Nr. 12/2015

Landesbereich III

Nordrhein - Westfalen

Der Landesbereich III berichtet exemplarisch über die Arbeit von 3 Sektionen und stellt damit unterschiedliche Themen und methodische Ansatzpunkte vor.

Sektion Lippstadt

Sektionsleiter: Dr. Olav Freund

Die Sektion Lippstadt hat zum Thema 25 Jahre Deutsche Einheit Ende September in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Reservistenverband Arnsberg eine sehr gut besuchte Veranstaltungsreihe organisiert, mit der auch viele Schüler und Lehrer mehrerer Gymnasien erreicht werden konnten.

Dazu konnte als Referent ein Zeitzeuge ersten Ranges, Karl-Heinz Richter von der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen gewonnen werden. Der Berliner Fluchthelfer galt in der DDR als „Staatsfeind Nummer eins“.

Referent Karl-Heinz Richter (3. v.l.) im Kreise der mitwirkenden Schülerinnen und Schüler der Gymnasien Marienschule und Europaschule Ostendorf sowie den Veranstaltern der Konrad-Adenauer-Stiftung - Bildungswerk Dortmund, des Reservistenverbands - Kreisgruppe Arnsberg und der Gesellschaft für Sicherheitspolitik - Sektion Lippstadt - Foto: Assmann

Richter berichtete in drei getrennten Veranstaltungen im Gymnasium Marienschule Lipperbruch unter Mitwirkung von Schülern/innen der Europaschule Gymnasium Ostendorf und am Aldegrever Gymnasium in Soest fesselnd und authentisch zum Thema „Demokratie – zu jedem Preis“. Zielsetzung dieses Projektes war es, daran zu erinnern, wie das Leben in einem Staat ohne bürgerliche Freiheiten, ohne Reisefreiheit und mit staatlicher Überwachung war. In den gut besuchten Veranstaltungen erzeugte Karl-Heinz Richter durch seine Erlebnisse große Betroffenheit. Zwei Freunde des damals 17jährigen waren unmittelbar nach dem Mauerbau auf der gemeinsamen Flucht erschossen worden. Dieser Vorfall motivierte Richte, der nie einer Fluchthilfeorganisation angehörte, anderen Menschen bei der Flucht zu helfen. Dabei setzte er mehrfach sein Leben ein, wurde verhaftet und musste viele persönlich Nachteile in Kauf nehmen. Mit dieser Veranstaltungsreihe gelang es der Sektion Lippstadt einem größeren Zuhörerkereis und vielen jüngeren Mitbürgern (ca. 550) zu vermitteln, wie wichtig unsere freiheitliche demokratische Grundordnung ist.

 

Sektion Soest-Arnsberg

Sektionsleiter: Brigadegeneral a.D. Ulrich Nickel

Die Sektion Soest-Arnsberg setzte sich aus aktuellem Anlass im Mai mit den großen transatlantischen Fragen auseinander und konnte als Referenten Herrn Fregattenkapitän Helmut Zimmermann zum Thema „Die USA, ein Key-Player und global agierender Akteur im Internationalen System – mit besonderer Berücksichtigung Asiens“ gewinnen.

Zimmermann war mehrere Jahre in den USA stationiert und ist aktuell Dozent für Sicherheitspolitik und Internationale Beziehungen an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Warum sind die Amerikaner so wie sie sind? Dieser Frage ging Zimmermann zu Beginn seines Vortrages nach. Nach seiner Auffassung liegt der Schlüssel in der Unabhängigkeitserklärung der USA. So sei über Jahrzehnte ein fundamentales Sendungsbewusstsein in Verbindung mit einem unbeirrbaren Fortschrittsglauben entstanden.

Sektionsleiter Ulrich Nickel (2.v.r.) mit dem Referenten Helmut Zimmermann (4. v.l.), Vorstandsmitgliedern und Vertreter KAS Dortmund. - Foto: Privat

Vor diesem Hintergrund verdeutlichte Zimmermann die aktuellen Sicherheitsinteressen der USA. So gibt die USA aktuell 4,2% seines BIP (DEU 1,2%) für Verteidigung aus. Dieses dient zu Wahrung der 4 Grundinteressen: Sicherheit, Wohlstand, Werte und Internationale Ordnung. Die derzeitige Hinwendung der USA nach Asien beruht nach Zimmermann auf der Entscheidung von Präsident Obama im November 2011, 60% der See- und der Luftstreitkräfte bis 2020 im Pazifischen Raum zu stationieren.

Neben der Sicherung neuer Absatzmärkte begegne USA so den strategischen Interessen Chinas. Der Vortragende machte abschließend deutlich, dass sich durch die westlichen Sanktionen gegen Russland und dessen Annäherung an China zusätzliche Handlungsfelder im pazifischen Raum ergeben würden.

Die Veranstaltung schloss mit einer sehr angeregten Frage- und Diskussionsrunde.

 

Sektion Aachen-Heinsberg

Sektionsleiter: Oberst a.D. Herbert Wölfel

Die Sektion Aachen-Heinsberg befasste sich im August intensiv mit dem afrikanischen Kontinent und hatte in Kooperation mit der Volkshochschule Heinsberg und der Deutsch-Atlantischen-Gesellschaft als Referenten den Frankfurter Politikberater und Publizisten Dustin Dehéz zu einem Vortrag „Afrika auf dem Sprung“ gewinnen können.

Dehéz, der teilweise in Ghana lebt, machte zunächst deutlich, wie vielschichtig der aus 54 Staaten bestehende Kontinent sei und dass sich die Mehrheit Afrikas inzwischen in der Demokratie stabilisiert habe. Dehéz betonte, dass die Generation, die einst für den Demokratisierungsprozess gekämpft habe, nun versuche, an der Macht zu bleiben und autoritär weiter zu regieren. Die Strukturen vieler afrikanischer Staaten seien auf ihre Präsidenten zugeschnitten, die ihre Macht in den Hauptstädten konzentrieren würden, während in der Fläche und in Peripherie der Staat oft nicht präsent sei.

Die politischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte habe aber auch in der Bevölkerung Spuren hinterlassen. Den vielen, unserem westlichen Standard ähnlichen Wohnbezirken in den größeren Städten ständen die bekannten Slums gegenüber. Auch verwies Dehéz auf die teilweise boomende afrikanische Wirtschaft, die ironischer weise dazu führe, dass sich auch die Flüchtlingsproblematik weiter entwickle, denn „man muss sich Flucht erst mal leisten können“, so Dehéz.

Referent Dustin Dehéz in Geilenkirchen. Foto: Markus Bienwald

Zur mutmaßlichen Bevölkerungsentwicklung in Afrika führte Dehéz aus, dass es bei der aktuell rund einer Milliarde Afrikanern nicht bleiben werde. Für das Jahr 2050 werde mit 2,5 Milliarden Menschen gerechnet und das werde unausweichliche Folgen für das ökonomische Gewicht Afrikas haben. Abschließend verdeutlichte der Referent noch einmal die Abhängigkeit Europas von den Wassertransportwegen entlang der afrikanischen Küste einschließlich des Suez-Kanals.

Der Sektionsleiter der Sektion Aachen-Heinsberg, Herbert Wölfel, konnte nach einer sehr angeregten anschließenden Diskussion im Haus Basten in Geilenkirchen zusammenfassend feststellen, dass dieser ganz andere und aktuelle Blick auf Afrika viele Vorurteile relativiert habe und zur Erweiterung des sicherheitspolitischen Horizonts beigetragen habe.

Gerhard Kemmler
Landesvorsitzender III
In eigener redaktioneller Verantwortung

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