Gebot. In ihrem Fall bezieht sich dieser Leitsatz speziell auf die DDR, aus der die 1950 in Dresden geborene Schauspielerin und Aktivistin in der DDR-Friedensbewegung im Jahr 1988 ausgebürgert wurde. Auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) schilderte Klier kürzlich Schülerinnen und Schülern der Findorff-Realschule in Bremervörde eindringlich ihre Erfahrungen mit der Stasi, ständiger Überwachung und staatlicher Indoktrination.

Letztere begann bei Freya Klier schon im Kindesalter. Nachdem ihr Vater inhaftiert worden war, landete die damals Dreijährige gemeinsam mit ihrem älteren Bruder in einer Erziehungseinrichtung. Unter strenger Aufsicht der Erzieherinnen, die den „großen Führer“ Joseph Stalin verehrten. Noch heute erinnert sich Klier an skurrile Szenen. Zum Beispiel wie sie als Dreijährige weinen musste, als ihrer Gruppe vom Tod des Diktators berichtet wurde. „Die Gehirnwäsche hatte bei mir gut funktioniert – erstmal“, sagte Klier den Bremervörder Zehntklässlern.

Immer wieder las die Referentin Episoden aus einem ihrer Bücher vor, um den Jugendlichen wichtige Geschehnisse aus ihrem Leben nahezubringen und was es bedeutet, ohne Bürgerrechte in einer Diktatur aufzuwachsen. Zentrale Erlebnisse sind etwa ihr gescheiterter Fluchtversuch und die anschließende Haft, das trotz Gefängnisaufenthalt genehmigte Schauspielstudium – die Leiterin ihrer Theaterschule hatte für die junge Klier gekämpft – sowie die Gefangennahme und spätere Ein-weisung ihres Bruders Steffen in die geschlossene Psychiatrie, die 1979 in seinen Suizid mündete.

Der Wille zum Widerstand

Spätestens da sei in ihr der Widerstandswille erwacht, so Klier, die 1980 zu einer Mitbegründerin der DDR-Friedensbewegung wurde. Gemeinsam mit ihrem damaligen Lebensgefährten, Liedermacher Stephan Krawczyk, trat sie in den folgenden Jahren in evangelischen Kirchen auf – trotz eines 1985 gegen sie verhängten Berufsverbotes. Immer unter der Beobachtung der Stasi, die letztlich einen Anschlag auf sie verübt, sie festnimmt und gegen ihren Willen ausbürgert.

Sichtlich bewegt beginnen die Schüler danach eine lebhafte Diskussion mit der Referentin, die Klier mit einem Appell an die Jugendlichen zum gesellschaftlichen Engagement beendet: „Die Demokratie bleibt auch hier nicht von alleine.“ Heute gebe es über 70 Diktaturen auf der Welt.

Nach dem Vortrag traf sich Klier mit einigen ausgewählten Schülern zu einer kleinen Diskussionsrunde. Schülersprecherin Jana Willig-Peters und ihre Klassen-kameraden Felix Stabel und Fabian Müller nutzten die Gelegenheit, um der Referentin einige tiefergehende Fragen zu stellen.

»Wenn du in einer Diktatur nicht lügen kannst, dann gehst du vor die Hunde. «

Freya Klier über das Schicksal ihres Bruders in der DDR

Die Wiedervereinigung sei insgesamt gelungen, aber noch längst nicht abgeschlossen, befindet Klier. Schließlich seien die Menschen in Ost und West fünf Jahrzehnte völlig unterschiedlich geprägt worden. Beschämend sei die „viel zu kleine Rolle“ welche die Geschichte der DDR in den Lehrplänen einnehme, sagt Klier. Speziell in den ostdeutschen Bundesländern komme sie als Referentin nur ganz vereinzelt in die Schulen hinein.

Für einen romantisierten Blick auf die DDR-Vergangenheit –Stichwort „Ostalgie“ – hat Klier keinerlei Verständnis. Solcherlei Verklärung betrieben nur Profiteure oder Machthaber von damals.

Zur Person: Freya Klier

› Freya Klier wurde am 4. Februar 1950 in Dresden geboren.

› Aufgrund der Inhaftierung ihres Vaters verbrachte sie ihr drittes Lebensjahr in einem Kinderheim.

› 1968 bestand sie ihr Abitur. Kurz darauf unternahm sie mit einer Freundin einen erfolglosen Fluchtversuch aus der DDR. Es folgte die Verurteilung zu 16 Monaten Gefängnis.

› 1970 bis 1975 absolvierte sie ein Schauspielstudium. Ab den 80er Jahren war sie in der DDR-Friedensbewegung aktiv.

› 1985 wurde ihr ein Berufsverbot auferlegt, 1988 erfolgte die Verhaftung durch die Stasi.

› In der Folge wurde sie mit ihrem damaligen Lebenspartner Stephan Krawczyk aus der DDR zwangsausgebürgert.

 

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