Nachschau - Veranstaltung am 23.02.2018

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Die Aufgaben des Verifikationszentrums der Bundeswehr

 
Referent:

Oberst i.G. Christoph Gambka

Abteilungsleiter im Verifikationszentrum
 

am Freitag, 23. Februar 2018, 17.30 Uhr
im Casino Selfkant-Kaserne
Geilenkirchen-Niederheid

 

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vom 26.02.2018

Halbierte Personalstärke, verdoppelte Aufgaben

Oberst Christoph Gambka erklärt bei der Gesellschaft für Sicherheitspolitik die Aufgaben des Zentrums für Verifikationsaufgaben

Von Markus Bienwald

Geilenkirchen. Ein Gast bei der jüngsten Vortragsveranstaltung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), Sektion Aachen/ Heinsberg, hatte am Freitagabend das große Los gezogen. „Warum gibt es das Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr ausgerechnet in Geilenkirchen?", fragte er. Referent Oberst i.G. Christoph Gambka durfte die Beantwortung dieser Anmerkung gerne an den ehemaligen Kommandeur, Brigadegeneral a.D. Hans Hübner, weiterreichen, der unter den gut 50 Anwesenden im Barbara-Casino der Selfkantkaserne war.

Eine politische Entscheidung

General Hübner war schon vor der Gründung des ZVBw, dessen Aufgaben und Leistungen an diesem interessanten Abend im Blickpunkt standen, mit der Aufgabe befasst, eine solche Einrichtung zu entwickeln. Vor dem Hintergrund des Auseinanderbrechens des Warschauer Pakts, dem Ende der Sowjetunion und damit der Entwicklung von Streitkräften in neu gewachsenen oder entstehenden Einzelstaaten, sei die Überwachung im Sinne gegenseitigen Vertrauens wichtig gewesen. „Und der Standort Geilenkirchen war einfach eine politische Entscheidung", so General Hübner. Eigentlich sei das in der Bundeswehr einzigartige und inzwischen zweitgrößte Zentrum für Verifikationsaufgaben weltweit in der Nähe von Bonn als damaligem Regierungssitz geplant gewesen. Dass der politische Wille anderes hervorbracht hat, brachte aber nicht nur neues Leben und Zukunftsfähigkeit für den ehemaligen Standort des Flugabwehrgeschwaders 2 in Niederheid. Er brachte auch eine in Deutschland einzigartige und weltweit tätige Organisationseinheit der Bundeswehr nach Geilenkirchen.

1991 gegründet, gab es einst mehr als 400 Mitarbeiter, derzeit sind es 170 militärische und zivile Vertreter, die hier dem Geschäft der Sicherheit durch gegenseitige Kontrolle nachgehen. „Dabei wurde in den letzten Jahren das Personal halbiert, während sich die Aufgaben verdoppelt haben", beschrieb Oberst Gambka die Rahmenbedingungen, unter denen das ZVBw seiner Tätigkeit nachgeht. Internationale Verträge zu implementieren, das heißt, Grundlagen zu schaffen, um sie anwenden zu können und auch aktiv anzuwenden, ist nach wie vor eine Hauptaufgabe der Einrichtung.

Unter den mehr als 20 internationalen Verträgen, die hier tagtäglich umgesetzt werden, stechen vor allem der Vertrag zur Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, das Wiener Dokument, die Abkommen über Kleinwaffen und der sogenannte „Offene Himmel" heraus.

Letzterer kann zwar in Ermange- lung eines eigenen Flugzeugs - 1997 verlor das ZVBw die eigene Maschine bei einem tragischen Unfall - nur per entsprechend ausgerüsteter Mietflugzeuge abgewickelt werden. Dennoch bietet dieses Abkommen, das jedem Unterzeichner die Chance bietet, sich im Luftraum der Vertragspartner frei zu bewegen und am Boden militärische Objekte und Manöver zu dokumentieren, einen Punkt, der bei der Arbeit des ZVBw immer wichtig ist: Transparenz zu zeigen, kurzfristig angemeldete Überprüfungen zuzulassen und so Offenheit gegenüber den Partnern zu demonstrieren.

Die beispielsweise im Vertrag festgeschriebenen Obergrenzen von Wehrmaterial werden immer wieder überprüft, dokumentiert und abgeglichen, nicht nur von der deutschen Dienststelle in Geilenkirchen, sondern auch bei internationalen Gegenbesuchen. Das sorgt nicht nur dafür, dass seit der Gründung des ZVBw beispielsweise 60.000 schwere Waffen in Europa vernichtet wurden. Die Tätigkeit umfasst ausdrücklich auch den Bereich der Kleinwaffen. „Das sind die wahren Massenvernichtungswaffen", ist sich Oberst Gambka sicher.

Ideen international einbringen

Angesichts von zwei Millionen Opfern pro Jahr, die durch illegale oder legale Waffen verletzt oder getötet werden, sei hier Aufklärungsarbeit dringend nötig. Und auch in diesem Sinne ist das ZVBw ein weltweiter Player: Denn mit 22 Lehrgängen des ZVBw und mehr als 550 Teilnehmern von Militärs weltweit, ist die derzeit mit über 70 Nationen kooperierende Einrichtung ein wichtiger Akteur bei der gegenseitigen Vertrauensbildung. Und auch bei Verträgen, die derzeit noch nicht bearbeitet werden, ist das ZVBw konzeptionell beteiligt. So werden Seestreitkräfte oder moderne Waffensysteme wie Drohnen aktuell noch nicht überprüft. „Aber Deutschland hat Ideen, die international eingebracht werden", sagte der Referent dazu.

 
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