Nachschau - Veranstaltung am 16.10.2014

 
vom 31.10.2014

Was die Sicherheitspolitik beschäftigen wird

Pensionierter Brigadegeneral spricht über die Herausforderungen im 21. Jahrhundert

Sie kennen sich seit Jahrzehnten: (von links) GSP-Sektionsleiter Oberst a.D. Walter Laudes, Brigadegeneral a.D. Karl H. Schreiner und GSP-Vize Oberst a.D. Dietmar Paun vor dem neuen Logo des Vereins. - Foto: Michael Mäusly

Mit der leicht provokanten Feststellung „Es ist ein asiatisches Jahrhundert und ein Jahrhundert der Frauen“ eröffnete Karl H. Schreiner seinen Vortrag zu sicherheitspolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Der Brigadegeneral war zuletzt Direktor „Lehre“ an der Führungsakademie der Bundeswehr, ist seit Februar Pensionär und ein begehrter Redner – nicht nur bei der Lechfelder Gesellschaft für Wehrpolitik, sondern auch auf internationaler Ebene.

Dem erwartungsvollen Auditorium bot sich ein in Teilen fast philosophisch geprägter Querschnitt aktueller und kommender Herausforderungen. Der ehemalige Luftwaffenoffizier gab dabei keine Lösungen vor. Vielmehr versuchte er, verbindende Linien aufzuzeigen.

In diesem Jahrhundert „geraten wir an die Grenze des Denkens“, so Schreiner. Er sieht hierzulande eine „Tendenz zum Schönreden“. Dabei blickt der General sicher über den nationalen Tellerrand. In seiner Funktion an der Führungsakademie hatte er weltweit zahlreiche Kontakte mit Wirtschaftsvertretern, Politikern und hohen Militärs.

Der ehemalige Offizier redete von „Zukünften“ – ein Wort, das, wie er zugab, so nicht im Duden steht. Schreiner findet die Zukunft allerdings zu komplex für die Einzahl. Durch Beispiele verdeutlichte er die vielfältigen Herausforderungen. Die Bevölkerung wachse weltweit in diesem Jahrhundert wahrscheinlich auf knapp zehn Milliarden – während Deutschland gleichzeitig wohl massiv schrumpfe. Die Globalisierung mache früher regional begrenzte Ereignisse durch „Import“ quasi zu globalen Herausforderungen. Er verwies auf die aktuellen Vorgänge um die IS („Islamischer Staat“) in Hamburg und Celle.

Als brisantes Thema sieht Schreiner in den Bildungsdefiziten. Ein Kennzeichen des Wandels von der Industriegesellschaft hin zur postindustriellen Gesellschaftsform sei die Veränderung von Quantität zur Qualität: „Die Revolution der Bildung muss in den Schulen beginnen“; eine Meinung, die auch viele Zuhörer teilten.

Beim Thema Migration verdeutlichte der eloquente Gast anhand von Grafiken, warum die Zuwanderung beispielsweise aus Afrika weiter ansteigen werde. Er führte dafür Bevölkerungszunahme bei gleichzeitiger Ressourcenverknappung in Afrika sowie die verhältnismäßig stabile Situation Europa an. Die Flüchtlingsdramen auf der italienischen Insel Lampedusa sah er als „Spitze des Eisbergs“.

Schreiner sprach auch das Thema der Cyberkriminalität an. Die großen Gefahren seien bekannt, aber in Deutschland würde dieser kritische Komplex gerne unverbindlich formuliert, die Zuständigkeit zwischen Ministerien hin- und her geschoben. „50 Hacker schaden mehr als 1000 Fallschirmjäger“, sagte der Referent, „aber wir machen die Augen davor zu“.

Ganz anders zum Beispiel in China. Dort redeten sehr hohe Offiziere relativ offen über die Ausbildung von rund 5000 Cybersoldaten pro Jahr als militärisches Mittel. In den USA solle es bereits etwa 50000 von ihnen geben.

Diskussion um die viel zitierte „German Angst“

„Wir diskutieren die letzte Facette und sagen dann, wir lassen es“, charakterisiert Schreiner die weltweit oft belächelte „German Angst“. Er ist überzeugt: „Ohne Risikobereitschaft werden wir die Zukunft verlieren“. Auch über Probleme der sicheren Energieversorgung müsse offen geredet werden, „aber wir machen es nicht, weil wir nichts dagegen haben“. Der überzeugte Europäer wünscht sich zudem eine „europäische Armee“, denn die EU sei für die internationale Staatenwelt notwendig.

Nach oben Zurück
Veranstaltungskalender
 

GSP-Veranstaltungskalender

Legende: Termin exportieren - Zur Sektionsseite - Termininfo versenden - Terminerinnerung anfordern - Bei Veranstaltung anmelden