Nachschau - Veranstaltung am 05.11.2016

 
 
 

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vom 16.11.2016

Sicherheitsschnipsel

Stellungnahmen, Einsichten und Zitate von der "Schaumburger Plattform"

Von HERBERT BUSCH

BÜCKEBURG. Die von der Mindener Sektion der Gesellschaft für Sicherheitspolitik im Hubschrauber- Museum veranstaltete „Schaumburger Plattform" hat ihren Besuchern nicht nur eine bemerkenswerte Informations- und Faktenfülle, sondern mitunter auch private Stellungnahmen, Einsichten und Zitate vermittelt. Kräftigen Applaus erhielt beispielsweise Prof. Dr. Johannes Varwick (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) für sein Zitat „Die Einigung Europas gleicht dem Versuch, ein Omelett zu backen, ohne die Eier zu zerschlagen".

Der bereits im 19. Jahrhundert vom Schriftsteller und Journalisten Paul Lacroix (1806 bis 1884) formulierte Ausspruch trug dazu bei, die bisweilen recht trockene Wissensvermittlung ein wenig aufzulockern. Was auch Doris Schröder-Köpf (Beauftragte der niedersächsischen Landesregierung für Migration und Teilhabe) gelang, als sie den früheren Außenpolitiker Egon Bahr zitierte: „Man muss die Welt so nehmen, wie sie ist, aber man muss sie nicht so lassen."

Schröder-Köpf, die sich als „aus Bayern Zugewanderte" beschrieb, verblüffte das Publikum zudem mit Schilderungen über die aus Anlass des 70-jährigen Bestehens Niedersachsens ausgerichtete Feier. Bei dieser habe es sich um „eine grottentrockene Art Seminar" gehandelt. Das sei keine Party gewesen, sondern ein mehrstündiger Vortragsmar a - thon. „ Wie Niedersachsen das halt so machen", meinte die Sozialdemokratin. „Es war spaßfrei, aber mit viel Erkenntnisgewinn verbunden."

Dr. rer. pol. Dieter Budde (ehemaliger Kommandeur der Bückeburger Heeresfliegerwaffenschule) informierte die Zuhörer über die Existenz einer speziellen Internetadresse (www.vesselfinder.com), die das Auffinden von Schiffen in internationalen Gewässern ermöglicht und unter anderem von Schleusern benutzt wird. Diese statten ihre Seelenverkäufer bewusst mit wenig Benzin und Proviant aus, weil sie um die Hilfsverpflichtungen auf hoher See wissen.

Dr. Christina Krause (Konrad- Adenauer-Stiftung, Berlin) schlüsselte die Zahl der weltweit zu verzeichnenden Flüchtlinge auf besondere Art und Weise auf. „2015 mussten im Durchschnitt 24 Personen pro Minute ihr Zuhause verlassen", führte die frühere Leiterin des Stiftungsbüros in Bosnien-Herzegowina aus - „macht 34 000 Menschen pro Tag."

Dr. Silvia Horsch-Al Saad (Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück) konfrontierte das Auditorium mit Teilen ihres persönlichen Werdegangs. Ihre österreichische Herkunft sei zu vernachlässigen, weil sie das Land schon im Alter von einem Jahr verlassen habe. Ihre Eltern seien russlanddeutsche Semiten, die von Russland nach Pa - raguay ausgewandert sind.

„Ich bin zunächst in Paraguay in einer deutsche Kolonie und dann in Rheinland-Pfalz aufgewachsen und hatte im Anschluss an meine Rückkehr als Herkunftsdeutsche in der Bundesrepublik verständlicherweise Probleme mit der Integration", erläuterte die „studierte" Germanistin. „Ich plädiere dafür, sich immer die individuellen Geschichten der Menschen anzuschauen."

Die individuelle Geschichte von Muhannad Olabi reicht bis ins syrische Aleppo zurück. Der junge Architekt berichtete in beinahe fließendem Deutsch über seine Flucht und seine Gemütszustände. Ihn bedrückten vor allen Dingen die Schwierigkeiten, ein festes Arbeitsverhältnis zu finden. Darüber hinaus merkte der Gast kritisch an, dass hierzulande zumeist nur von „Flüchtlingskrise" und nicht von „Flüchtlingen" die Rede sei. Olabi: „Nach und nach fühle ich mich nicht mehr so wohl."

Undine Rosenwald-Metz (Gleichstellungsbeauftrag te des Landkreises Schaumburg) griff die Problematik sexueller Gewalt gegen Frauen auf und richtete dabei das Augenmerk auf das Schaumburger Frauenhaus sowie auf die Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt, BISS. Im Vorfeld der Eröffnung des Frauenhauses sei Gewalt gegen Frauen von vielen Männern geleugnet worden. „Jetzt gibt es das Haus seit fast 30 Jahren und es war keinen Tag unbelegt", unterstrich die Direktorin der Landkreis-VHS. Rund 200 Schaumburger Ehemänner misshandelten ihre Schaumburger Ehefrauen pro Jahr. Rosenwald-Metz: „Und die Statistik wächst und wächst."

 
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