Nachschau - Veranstaltungen am 16./17.05.2018

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

„Aus der DDR abgeschoben - Umgang mit Dissidenten"

Die Lebensgeschichte der Bürgerrechtlerin Freya Klier

 
Referent:

Freya Klier

Publizistin und Regisseurin
Foto: © Nadja Klier
 

am Mittwoch, 16. Mai 2018, 19:00 Uhr
im EWE - Kundencenter Bremervörde
Marktstr. 20 - rückwärtiger Eingang

 

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Weitere Veranstaltung mit Frau Klier:

 

Schülerveranstaltung

 

am Donnerstag, 17. Mai 2018
im Gymnasiun Bremervörde
Tetjus-Tügel-Straße 9, 27432 Bremervörde

 

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vom 20.05.2018

„Es gab keine Rechte mehr“

Bürgerrechtlerin Freya Klier referierte auf Einladung der GSP

Von Ulrich Evers
Entgegen der immer öfter aufflammenden beschönigenden und verklärenden Ostalgie rechnete Freya Klier gnadenlos mit dem Unrechtsstaat und der Diktatur DDR ab. – Foto: ue

Im nächsten Jahr jährt sich der Fall der Mauer zum 30. Mal. Eine Generation ist inzwischen nachgewachsen, die ein geteiltes Deutschland nurmehr aus Geschichtsbüchern kennt.

Schon seit vielen Jahren klärt die Bürgerrechtlerin in Gesprächen und Vorträgen vor allem die junge Generation darüber auf, wie es war, in einer Diktatur groß werden zu müssen. Sie geht offensiv in die Schulen und berichtet aus ihrer eigenen Kindheit und Jugend jenseits des Eisernen Vorhangs. Dabei ist sie mit Kritik am aktuellen Schulsystem nicht zimperlich: „Geschichte kommt in den Schulen kaum noch vor". Es sei wichtig, den jungen Menschen zu vermitteln, wie es war, wenn man nicht selber über sich bestimmen konnte. „Das müsste flächendeckend geschehen."

Weil ihr Vater einen DDR-Polizisten anrempelte, der ihre Mutter aus der Straßenbahn warf, kam er für ein Jahr ins Gefängnis. Freya Klier und ihr Bruder wurden in ein Kinderheim gesteckt, wo sie regelrechter Gehirnwäsche unterzogen wurden. „Wir wurden immer wieder gefragt, was wir Kinder tun wollten, um wieder gut zu machen, was unsere Eltern als Feinde des Friedens verbrochen hatten", so Freya Klier. Die Erzieherinnen in dem Kinderheim waren ehemalige Angehörige des Bundes Deutscher Mädel aus der Nazizeit, die man „nur einfach umgepolt habe." Gleiches sei in der Polizei der DDR der Fall gewesen. Sie stammte in den Anfangsjahren nach Worten Freya Kliers aus der ehemaligen Nazi-Polizei, trug sogar annähernd deren Uniformen weiter. Wie im Westen auch retteten sich in der jungen DDR viele Nazi-Funktionäre in neue Ämter.

„Vor der scharfen DDR-Umerziehung haben sich die Menschen gewehrt. Sie wollten nach dem Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg keine neue Diktatur." Rund 2,5 Millionen Menschen flohen bis zum Mauerbau aus dem deutschen Osten. „Fast die ganze kritische Intelligenz hat damals die DDR verlassen und ist in den Westen verschwunden. Das hat heute noch Nachwirkungen", so Klier.

Und danach kam nichts mehr, denn: „Alles Individuelle durfte nicht mehr stattfinden. Uns wurde eingetrichtert, dass Individuen Egoisten sind. Und die sind alle im Westen."

Die gesamte Gesellschaft wurde in Kollektive gepresst, geleitet und kontrolliert in allen Bereichen von politisch zuverlässigen Genossen.

Schikanen, Kontrollen und herangezüchtetes Denunziantentum schufen ein Klima der Angst. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die DDR in den sechziger und siebziger Jahren die zweithöchste Selbstmordrate der Welt aufwies.

„Es gab keine Rechte mehr. Jura durfte ab 1965 nur noch studieren, wer aus einem sozialistischen Elternhaus kam. Wir hatten keine Anwälte." Die Verbitterung in den Ausführungen Freya Kliers ließ ihren ganzen Vortrag über keinen Zweifel daran, wie es in der DDR wirklich aussah - ein Umstand, den viele Menschen im Osten heute gerne vergessen oder verharmlosen.

„Dass mein Bruder Opfer der DDR wurde, war für mich der Grund, die Friedensbewegung mit zu gründen", gestand Freya Klier. Was folgte waren 1985 Berufsverbot und das Angebot der Ausreise aus der DDR, einem Staat, der nur wenige Jahre später endlich aufhören würde, zu existieren.

Der Vortrag Freya Kliers spiegelte ein aufrüttelndes Stück Zeitgeschichte wider, erzählt von einer Zeitzeugin, die nicht müde wird, gegen das Vergessen und Verdrängen zu arbeiten.

Als nächsten Referenten erwartet die GSP am 12. Juni, 19 Uhr, im EWE-Kundencenter, Marktstraße 20, Brigadegeneral a. D. Rainer Meyer zum Felde. Er referiert zum Thema „Hat die NATO eine Antwort auf die grundlegend gewandelte Sicherheitslage in Europa?". Der Eintritt ist frei.

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