Nachschau - Veranstaltung am 12.05.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Warum radikalisieren sich Menschen?

Referent:

Nils Böckler

Soziologe, Uni Bielefeld
 

am Dienstag, 12. Mai 2015, 19:00 Uhr bis ca. 20:30 Uhr

im Hotel Hubertushof
Holzstraße 8, 59556 Lp-Bad Waldliesborn

 
Foto: Uni Bielefeld
 

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vom 07.06.2015

Per Videobotschaft zum fertigen Sprengstoff

Dieter Brand (l.) und Dr. Olav Freund (r.) freuten sich über den Vortrag, den Soziologe Nils Böckler für de GSP gehalten hat. - Foto: GSP

Lippstadt. Im Zuge der Themenreihe „Terrorismus“ war Nils Böckler, Soziologe der Universität Bielefeld, zu dem Thema „Warum radikalisieren sich Menschen?“ kürzlich bei der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) zu Gast. Böckler gilt als ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Terrorismusforschung und befasst sich insbesondere mit der Frage von Radikalisierungsprozessen.

In seinem Vortrag führte er aus, dass Radikalisierungsprozesse primär im Jugend- und Junge-Erwachsenen-Alter stattfänden. Die Suche nach Perspektiven, Sinn und Lebensorientierung bildeten den Nährboden. Besonders betroffen seien Menschen zwischen 14 und 35 Jahren. Dabei suggerierten die Ideologien, denen sich die Betroffenen öffnen, einfache Antworten auf komplexe Probleme. Es werde zudem eine klare Freund- und Feind-Abgrenzung vorgenommen und eine moralische Überlegenheit vermittelt.

In Triggerphase auf Betroffene einwirken

Dabei habe eine Studie, an der auch der Referent beteiligt war, gezeigt, dass besonders bei religiös geprägten Ideologien das Detailwissen über den Glauben radikalisierter Menschen oft fragmentarisch sei.

Beim Prozess der Radikalisierung, beschrieb Böckler, gebe es zunächst eine Triggerphase. Eine Lebenskrise mache die Betroffenen überhaupt erst ansprechbar für radikale Ideologien. Es folge eine Phase der Öffnung, gefolgt von einer Phase der Konfrontation mit der Ideologie im Kontext des eigenen Lebens. Daran schließe sich ein Transformationsprozess an, in dem die Betroffenen unter anderem eine Sozialisation in der Ideologie durchleben.

Gerade in den ersten Phasen der Radikalisierung spiele die Rekrutierung durch die Träger der Ideologien eine besondere Rolle. Dabei sei das Internet zentrales Medium. Hier würden in Videobotschaften vermeintlich erfolgreiche Lebenswege aufgezeigt und auch Anleitungen zur Herstellung von Sprengkörpern geboten. Böckler stellte Präventionsprojekte vor, mit denen insbesondere in der Triggerphase auf potenziell Betroffene eingewirkt werden soll. Aber auch Aussteigerprogramme spielten eine wichtige Rolle.

Im Anschluss an den Vortrag erfolgte eine von Sektionsleiter Dr. Olav Freund moderierte Diskussion. Sie machte deutlich, wie komplex die Ursachen für die Radikalisierung von Menschen sind. Bezüglich der Lösungsansätze waren sich viele Anwesende einig, sei es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Radikalisierungsprozessen entgegenzuwirken und potenziell Betroffene möglichst frühzeitig zu erkennen.

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