Nachschau - Veranstaltung am 02.02.2016

 
 

Vortragsabend

zum Thema

Uden – Entwicklungen im Spannungsfeld
internationaler Konflikte

Referent:

Ralf Margott

Mitglied der Sektion Lippstadt
ehemaliges Mitglied des Lippstädter Partnerschaftskomitees
 

am Dienstag, 02. Februar 2016, 19:30 Uhr bis ca. 21:30 Uhr
im Hotel Hubertushof
Holzstraße 8, 59556 Lippstadt-Bad Waldliesborn

 

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vom 10.02.2016

Partner ja, Stadt nein

Ralf Margott gibt im Heilbad spannenden Einblick in die Geschichte Udens

Geschäftsführer Dieter Brand (l.) und Sektionsleiter Dr. Olav Freund (r.) begrüßten Uden-Experte Ralf Margott. - Foto: Rinsche

LIPPSTADT. Biegt man am Ende der Hellinghäuser Straße (gen City) links ab, so befindet man sich auf der Udener Straße. Fährt man auf dieser wiederum bis zum Ende, entdeckt man außerdem ein Schild, das in Richtung Uden zeigt. Es ist kein Zufall, dass man diesen Namen mehrmals in der Stadt finden kann. So ist das niederländische Uden doch seit 1971 Partnerstadt Lippstadts. Doch was weiß man überhaupt über Uden?

Die Gesellschaft für Sicherheitspolitik plant im Mai eine Fahrt dorthin, um die Partnerstadt selber einmal kennenzulernen. Als Vorbereitung dazu hat die Gesellschaft jetzt Ralf Margott zu einem Vortrag über die Partnerstadt in den Hubertushof in Bad Waldliesborn eingeladen.

Margott beschäftigt sich seit Beginn der Partnerschaft schon mit Uden und konnte tiefe Einblicke in Infrastruktur und Geschichte der Stadt geben sowie einige Anekdoten erzählen. „Würde man den Udenern sagen, dass sie in unserer Partnerstadt leben, so würden sie uns ziemlich komisch angucken“, sagte Margott. Das habe nichts damit zu tun, dass sie nicht über die Partnerschaft Bescheid wissen, sondern nur an dem kleinen Wort „Stadt“.

Diese typisch niederländische Windmühle ist Teil Udens. - Foto: Margott

Margott erklärte, dass im Jahr 1848 der Stadtstatus unter der Herrschaft von Napoleon in den Niederlanden abgeschafft worden sei, um so jegliche Privilegien zu entziehen. Das habe Auswirkungen darauf gehabt, dass die Udener bis heute ihre Heimat nicht als Stadt bezeichnen. Doch was ist es dann?

Laut Margott sei in einer Befragung dazu in den neunziger Jahren vermehrt der Begriff „Dorf“ gefallen. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wäre diese Bezeichnung in unseren Vorstellung passend gewesen. Einst sei Uden nur ein kleines Dorf inmitten eines großen Moors, dem „Peelsumpf“ gewesen. Laut Margott sei es sogar einmal „das größte zusammenhängende Hochmoorgebiet Westeuropas“ gewesen, das aber durch Torfabbau und Landwirtschaft immer kleiner wurde.

Aus einer armen landwirtschaftlichen Gemeinde wurde eine wohlhabende Industriegemeinde. - Foto: Margott

Bedeutung erhielt Uden, als nach dem Frieden von Osnabrück 1648 die Niederlande entstanden. Als Teil des „Freien Landes Ravenstein“ gehörte Uden nicht dazu, bis es zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Napoleon in die Niederlande einverleibt wurde. In Ravenstein galt Religionsfreiheit, im Gegensatz zu den protestantischen Niederlanden. So suchten viele unterdrückte Katholiken, besonders Ordensgemeinschaften, Zuflucht in der sogenannten „Udener Herrlichkeit“. Für den Ort ein Segen, denn die Kirche kümmerte sich um die Menschen und wuchs heran zum größten Arbeitgeber. Bis heute werde dort die Ordensgemeinschaft der Kruisheren geschätzt, so Margott.

Sint Petruskerk in Uden. - Foto: Margott

Auch während des ersten Weltkrieges suchten tausende Menschen in Uden Zuflucht. Kriegsflüchtlinge aus Belgien wurden hier aufgenommen. Dafür wurde innerhalb weniger Monate eine kleine Stadt mit sämtlicher lebenswichtiger Infrastruktur hochgezogen, der „Vluchtoord“. „Hier soll die Fertigbauweise erfunden sein“, sagte Margott, „mit Plänen aus Uden und Material aus Dänemark“. Nach dem Krieg gingen die Flüchtlinge dann aber wieder nach Hause. Dieser Teil von Uden heiße aber noch heute „Vluchtoord“. Im zweiten Weltkrieg ließ die deutsche Luftwaffe bei Uden den Militärflugplatz Volkel bauen. „Nach dem Krieg wollten die Alliierten den Platz erst gar nicht an die Niederlande übergeben“, erklärte Margott. Doch durch einen Trick, man sagte, dass man hier ein Marine-Hauptquartier einrichten wolle, sei der Platz am Ende doch an die Niederländer gegangen.

Heute sei der Flugplatz eine wichtige Basis der Nato und ständig im Einsatz. Aktuell werde etwa in Richtung Syrien geflogen. Außerdem heiße es, dass dort für den Fall der Fälle Atomwaffen gelagert seien.

Doch auch in anderer Hinsicht entwickelte sich Uden nach dem zweiten Weltkrieg weiter. Einige Jahre lang wurden hier massenweise Kirschen angebaut und geerntet und „man lebte in einem Idyll“.

Zentrum von Uden. - Foto: Margott

Im Jahr 1951 erklärte Den Haag das Dorf dann zu einer Kreisgemeinde. Das bedeutete, dass Uden von nun an Geld für den Aufbau einer Industrie erhielt. Um dies möglichst erfolgreich umzusetzen, setzte der damalige Bürgermeister auch wieder einen „Trick“ ein: Er ließ Hallen bauen, die leer waren. Das lockte nach und nach große Unternehmen, wie Philips, EMI oder Campina an. Auch Kirschen wurden nicht weiter angebaut, sondern von jetzt an gab es Gewächshäuser, in denen Tomaten, Pilze und Erdbeeren wuchsen.

u einem Industriestandort entwickelte, desto mehr Veränderungen mussten her. Das bedeutete, dass ein späterer Bürgermeister bald alles wieder abreißen und neu und besser wieder aufbauen ließ. Eine Philosophie, die sich Margotts Beobachtungen zu Folge, bis heute gehalten hat: „In Uden ist man sehr flott mit Abreißen und wieder Aufbauen“.

Heute findet man nur noch wenige Häuser, die an das alte Uden erinnern. Das heutige Stadtbild sei viel eher geprägt von moderner Architektur, die „an jeder Ecke anders als früher ist“ und alle paar Meter einem Kreisverkehr. Oft finde man außerdem Strukturen, die an die Werke des Malers Piet Mondrian erinnern, der auch in Uden gelebt und gearbeitet hat. Zusätzlich sei es nun leichter den Ort zu erreichen, seit 2003 dort die Autobahn A50 eröffnet wurde.

Kurz nach der Eröffnung, wie Margott feststellte, machte der sonst unbekannte Ort Schlagzeilen. 2004 war hier, kurz nach der Ermordung des Regisseurs Theo Van Gogh, die Moslemschule Bedir abgebrannt und die Udener wurden als Rassisten bezeichnet. Für die Zukunft stellte Margott ein Konzept vor, das die Stadt eventuell zu seiner Vergangenheit zurückbringen wird. Ab 2018 soll Uden in einen Städteverbund „Maashorst“ integriert werden, der Ausmaße haben würde, wie das ehemalige „freie Land Ravenstein“. - mr

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