Nr. 09/2015

Selbständige Sektion Bonn

 

Sektionsleiter: Servatius Maeßen

Sicherheitspolitische Information tut Not!

Das Pew Research Center (USA) hat eine öffentliche Umfrage bei NATO-Partnern diesseits und jenseits des Atlantik durchgeführt und dabei die Frage gestellt: Sollen im Fall eines Angriffs Russlands auf einen osteuropäischen NATO-Partner die Streitkräfte des jeweils eigenen Landes eingesetzt werden. In Deutschland lag die Zustimmungsrate bei 38%! Damit sind wir mit Abstand das Schlusslicht unter unseren NATO-Partnern.

Dieses Ergebnis ist je nach Sichtweise bemerkenswert, nachdenkenswürdig oder erschreckend. Es kommt zustande aus einer Mischung von Geschichtsvergessenheit, Ahnungslosigkeit, Desinteresse und Uninformiertheit. Es unterstreicht die These, dass unsere Gesellschaft sich auf einem schleichenden Weg zum Pazifismus befindet. Dieser Pazifismus ist nicht wie in Zeiten des Kalten Krieges ideologisch begründet, sondern er entsteht aus materialistischem und egoistischem Denken. „Lass‘ mich in Frieden, ich halte mich heraus, wasch‘ mir den Pelz, mach‘ mich nicht nass,…“, so oder ähnlich lässt sich diese Haltung umschreiben.

Es liegt auf der Hand, dass diese Einstellung für das Sicherheitsbewusstsein in unserem Staat und die Akzeptanz der für unsere Sicherheitsvorsorge erforderlichen Mittel und Maßnahmen riskant ist. Die Konsequenz daraus ist, dass unermüdlich der Versuch gemacht werden muss, das Desinteresse abzubauen und Ahnungslosigkeit und Uninformiertheit zu reduzieren. Hier ist von Seiten der Politik Engagement, Klarheit und Wahrheit gefordert. Das Wachstumspotenzial in dieser Beziehung ist gewaltig! Die in der sicherheitspolitischen Informationsarbeit engagierten Institutionen können die Defizite zwar nicht beheben, aber sie geben die Versuche nicht auf, sich in die Bresche zu werfen und die Lücken zu verkleinern. Das erfordert Geduld, Ausdauer und Stehvermögen, aber auch viel Arbeit und Opferbereitschaft. Aber es lohnt sich und ist ohne Alternative; denn sicherheitspolitische Informationsarbeit tut Not in unserem Land!

Die Sektion Bonn in der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. bietet das Jahr über ein breites Spektrum an sicherheitspolitischen Informationen an und ist dabei bemüht, den Aspekten der vernetzten Sicherheit und des erweiterten Sicherheitsbegriffs Rechnung zu tragen. Dies belegen einige Beispiele:

Das heiß diskutierte Thema Cyber-Sicherheit, das jeden angeht, das Merkmal des Strategischen Konzepts der NATO ist, mit dem nicht nur der Deutsche Bundestag schmerzliche Erfahrungen gemacht hat, wurde übergreifend behandelt unter der Überschrift „Sicherheitspolitik im Cyber-Zeitalter – eine gesamtstaatliche Herausforderung“.

Dr. Thomas Lemmen - Islamexperte - Foto: Markus Gerundt

Dass die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr nicht nur von der Ausrüstung abhängt, sondern auch und vor allem von den Menschen, die in ihr dienen, wurde deutlich in einen Vortrag mit dem Thema „Arbeitgeber Bundeswehr – Lage und Perspektive“. Der Schwerpunkt lag auf Konzepten, Programmen und Maßnahmen, mit denen die Bundeswehr im Konkurrenzkampf um das knappe Gut „Personal“ langfristig bestehen will.

Eine wenig bekannte, im Verborgenen blühende deutsch-amerikanische Institution wurde vorgestellt: „Das George C. Marshall Center – Bilanz und Perspektive“. Das in Garmisch-Partenkirchen seit 1993 ansässige Center war ursprünglich dafür gedacht, den Aufbau demokratisch verfasster Sicherheitsstrukturen in den jungen Staaten Osteuropas zu unterstützen. Inzwischen stehen die Pflege internationaler Beziehungen, Forschungen im Zusammenhang mit asymmetrischer Kriegführung sowie die Ausbildung von Personal für internationale Verwendungen im Vordergrund.

„Islamismus als Herausforderung für unsere Gesellschaft“ behandelte die thematische Bandbreite von den religiösen Grundlagen des Islam über den politischen Islamismus und den ideologisch geprägten Salafismus bis hin zu den Methoden und Motiven des Islamischen Staats.

Mit dem Thema „Das Streitkräfteamt – die Vielfalt als Besonderheit“ wurde dem Zuhörerkreis ein vielfältiger, global agierender Dienstleister für die Bundeswehr in beeindruckender Weise näher gebracht.

Ein Informationsbesuch beim Polizeipräsidium in Bonn als einer Institution mit operativer Verantwortung für die innere Sicherheit rundete das Angebot der Sektion ab. Gerade dieser Besuch sollte deutlich machen, dass die innere Sicherheit Bestandteil der vernetzten Sicherheit ist und dass die Grenzen zur äußeren Sicherheit zunehmend fließend sind.

Mit der Erkenntnis „Sicherheitspolitische Information tut Not!“ wird die Sektion Bonn auch in Zukunft nicht müde, aktuelle Themen zu behandeln und heiße Eisen anzupacken. Der rege Zuspruch ermutigt uns und zeigt, dass der Informationsbedarf vorhanden ist.

Servatius Maeßen
Sektionsleiter
In eigener redaktioneller Verantwortung

Nach oben Zurück
Veranstaltungskalender
 

GSP-Veranstaltungskalender

Legende: Termin exportieren - Zur Sektionsseite - Termininfo versenden - Terminerinnerung anfordern - Bei Veranstaltung anmelden