Nachschau - Veranstaltung am 19.04.2018

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Gefahren aus dem Weltraum -
Sind wir wirklich betroffen?

 
Referent:

Dr. Vitali Braun

Space Debris Office, ESA
 

am Donnerstag, 19. April 2018, 19.00 Uhr
im Hubschraubermuseum Bückeburg
Sabléplatz 6, Bückeburg

 

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vom 24.04.2018

„Detonationsenergie einer Handgranate“

ESA-Experte informiert über Gefahren durch Weltraumschrott

Von Michael Werk
Bei seinem Vortrag zeigte Dr. Vitali Braun einen Aluminiumblock, in den (in einem Versuch) eine ein Zentimeter große Aluminiumkugel eingeschlagen ist, die auf „sieben Kilometer pro Sekunde“ beschleunigt worden war. Foto: wk

BÜCKEBURG. Nichts im Leben ist ohne Risiko: Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Flugzeugabsturz zu sterben, liegt, statistisch betrachtet, bei 1 zu 10.000.000. Das Risiko, in einem Jahr vom Blitz getroffen zu werden, beträgt dagegen 1 zu 2.000.000, das, durch einen Motorrad-Unfall ums Leben zu kommen, 1 zu 30.000 und das Risiko, bei einer Kaiserschnitt-Operation zu sterben, ist 1 zu 6.000. Der Versuch, den höchsten Berg der Welt, den Mount Everest, zu besteigen, bezahlt indes einer von 30 Bergsteigern mit dem Leben.

Warum diese Zahlen interessant sind? Um einen Vergleichsmaßstab hinsichtlich jenes Risikos zu haben, das für den Maschinenbauingenieur Dr. Vitali Braun beruflich von besonderer Bedeutung ist. Als Experte für Luft- und Raumfahrttechnik ist der beim „Space Debris Office“ (Darmstadt) der europäischen Weltraumorganisation ESA beschäftigte ehemalige Mindener nämlich für die „Erfassung der Weltraumlage“ zuständig. Dabei geht es insbesondere um den mit extrem hoher Geschwindigkeit im Orbit herumfliegenden Weltraumschrott, der inzwischen zu einem großen Problem für die Raumfahrt geworden ist.

Alles, was dort an Weltraumschrott um die Erde kreist und größer als zehn Zentimeter ist, kann man – mit entsprechenden Gerätschaften – von der Erde aus „sehen“ und die Flugbahnen der Objekte „nachvollziehen“, erklärte Braun anlässlich eines Vortrages, zu dem die Sektion Minden der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) in das Hubschraubermuseum Bückeburg eingeladen hatte. Kreuzt sich die Bahn eines solchen Schrotteiles (bekannt sind rund 20.000 Objekte) mit der eines Satelliten, könne man den jeweiligen Satelliten bei Bedarf so programmieren, dass dieser dem Schrottteil ausweicht, um eine Kollision zu vermeiden; ebenfalls ausweichen können die bemannten Raumstationen. Eingeleitet werde so ein Manöver, wenn das ermittelte Risiko für einen Zusammenstoß 1 zu 10.000 oder höher ist.

Kleinerer Weltraumschrott bis zu einer Größe von einem Zentimeter kann laut Braun indes durch an den Satelliten oder Raumstationen angebrachte Schutzschilde abgewehrt werden. Entweder indem die Panzerung so stark ist, dass diese nicht durchschlagen wird, oder dadurch, dass diese mehrschichtig, mit einem Hohlraum zwischen zwei speziellen Metallplatten, aufgebaut ist.

Dabei fungiert die äußere Metallplatte als „Opferplatte“, die beim Aufprall eines Schrottteilchens möglicherweise noch durchschlagen wird. Dabei werde das Schrottteilchen aber in viele kleinere Teile zerlegt, die dann mit geringerer Energie und auf eine größere Fläche verteilt auf die zweite Metallplatte auftreffen, wo sie keinen nennenswerten Schaden mehr anrichten.

Das größte Problem für die Raumfahrt stellen somit jene Objekte dar, die zwischen einem und zehn Zentimeter messen. Denn diese können auch die Schutzschilde durchschlagen, sind aber von der Erde aus mit den derzeit vorhandenen Möglichkeiten eben nicht zu „sehen“.

Dazu erklärte Braun, dass eine nur einen Zentimeter große Aluminiumkugel, die mit einer Geschwindigkeit von „zehn Kilometern pro Sekunde“ um die Erde kreist, beim Aufprall auf einen Satelliten oder eine Raumstation die „Detonationsenergie einer Handgranate“ entfaltet.

Ergänzend wies der Referent darauf hin, dass staubpartikelartiger Weltraumschrott allerdings ebenfalls zu Schäden führen kann, da dieser die Solarpanels und die Linsen der Teleskope schleift, was mit der Zeit deren Funktion beeinträchtigt.

Und schließlich berichtete er noch dies: Pro Jahr kommen circa einhundert Tonnen an Weltraumschrott aus dem Orbit auf die Erde herunter. Dazu zählen auch kontrolliert zum Absturz gebrachte, ausrangierte Satelliten und Raumstationen, die jeweils an einer bestimmten (als „Friedhof“ dienenden) vom Festland weit entfernten, tiefen Stelle im Meer versenkt werden.

 
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