Nachschau - Veranstaltung am 19.03.2015

 

Gemeinde Buseck
Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V.
Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V.
Offizier-Verein Frankfurt am Main 1867 e.V.

 

25. Busecker Forum
für Sicherheitspolitik

mit dem Thema

Die Türkei zwischen Orient und Okzident –
Partner und Frontstaat

Referent:

Oberst a.D. Heinrich Quaden

ehem. Leiter des Militärattacheestabes
an der Deutschen Botschaft in Ankara
Chef des Stabes einer Internationale Brigade in Sarajevo
Dozent für internationale Sicherheitspolitik
an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg
 

am Donnerstag, 19. März 2015, 19.30 Uhr
im Kulturzentrum Buseck
Am Schlosspark, 35418 Buseck

 

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Eigenbericht der Sektion Frankfurt/M. - Gießen

25. Busecker Forum für Sicherheitspolitik

Ehemaliger Militärattaché zur Türkei: „Türkei als EU-Mitglied?“

Von Walter-Hubert Schmidt
Oberst a.D. Heinrich Quaden – ehemaliger Militärattaché in der Türkei Gastredner beim 25. Busecker Forum für Sicherheitspolitik - Foto: W. - H. Schmidt

Buseck (wh). Ein stolzes Jubiläum. Zum 25. Busecker Forum hatte die Gesellschaft für Sicherheitspolitik eingeladen. Bürgermeister Erhard Reinl begrüßte die Gäste und meinte: „Sicherheitspolitik als vorwiegend militärische Angelegenheit zu sehen, ist in einer globalisierten Welt nicht mehr zielführend. Äußere und innere Sicherheit sind schon lange nicht mehr zu trennen“. In Buseck versuche man Experten und Öffentlichkeit zusammen zu bringen.

Der Vorsitzende des Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) Gießen, Oberstleutnant d.R. Hans-P. Hess, konnte zahlreiche Gäste begrüßen. Hess erinnerte daran, die GSP die älteste Organisation, die sich mit Sicherheitspolitik beschäftige und die Gründer der Münchner Sicherheitskonferenz sei. Hess: „Das bedeutet nicht, dass wir das seit 25 Jahren schon machen. Es gab Jahre, in denen wir mehrere Veranstaltungen machten“. Seit 2002 habe das Busecker Forum für Sicherheitspolitik wichtige Themen behandelt wie der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, Krieg im Irak, Dschihad und Islamismus, die Krisenregion Vorderer Orient, China als kommende Supermacht, Iran bis hin zur Wirtschaftsspionage sowie Krieg im Nahen Osten. Interessante Themen, vorgetragen von interessanten Referenten. Beratern der Bundesregierung, Generälen, Verfassungsschützern, Professoren, Militärattachés, Journalisten und vielen anderen Experten.

Zum 25. Busecker Forum sprach Oberst a.D. Heinrich Quaden. Der ehemalige Militärattaché blickte auf die Geschichte der Türkei zurück. Seit Zeiten des Osmanischen Reiches sei die Geschichte der Türkei eng mit Europa verbunden. Im Oktober 2005 habe die EU Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aufgenommen. Ein lohnenswerter Blick auf dieses Land zu werfen, da die Beziehungen teilweise äußerst komplex und mitunter schwierig seien. Zu Aussagen stünden nahezu unvereinbar gegenüber. „Die Türkei ein kleinasiatischer, nicht europäischer Staat, dessen Aufnahme Europäische Union das großartige Projekt Europäische Union gefährden wird.“ Für die anderen sei es eine Chance, endlich einmal die Brücke zwischen dem Christentum und der muslimischen Welt zu finden, so Quaden.

Oberst a.D. Heinrich Quaden, Bürgermeister Erhard Reinl und Sektionsleiter Oberstleutnant d.R. Hans-P. Hess - Foto: W. - H. Schmidt

Der Oberst verwies darauf, dass es sehr starke Verbindungen zu Deutschland gab. Sultan II. holte Moltke als Militärberater in die Türkei. Seekt war zeitweise der Generalstabschef der türkischen Armee. Mustafa Kemal Atatürk, geboren in Thessaloniki und Staatsgründer der Türkei, habe die Gesellschaft mit der Brechstange aus dem Steinzeitniveau in die Moderne geführt. Er habe die Türkei europäisiert und im Jahre 1952 in die NATO geführt, so Quaden. Schon im Jahre 1949 wurde die Türkei Mitglied im Europarat. „Seit 1959 steht die Türkei vor den Toren Europas“, so Quaden. Es sei jedoch versäumt worden, das ganze Volk in jenen Reformprozess zu integrieren. Quaden sieht darin einen Grund für die Popularität des amtierenden Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Er sei ein „Mann des Volkes, aus kleinsten Verhältnissen entstammend“. „Eigentlich hat der Staatspräsident keinerlei politische Befugnisse“, so Quaden. Er regele alle Dinge in der Türkei. Offenbar bereite er die Präsidialdemokratie vor, allerdings folge seine Partei, die AKP, nicht mit aller Mehrheit.

Zu Zeiten des Warschauer Paktes habe die Türkei eine absolut zentrale Rolle für die NATO gespielt. Das sei seit Auflösung des Warschauer Paktes und Auflösung der Sowjetunion weg. In der Türkei mache sich eine große EU-Verdrossenheit breit. „Die Türkei, ein 29. Mitglied der Europäischen Union? – ein Thema von gestern“, so urteilte der ehemalige Militärattaché.

Derzeit habe die Türkei auch ganze andere Themen zu bewältigen. Sie sei ein Frontstaat, ein Partner in der NATO, auch an der Außengrenze des NATO-Territoriums. Quaden verwies darauf, dass der türkische Geheimdienst eher die ISIS unterstütze. Mit den Kämpfen jenseits der Grenze in Syrien und dem Irak habe die Türkei derzeit ganz andere Themen zu bewältigen.

Quaden beleuchtete auch das Verhältnis zu den Nachbarn. Die Beziehungen zu Israel seien schwierig. So unterstütze die Türkei die Palästinenser. Der Iran sei eher ein Konkurrent, Saudi-Arabien spiele keine große Rolle. Die Verbindung zum Irak sei historisch bedingt wegen der fruchtbaren Gebiete an Euphrat und Tigris. Zu Griechenland bestehe nachbarschaftliche Normalität, die Republik Zypern werde nicht anerkannt. Die Verbindung zu Aserbaidschan sei traditionell sehr eng, zu Georgien habe sie ein vernünftiges Verhältnis im Gegensatz zu Armenien. Die Türkei sei sprachlich verbunden mit Kasachstan. Daher investiere die Türkei in die Universitäten. Die Türkei wolle Mitglied im Shanghai Kooperationsrat (China, Russland, Weißrussland und einigen Turk-Republiken) werden. Auf dem Balkan sehe die Türkei einen Schwerpunkt und unterstütze den Bau von Moscheen.

Die Türkei orientiere sich immer weiter nach Osten, in Richtung Asien und den Ländern der Turkvölker – weg von der EU und der westlichen Anbindung. Mit dem „arabischen Frühling“ habe sich die Stellung der Türkei verändert. „Während das Land früher als gemäßigter, säkularer Staat eine Vermittlerrolle zwischen den arabischen Staaten und der EU innehatte“, so sei dies inzwischen obsolet. Aufgrund der dieser Veränderungen sei es notwendig, die Türkei in Zukunft sehr genau politisch und strategisch zu beobachten.

Die „Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V.“ wurde 1952 in München als „Gesellschaft für Wehrkunde“ gegründet. Anhaltende Krisen und dauerhafte Konflikte in der Welt zeigen deutlich den Bedarf an sicherheitspolitischer Informations- und Bildungsarbeit zur Aufklärung und Meinungsbildung in der Bevölkerung. Zusammenhänge und Hintergründe der Sicherheitsvorsorge zur Wahrung unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung sollen in den Veranstaltungen, wie Vorträgen, Seminaren und Bildungsreisen, aufgezeigt werden. Der Dreiklang Frieden – Freiheit – Sicherheit soll in der ältesten sicherheitspolitischen Bildungsinstitution der Bundesrepublik Deutschland weiterhin seinen Stellenwert in der Informationsarbeit für die Bürger behalten. Im April 2014 änderte die Gesellschaft bei ihrer Mitgliederversammlung ihren Namen in Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V.

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