Nr. 07/2015

Landesbereich VII

Brandenburg - Sachsen -Sachsen-Anhalt - Thüringen

 

Sektion Potsdam
Sektionsleiter: Dr. Kurt Hecht

Sicherheitspolitische Öffentlichkeitsarbeit ist immer dann besonders erfolgreich, wenn sie dem Prinzip der Synergien stiftenden Kooperation aller vor Ort auf dem Gebiet der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik tätigen Bildungsträgern folgt.

Kooperation statt Konkurrenz ist auch das Erfolgsrezept, nach dem in Potsdam die dortige Sektion der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. unter ihrem langjährigen Leiter, dem Privatdozenten Dr. Kurt Hecht, das Politische Bildungsforum der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Regionalkreis Potsdam der Deutschen Atlantischen Gesellschaft e.V. und der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. – Landesgruppe Brandenburg als Forum Sicherheit & Politik gemeinsame sicherheitspolitische Veranstaltungen anbieten.

Die Zielsetzung, Fragen der Sicherheitspolitik in die Mitte der Gesellschaft hineinzutragen, nimmt man in Potsdam wörtlich. Die Veranstaltungen finden seit 2012 im „Le Manége“ am Neuen Markt statt, einer angesagten modernen Eventlocation in Potsdams historischer Mitte. Mehr Öffentlichkeit und Bürgernähe in der sicherheitspolitischen Bildungs- und Informationsarbeit geht nicht. Ein interessiertes Publikum hat, neben den angebotenen aktuellen Themen und kompetenten Referenten, vor allem auch den sehr zentralen Veranstaltungsort dankbar angenommen. Die Veranstalter können sich seither über deutlich gestiegene Besucherzahlen freuen.

So auch am 19. Mai, als das gemeinsame Forum über die Bedrohung durch die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) im Nahen Osten diskutierte. Über 90 Zuhörer folgten der Einladung ins „Le Manége“, eine Resonanz, die das große Interesse an diesem Thema verdeutlichte. Kein Wunder, stellt doch der Vormarsch der Terrormiliz eine massive Herausforderung nicht nur für den Nahen Osten, sondern insbesondere auch für die gesamte westliche Welt dar.

Mit ungläubigem Staunen nehmen wir zur Kenntnis, dass auch zehntausende junge Männer aus europäischen Staaten, viel mehr als bisher angenommen, für den IS in Syrien und im Irak in den Kampf ziehen, fragen uns besorgt, welche Faszination die grausamen Gotteskrieger auf junge Europäer ausüben, wie man den Zustrom fanatisierter „Abenteurer“ unterbinden kann und welche Gefahr von den Rückkehrern aus den Kampfgebieten für unsere innere Sicherheit ausgeht.

Daneben schaffen Millionen Flüchtlinge aus Syrien nicht nur für die umliegenden Staaten enorme Probleme, sondern auch für Europa, wo die Kriegsflüchtlingsströme aus Nahost mit der Migrationswelle aus Nordafrika zusammentreffen. Der Westen kann es sich allein deshalb nicht leisten, sich aus diesem Konflikt einfach herauszuhalten.

Kann der IS gestoppt werden oder droht dem Nahen Osten eine Schreckensherrschaft? Wie könnte oder sollte europäische und transatlantische Hilfe aussehen, um die Länder des Nahen Ostens in ihren Entwicklungsprozessen politisch und wirtschaftlich zu begleiten? Das waren nur einige Fragen zum Thema des Abends.

Die erleuchtenden Antworten erwartete man von Dr. Kinan Jaeger, der sich mit seiner ausgezeichneten Nahost-Expertise bereits in den vergangenen Jahren beim Potsdamer Forum einen Namen gemacht hatte.

Dr. Kinan Jaeger, Lehrbeauftragter der Uni Bonn - Foto: Haverbusch

Jaeger ist Lehrbeauftragter für Politikwissenschaften am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie an der Universität Bonn mit den Forschungsschwerpunkten Nahost und Islamismus. Er wurde 1966 als Sohn eines syrischen Vaters und einer deutschen Mutter in Damaskus geboren und ist in Bonn aufgewachsen. Nicht zuletzt aufgrund seiner arabischen als auch europäischen Abstammung und seiner Sprachkenntnisse hat er intensiven Zugang zu Hintergrundinformationen aus den nahöstlichen Krisengebieten.

Dr. Jaeger präsentierte einer interessierten Zuhörerschaft eine umfassende Analyse zur Entstehungsgeschichte des „Islamischen Staat“ bis hin zur gegenwärtigen Lage im Nahen Osten.

Dort bestehe auf engstem Raum ein großes Völker- und Religionsgemisch, so der Referent. Hinzu kämen noch Staaten, die 1914 von den westlichen Kolonialmächten nach eigenem Interesse und nicht nach Interesse der Menschen eingerichtet wurden. Noch heute gelte, dass sich der arabische Raum über die Religion definiere und nicht über Staaten, denn diese habe es dort früher nie gegeben. Sippen und Clans teilten das Land unter sich auf. Das habe zur Folge, dass heute keiner mehr dem anderen vertraue. Es drohe der Zerfall aller staatlichen Strukturen. Dies spielt dem IS in die Hände, dessen Truppen mit der Schaffung ihres Islamischen Kalifats die willkürlichen Staatsgrenzen aufheben. Der Glaube an ein Kalifat, der islamischen Herrschaftsform, bei der die weltliche und die geistliche Führerschaft in der Person des Kalifen vereint sind, ist zugleich Hauptantriebskraft für den Kampf der selbsternannten Gotteskrieger. Das vom IS in den eroberten Gebieten errichtete gesellschaftliche Zusammenleben wird aus dem Koran abgeleitet und ist mit demokratischen sowie humanitären Prinzipien der Menschenrechte westlicher Prägung unvereinbar.

Neben dem Zerfall der staatlichen Strukturen spielen die an Syrien und Irak angrenzenden sowie direkt oder indirekt beteiligten Mächte eine entscheidende Rolle im gegenwärtigen Konflikt, da sie mit den unterschiedlichsten Mitteln Einfluss nehmen, betonte Jaeger. So seien der Irak und Syrien zum Spielball zwischen sunnitischen und schiitischen Kräften geworden. Auch die Kurden Syriens, des Irak und der Türkei verfolgten ihre ganz elementaren Interessen. Sie wittern ihre große Stunde, endlich den lange erträumten gemeinsamen Kurdenstaat errichten zu können.

Eine Lösung, wie man mit der Krise im Irak und Syrien sowie dem sogenannten Gottesstaat der IS umgehen soll, sah auch der Experte Dr. Kinan Jäger nicht. Er zeigte sich vielmehr überzeugt, dass die Antagonismen zwischen den unterschiedlichsten Machtblöcken die verfeindeten Gruppen nicht zur Ruhe kommen lassen wird. Notwendig wäre ein Dialog aller kämpfenden Gruppen. Doch bei denen gebe es derzeit einfach keine Verhandlungspartner oder irgendwelche zum Dialog bereiten Ansprechpartner.

Fragen zur Finanzierung des IS, zu den Strukturen auf militärischer, sozialer und organisatori-scher Seite sowie zu den Geländegewinnen führten zu einer angeregten Diskussion, die an-schließend bei einem Umtrunk in kleinen Gruppen ihre Fortsetzung fand.

Die GSP-Sektion Potsdam wird im Juni eine Veranstaltung zum Thema: "70 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges, die NATO und die Kriegsgräberfürsorge" durchführen.

Nach der Sommerpause ab September sind weitere Veranstaltungen zum Ukraine-Konflikt, zum Krisenmanagement in prekären Staaten Afrikas sowie ein Vortrag über die Situation im südchinesischen Meer, insbesondere die Lage um die Paracel- und Spratly-Inseln geplant.

Dr. Kurt Hecht
Sektionsleiter
In eigener redaktioneller Verantwortung

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