Nachschau - Veranstaltung am 27.02.2018

 
 
 
 

Tagesseminar

zum Thema

Still Partners in Leadership?

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der transatlantischen Beziehungen

 
Referent:

Dr. Udo Metzinger

Politikwissenschaftler
Frankfurt am Main und Leipzig
Foto: GSP
 

am Dienstag, 27. Februar 2018, 09.00 - 17.00 Uhr

im OSTEL Jugendhotel
Feldstraße 9, 27432 Bremervörde

 

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Schülerveranstaltung

am Mittwoch, 28. Februar 2018

im Gymnasium Bremervörde
Tetjus-Tügel-Straße 9, 27432 Bremervörde

 

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vom 23.03.2018

Still Partners in Leadership?

Transatlantische Beziehungen auf Prüfstand: Experte spricht vor BBS-Schülern und Seminarteilnehmern

BREMERVÖRDE. Der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), Sektion Elbe-Weser, ist es kürzlich zum wiederholten Mal gelungen, einen renommierten Politikwissenschaftler zum Thema „Transatlantische Beziehungen“ zu gewinnen. Und das gleich für zwei Veranstaltungen: Zunächst für ein Seminar im Ostel, es folgte ein Vortrag vor rund 50 Oberstufenschülern der BBS Bremervörde.

In beiden Veranstaltungen lautete der Titel „Still Partners in Leadership? Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der transatlantischen Beziehungen“. Wobei am Seminartag im gastfreundlichen Jugendhotel Ostel auf die aktuelle Problematik eingegangen wurde. Dabei erhielten die Teilnehmer einen ebenso aufschlussreichen wie kurzweiligen Einblick in ein bis vor kurzem unerschütterlich erscheinendes politisches Bündnis. Die Teilnehmer nahmen dabei gern die Einladung des Referenten an, spontane Fragen zu stellen und eigene Stellungnahmen zu äußern – und trafen auf einen schlagfertigen Experten.

„Et hätt noch immer jot jejange“, zitierte der gebürtige Rheinländer aus dem „Kölsche Grundgesetz“, und ein wenig Zuspruch schien gar nicht fehl am Platze zu sein angesichts einer 70 Jahre alten Weltordnung, die Deutschland Frieden und Wohlstand ermöglicht habe, nun aber an einem Wendepunkt zu stehen scheine.

Um dies besser zu verstehen, stellte Dr. Metzinger zusammen mit den Teilnehmern einige grundlegende staatsphilosophische Überlegungen an, die er im Anschluss weiterentwickelte, um das Zustandekommen und den Sinn internationaler Allianzen zu erklären. Sicherheit, Wohlfahrt, Recht und Ordnung seien die drei Hauptaufgaben des Staates. Sie beeinflussten maßgeblich das Wahlverhalten der Bevölkerung, die aber seit geraumer Zeit diese Aspekte als bedroht zu empfinden scheine.

Unsere Welt, so Metzinger, könne betrachtet werden als ein internationales System, bestehend aus souveränen Staaten, dezentral organisiert mit dem Ziel, die Erhaltung der Stabilität zu gewährleisten. Das Gegenteil, nämlich das totale Chaos und die totale Zerstörung, habe Deutschland im Dreißigjährigen Krieg erlebt, an dessen Ende es nur Verlierer gab. Immerhin sei im darauf folgenden Westfälischen Frieden erstmals das Prinzip der staatlichen Souveränität allgemein anerkannt worden, das die Voraussetzung für eine Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen über sämtliche Grenzen hinweg darstelle. Aber bis dahin sei es ein langer Weg mit vielen Rückschlägen und den erschütternden Erfahrungen beider Weltkriege gewesen.

Treibende Kraft auf der Reise zu einer liberalen Weltordnung seien die USA gewesen, die keineswegs aus reiner Selbstlosigkeit einen enormen Aufwand, man denke nur an den Marshall-Plan, betrieben hätten. Vielmehr sei dieser Aufwand der Erkenntnis gefolgt, dass mitunter nicht militärische Potenz zum Ziel führe, sondern die Anwendung von so genannter Cooptive Power. „Amerika-Häuser, Coca- Cola und Blue-Jeans waren die spürbaren Anreize, dem amerikanischen Modell zu folgen“, erläuterte Dr. Metzinger diesen Terminus anschaulich. Mit dem sich abzeichnenden Kollaps des Ostblocks hätten die USA schon 1989 von ihren europäischen Verbündeten, allen voran von Deutschland, die Übernahme von mehr Verantwortung verlangt und das „partners in leadership“ genannt.

Bereits zwei Jahre zuvor habe jener Mann in einer landesweiten Zeitungsveröffentlichung seine Sicht der Welt offenbart, der uns heute so viel Kopfzerbrechen bereite: Donald J. Trump. Für den Immobilien-Spekulanten sei die Welt ein Nullsummenspiel. Das, was der eine erlange, bleibe dem anderen vorenthalten, und Trump glaube, der einzige zu sein, der dafür sorgen kann, dass Amerika in dieser Welt nicht zu kurz kommt. Das, erklärte Dr. Metzinger, stelle eine völlige Abkehr von bisherigen Prinzipien dar. „Von win-win, Synergie- Effekten und gegenseitigem Nutzen ist nicht mehr die Rede. Dagegen von abstrusen Vorstellungen, die bei Trumps Amtsvorgängern nur Kopfschütteln hervorrufen.“

Der Referent lieferte auch einen Erklärungsansatz, wie es dazu kommen konnte: Ein Rechtsruck bei den Republikanern zu Beginn der 1990er Jahre, die Beschwörung von Untergangsszenarien, Angst vor der Zukunft einer Gesellschaft, die zunehmend das Vertrauen in den „American Way of Life“ verliere, und die Medien als unfreiwillige Wahlhelfer wurden dabei als Schlagworte aufgezählt.

Metzingers Prognose: Sollte die Trendwende im amerikanischen Selbstverständnis der eigenen Rolle in der Welt anhalten, werde das einerseits zu einer Isolierung des Landes führen, andererseits Europa zu einem Zeitpunkt treffen, in dem es selbst um seinen Fortbestand kämpft. „In einer multipolaren Welt würden bestimmte Länder, wie zum Beispiel Russland, China und momentan leider auch die USA, Europa gern geschwächt sehen.“

Das habe auch Senator John McCain Ende vergangenen Jahres mit seiner Absage an Nationalismus und an dem Suchen nach Sündenböcken statt nach Lösungen angemahnt, in der er anmahnte, „wir leben in einem Land, das auf Idealen aufbaut, nicht auf Blut und Boden“.

Die Zukunft, erklärte Dr. Metzinger, müsse nicht darin bestehen, mit gleicher Münze heimzuzahlen, sondern darin, aufzuklären und Europa als Akteur zu stärken. Er berief sich dabei auf Ex-Außenminister Sigmar Gabriel: „Wenn wir nicht gestalten, werden wir gestaltet.“ - (bz)

 
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