Nachschau - Veranstaltung am 27.09.2016

 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Migrationssteuerung –
Grundlagen, Entwicklung und Möglichkeiten

Referent:

Dr. Orkan Kösemen

Project Manager, Bertelsmann Stiftung
 

am Dienstag, 27. September 2016, 19:30 Uhr
im Hotel Hubertushof
Holzstraße 8, 59556 Lp-Bad Waldliesborn

 
Foto: Bertelsmann Stiftung
 

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Bericht der Sektion Lippstadt

„Deutschland braucht ein Einwanderungsgesetz“

GSP-Vortrag thematisiert Möglichkeiten der Migrationssteuerung

Von Dieter Brand

Bei der Vortragsveranstaltung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik-Sektion Lippstadt im Hotel Hubertushof in Bad Waldliesborn referierte Dr. Orkan Kösemen von der Bertelsmann-Stiftung zu dem Thema: „Migrationssteuerung, Grundlagen, Entwicklung und Möglichkeiten“.

Das Phänomen Migration wurde vom Referenten mit einem Fluss verglichen, denn Migration ist nicht die Ausnahme sondern Normalität, also immer im Fluss. Wobei der Anteil von Migranten weltweit seit vielen Jahren konstant ist. (rund 3% der Weltbevölkerung) Es sind nicht die ärmeren Schichten sondern die globale Migration wird zu einem großen Teil durch die aufstiegsorientierte Mittelschicht aus Schwellenländern getragen. Wie schwierig die Migrationsteuerung ist, wurde den knapp 50 Zuhörern am Beispiel des „Magischen Vierecks“ erklärt: Alter, Qualifikation, (humankapitalorientiert) Arbeitsmarktkompatiblität, Regionale Verteilung (arbeitsmarktorientiert) sind eigentlich nie unter einen „Hut“ zu bringen. Dazu kommt, dass in Deutschland 7 Bundesministerien und nachgeordnete Bundesbehörden für die Migrationssteuerung zuständig sind. Die Deutsche Migrationsgeschichte unterlegte Dr. Kösemen mit einigen Zahlen. 1945 -1950 12 Mio. Vertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten, 1955-1973 14 Mio. „Gastarbeiter“ aus den Anwerbestaaten (11 Mio. Rückkehrer), 1953 -2015 4,6 Mio. Flüchtlinge aus dem Ostblock, Südosteuropa, naher Osten, 1950-2005 1,5 Mio. (Spät-)Aussiedler, 2004-2015 5 Mio. EU-Binnenmobilität.

Die Flüchtlingssituation, (2015-2016 1,5 Mio. Flüchtlinge aus Syrien, Irak, Afghanistan) ist ein Sonderfall. Sie ist Ausdruck der Überforderung des europäischen Asylsystems und kein Resultat der nationalen Migrationssteuerung.

Zusammenfassend zog der Referent folgendes Fazit:
Die Nettoeinwanderung des letzten Jahrzehnts stammte größtenteils aus der EU. Die Erwerbsmigration von Drittstaatlern nach Deutschland wurde im selben Zeitraum ebenfalls erleichtert, hatte aber im Vergleich nur einen geringen Effekt.

Deutschland kann nur einen Teil der Erwerbsmigration steuern, indem Anreize bzw. Hürden gesetzt werden.

Ein komplettes System der Einwanderungssteuerung wie z.B. in Kanada ist aufgrund von Geographie und europäischer Integration nicht möglich, obwohl sich die Systeme in beiden Ländern in Teilen angeglichen haben. Trotz eingeschränkter Steuerung ist die deutsche Einwanderungsbilanz vorteilhaft.

Bei der abschließenden Diskussion unter der Leitung des Sektionsleiter Dr. Olav Freund wurden letzte offene Fragen erläutert und geklärt. Am Ende waren sich alle einig: Deutschland braucht ein Einwanderungsgesetz.

 
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